Ausgestopfte Schafe an der Decke: Künstler Wetz arbeitet auch im Spital Sursee

BLICKFANG ⋅ Nach dem Standort Luzern folgt nun Sursee: Das Luzerner Kantonsspital beauftragt Künstler Wetz, in seinen Räumen kreativ zu sein. Im Entree hat er ausgestopfte Schafe an die Decke montiert. Die ersten Reaktionen sind gemischt.
15. Mai 2017, 04:38

Begeistert zeigt Künstler Wetz auf fünf Schafe, die über seinem Kopf an der Decke spazieren. Deren Ohren sind einbandagiert. Er steht am Haupteingang im Luzerner Kantonsspital in Sursee und erklärt seinen speziellen Einsatz.

Die Schafe an den Füssen an die Decke zu befestigen, sei besonders aufwendig gewesen, berichtet Wetz. Erschaffen hat er das Werk schon früher, nun fand er, es passe gut ins Spital. Es trägt folgenden Namen: «Ein Hörspiel vom Wolf und den sieben Schafen.» Zwei fehlen jedoch. «Wie man sieht, war der Wolf bereits aktiv und hat zwei Schafe erwischt», erzählt Wetz mit einem Schmunzeln. «Die anderen sind mit ein paar Schrammen davongekommen.»

Der Bancomat wurde abgedeckt

Seit 2013 ist Werner Zihlmann alias Wetz vom Luzerner Kantonsspital beauftragt, in seinen Räumen als Künstler tätig zu sein. Nach dem Standort Luzern hat er Sursee ins Visier genommen. Er hängt nicht nur ein paar Bilder auf, nein, er verändert vieles: Pflanzen, Dekorationen, Bilder und sogar Möbel werden in Absprache mit den jeweiligen Abteilungen ersetzt. Dann nagelt er neue Bilder an die Wand und stellt Skulpturen auf. Jedes Detail ist ihm wichtig, nichts wird dem Zufall überlassen.

Vom Abfalleimer bis zur Hinweistafel nimmt Wetz, der das «Kunst und Kultur im Landessender Beromünster» (KKLB) leitet, alles unter die Lupe. Sogar der Bancomat im Eingangsbereich wurde auf Wetz’ Wunsch hin abgedeckt, jetzt ist er kaum noch sichtbar. «Er funktioniert noch immer, nur steht er nicht mehr im Mittelpunkt», erklärt Wetz. Ein Bancomat dürfe nicht das Erste sein, was Besucher und Patienten im Eingangsbereich erwarten sollte.

«Eine ästhetische Professionalität»

«Es ist nötig, dass die Spitäler attraktiv gestaltet werden», erklärt Wetz seine Beweggründe, im Spital Kunst zu machen. Er nennt ein Beispiel: Im Erdgeschoss in Sursee hing früher ein Brett mit diversen Spitalneuigkeiten. «Dieses Brett war eine Katastrophe, voller Klebeband. Zu Hause bin ich für Unordnung, aber hier im Spital erwarte ich eine ästhetische Professionalität», sagt Wetz. Nun hängt am selben Ort eine schwarze Magnetwand, zahlreiche Werke von Wetz zieren weiter den Korridor.

Ausgerüstet mit Staubwedel, Putzlumpen und Werkzeugen, ist ein Künstlerteam um Wetz und Silas Kreienbühl, Geschäftsführer des KKLB, jede Woche im Spital unterwegs. So werden die Kunstwerke in Schuss gehalten. Wetz schwärmt: «Das Projekt ist ein grosser Erfolg. Bereits in Luzern hatten die Menschen Freude an den Werken.»

Im Spital in Sursee löste der Einsatz von Wetz bislang unterschiedliche Reaktionen aus. «Mit der Kunst ist es oft so: Es gibt immer einige, denen sie nicht gefällt», sagt Marie-Theres Huber, stellvertretende Leiterin Pflege in Sursee. Es gebe sowohl Mitarbeiter als auch Patienten, für die zum Beispiel die Schafe im Eingangsbereich gewöhnungsbedürftig seien. Ramona Helfenberger, Sprecherin des Luzerner Kantonsspitals, sagt: «Wir haben positive sowie eher kritische Rückmeldungen erhalten.»

Wie viel der Kunstauftrag an Wetz das Luzerner Kantonsspital kostet, wird laut Helfenberger nicht kommuniziert. «Grundsätzlich geben wir keine Preis­angaben zu den Kunstprojekten bekannt.» Die Anschaffung von Kunst und Dekorationsobjekten wäre im Vergleich zu Wetz’ Engagement jedoch wesentlich teurer gewesen. Das Projekt funktioniert nämlich so: Wetz stellt eigene Werke oder jene von anderen Künstlern im Spital aus. Alle Werke werden leihweise zur Verfügung gestellt. Jedes ausgestellte Werk steht im Spital – wie in einer Galerie – zum Verkauf. Die ausgestopften Schafe übrigens kosten 120000 Franken.

 

Sebastian Hofer

sebastian.hofer@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Weitere Infos gibt’s im Internet: www.kunstimspital.ch


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