Kanton Luzern zahlt pro Jahr drei Millionen AHV-Ersatzrente

PENSIONSKASSE ⋅ Die Luzerner Pensionskasse steht vor Problemen. Der VPOD kritisiert die Änderung des Reglements.
15. Juli 2017, 05:00

Tiefe Zinsen, geringe Renditen und eine steigende Lebenserwartung machen der Luzerner Pensionskasse (LUPK) Probleme. Daher will die Vorsorgeeinrichtung aller Kantonsmitarbeiter, Spitalangestellten, Polizisten oder Lehrer per 2019 das Rentenalter von 63 auf 65 erhöhen, den Umwandlungssatz von 6,15 auf 5,2 Prozent senken und die arbeitgeberfinanzierte AHV-Ersatzrente bei Frühpensionierungen ab 62 komplett streichen. Wegen der Erhöhung des Rentenalters kommt es zu Anpassungen am Personalgesetz, die Vernehmlassung läuft (Ausgabe vom 14. Juli).

Als «Sparmassnahme durchs Hintertürchen» auf dem Buckel der Versicherten kritisiert Martin Wyss, Geschäftsleiter des Verbands des Personals der öffentlichen Dienste (VPOD) die Streichung der arbeitgeberfinanzierten AHV-Ersatzrente. Roland Haas, Leiter der Dienststelle Personal sagt stellvertretend für den am Freitag abwesenden Finanzdirektor Marcel Schwerzmann: «Der Arbeitgeber Kanton Luzern spart durch die geplanten Reglementsänderungen der Pensionskasse kein Geld.» Weil die LUPK flankierende Massnahmen beschloss, um die Rentenkürzungen abzufedern, leistet der Kanton künftig während zehn Jahren 1,5 Prozent höhere Beiträge. Fakt ist aber auch: Der Kanton zahlt bislang rund drei Millionen jährlich für die AHV-Ersatzrente – dies entspricht Beiträgen von 0,7 Prozent – die per 2021 gänzlich wegfallen sollen.
 
Mehrfach hat die Luzerner Regierung die LUPK als Sorgenkind präsentiert. Denn: Bei einem Deckungsgrad zwischen 95 und 100 Prozent kann der Vorstand der Pensionskasse Sanierungsbeiträge erheben. Der Kanton Luzern müsste dann jährlich 6,5 Millionen Franken einschiessen. Aktuell ist man davon aber weit entfernt: Der Deckungsgrad liege bei gut 106 Prozent, sagt Haas. «Um grössere Börsenkorrekturen respektive Verwerfungen an den Finanzmärkten auffangen zu können, wird eine Wertschwankungsreserve von 16 Prozent angestrebt. Es fehlen somit immer noch 10 Prozent, um die Zielgrösse zu erreichen.» Daher seien die «teils einschneidenden Änderungen» trotz allem notwendig. «Als attraktiver Arbeitgeber ist der Kanton Luzern auf eine gesunde und stabile Pensionskasse angewiesen», sagt Haas.
 
Der VPOD hält es für «unverständlich», dass der Staatspersonalverband und der Luzerner Lehrerinnen- und Lehrerverband (LLV) dem «Rentenabbau zu Lasten des Personals» zustimmen konnte. Ein Stück weit sei diese Äusserung «nachvollziehbar», sagt LLV-Präsidentin Annamarie Bürkli, die als Vertreterin der Arbeitnehmer Einsitz im 12-köpfigen LUPK-Vorstand hat. Dieser habe «im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben eine realisierbare und ausgewogene Lösung erarbeitet und diese einstimmig beschlossen». Heisst: Die Arbeitgeber kommen nun zu einem Drittel für die Rentenkürzungen auf, zwei Drittel zahlen die Versicherten. Da der Handlungsbedarf bei der Luzerner Pensionskasse aber «nicht von der Hand zu weisen» sei, habe sie auch durch ihre Verantwortung als Vorstandsmitglied für die Senkung des Umwandlungssatzes und die Erhöhung des Rentenalters «Verständnis». «Schmerzhaft» sei hingegen der Wegfall der arbeitgeberfinanzierten AHV-Ersatzrente ab 62. Deren Streichung war jedoch «eine Frage der Zeit», da sie bei «Lehrerüberfluss» eingeführt worden sei und heute im Widerspruch zur Erhöhung des Rentenalters stehe.

Die arbeitgeberfinanzierte AHV-Ersatzrente, wie sie die Luzerner Pensionskasse bis anhin kennt, gehört nicht zu den gesetzlichen Leistungen im Rahmen der beruflichen Vorsorge. Sie sollen bei Frühpensionierungen die entsprechende Einkommenslücke bis zur ordentlichen Pensionierung teilweise schliessen.

Solche Überbrückungsrenten bis zum ordentlichen Pensionsalter sind aber gerade bei Arbeitgebern der öffentlichen Hand verbreitet.
 

Evelyne Fischer

evelyne.fischer@luzernerzeitung.ch


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