Strassenbäume sorgen für Ärger

LUZERN ⋅ Zahlreiche Strassenbäume verdecken Strassenlaternen und werfen zu viel Schatten, klagen Leser unserer Zeitung. Das Problem zu beheben, ist aber schwierig, denn Bäume dürfen nicht einfach gefällt werden.
15. November 2017, 05:00

Beatrice Vogel

beatrice.vogel@luzernerzeitung.ch

Viele Strassenzüge in der Stadt Luzern sind von Bäumen gesäumt. So mancher erfreut sich des Blätterdachs, durch das die Strassen im Sommer vor Sonne und Hitze geschützt sind. Doch gerade in der dunklen Jahreszeit werfen die Bäume auch unerwünschte Schatten auf Strassen und Trottoirs. So manche üppige Baumkrone verdeckt Strassenlaternen, wodurch die Strassen noch dunkler werden.

Dies ist einem Leser unserer Zeitung aufgefallen, der im Raum Allmend wohnt. Entlang der Horwerstrasse gebe es mehrere Strassenlaternen, deren Leuchtkörper sich über oder mitten in den Blättern befinden. Der Fussgängerstreifen beim «Schützenhaus» sei dadurch schlecht beleuchtet. «Der Sinn einer Beleuchtung besteht ja eigentlich darin, die Strasse aufzuhellen, auch aus Sicherheitsgründen, und nicht darin, Bäume zu beleuchten», schreibt er an unsere Zeitung. Und er fragt sich, warum die Bäume so dicht an die Strassenlaternen gepflanzt respektive nicht öfter zurückgeschnitten werden.

Zu runde Bäume gepflanzt

Ein anderer Leser unserer Zeitung, Dr. Ernst Meili, meldet ein ähnliches Problem: Ein denkmalgeschütztes Haus an der Ecke Zentralstrasse/Waldstätterstrasse, das sich im Besitz seiner Frau und ihrer Schwester befindet, ist von grossen Bäumen gesäumt. Diese werfen oft so viel Schatten, dass es im Haus tagsüber dunkel sei. Nun wurde im Zuge der kürzlich abgeschlossenen Hirschmatt-Sanierung direkt vor der Haustür eine neue Strassenlaterne aufgestellt. Der Grund: «Die Strasse müsse aus Sicherheitsgründen heller beleuchtet werden. Die Bäume nähmen zu viel Licht weg, hiess es, als ich mich erkundigte», so Meili. Zudem hätten die Bäume, die in den 1980er-Jahren dort gepflanzt wurden, die falsche Form, sodass sie noch mehr Schatten werfen. «Anstatt dass man die Bäume fällt und durch die richtigen ersetzt, verschlimmert man den Fehler, indem man für teures Geld neue Lampen installiert», ärgert sich Meili. Das sei Lichtverschmutzung.

«Tatsächlich hat man die Säulenhainbuchen an der Zentralstrasse, als sie gepflanzt wurden, als eher schlank erachtet, obwohl sie eher eiförmig sind», sagt Fritz Bächle, Baumsachverständiger der Stadt Luzern. Werde einer dieser Bäume krank, ersetze man diesen durch eine schmalere Sorte. Allerdings: Einmal gepflanzte Bäume dürfen in Luzern nicht einfach gefällt werden, denn der Baumschutz ist gesetzlich vorgeschrieben. «Damit die Bäume nicht zu viel Schatten werfen, schneiden wir sie alle zwei Jahre stark zurück», erklärt Bächle weiter, «ein häufigerer Schnitt liegt wegen des grossen Aufwands nicht drin.»

Strassenraum ist «hart umkämpft»

Grundsätzlich nehme die Stadt bei der Auswahl der Bäume auf die Umgebung Rücksicht, sagt Bächle. So wurden etwa am Kaufmannweg schmale Säuleneschen gepflanzt, da es eine eher enge Strasse ist. Auf Rückmeldungen aus der Bevölkerung oder auch von EWL, welche die Strassenlampen unterhält, werden die Bäume jeweils überprüft und nötigenfalls geschnitten, sagt Fritz Bächle. «Mit Zurückschneiden lässt sich meist viel machen, aber die Bäume sind dann halt immer noch da», sagt Bächle. «Oft ist es ein subjektives Empfinden, wenn jemand die Strasse als schlecht ausgeleuchtet bezeichnet, während das Licht aus Sicht der Fachleute ausreicht – und umgekehrt.»

Doch warum pflanzt man die Bäume nicht etwas weiter weg von den Lampen? Der Strassenraum sei «hart umkämpft», sagt Bächle, verschiedene Interessen müssen auf engem Raum berücksichtigt werden. Dem pflichtet Roger Schürmann, Projektleiter der Hirschmatt-Sanierung, bei. Grundsätzlich sei die Stadt Luzern der Meinung, dass die Grünräume und damit auch die Strassenbäume dem Stadtraum viele Qualitäten bringen, auch wenn sie manchmal einer Lampe in die Quere kommen. «Und Strassenbäume werfen nun einmal Schatten», sagt Schürmann.

Was die Strassenlaterne vor dem Hauseingang an der Waldstätterstrasse betrifft, erklärt Schürmann: «Wir haben die ­ganze Beleuchtung im Hirschmattquartier erneuert und mit energieeffizienten LED-Leuchten ausgerüstet. Dabei wurden einzelne neue Laternen aufgestellt, darunter auch diese.» Man habe grundsätzlich dunkle Ecken aufhellen wollen und dafür kleine Leuchten verwendet, die unter den Baumkronen Licht spenden. Man habe aber den Lichtkegel so eingestellt, dass dieser nicht ins Haus hinein falle.


5 Leserkommentare

Anzeige: