Weltneuheit in Horw: Ziegel nutzt Sonne, Wärme und Luft zur Stromerzeugung

ENERGIE ⋅ Eine Zuger Firma entwickelt mit der Hochschule Luzern und den AGZ Ziegeleien Dächer, die Sonnenlicht, Wärme und Wind in einem verwerten können. Damit streben sie nichts Geringeres als eine Energie-Revolution an.
Aktualisiert: 
05.04.2018, 19:00
05. April 2018, 13:51

Stefan Dähler

stefan.daehler@luzernerzeitung.ch

Fotovoltaik nutzt das Licht, Solarthermie die Wärme, ein Windrad den Wind. Nun will die Firma Logic Group mit Sitz in Zug die drei Energiequellen kombinieren. Sie hat daher in Zusammenarbeit mit der Hochschule Luzern in Horw einen neuen Ziegel, den «Hero Easy», entwickelt. Dieser soll eine «Energie-Revolution auf dem Hausdach» einläuten, wie es am Medieninformationsanlass vom Donnerstag hiess.

Der Ziegel besteht wie ein Sandwich aus drei Komponenten: Zuoberst fängt eine Fotovoltaik-Anlage das Sonnenlicht auf und wandelt dieses in Strom um. Die Wärme wird darunter durch eine Solarthermie-Anlage in Form einer sich erwärmenden Flüssigkeit abgezogen. Daraus entsteht jedoch kein Strom, sondern allenfalls Energie zum Heizen oder Wasserwärmen. Zuunterst befindet sich ein kleiner Windkanal, aus dem wiederum Strom gewonnen wird (siehe Grafik). Dies soll dank der Thermik entlang der Hauswand auch bei Windstille funktionieren.

Video: So funktioniert der Dachziegel der Zukunft

Auf dem Campus der Hochschule in Horw steht ein Musterhäuschen, auf dessen Dach eine Weltneuheit Energie produziert. Die Dachziegelmodule sind Solarzelle, Wind- und Wärmekraftwerk in einem. Drei Jahre wurde daran getüftelt, auch die Ziegelbranche zeigt Interesse. (, 05.04.2018)

«Ein 160 Quadratmeter grosses Dach kann rund 80'000 Kilowattstunden Strom pro Jahr produzieren», sagt Romeo Maggi von der Logic Group. Das sei rund dreimal mehr, als ein Haus mit dieser Dachgrösse benötige. «Den restlichen Strom kann man ins Stromnetz einspeisen.»

Dach soll nicht teurer sein als eine Solaranlage

Laut Maggi hat man sich zum Ziel gesetzt, dass die Ziegel bis Ende Jahr auf den Markt kommen. Sie sollen «erschwinglich» sein. Für 160 Quadratmeter strebt er einen Preis von rund 50'000 Franken an, was nicht teurer sei als eine herkömmliche Solaranlage. Für diese Grösse seien ungefähr 1000 einzelne Ziegel nötig. Das Ziel ist, dass diese auf dem Dach ganz einfach montiert werden können und die Leitungen sich durch blosses Aneinanderreihen miteinander verbinden.

Die Logic Group arbeitet seit drei Jahren an der Entwicklung der neuartigen Ziegel. Sie ist eine kleine Firma mit gerade mal vier Mitarbeitern, Maggi redet von einem «Think Tank», also einer Denkfabrik. Diese kann das Produkt nicht alleine entwickeln. 200'000 Franken hat die Firma von der Klimastiftung Schweiz erhalten, die vor allem von Banken und Versicherungen getragen wird, erhalten. Weiter arbeitet die Logic Group wie erwähnt mit der Hochschule Luzern zusammen. Auf dem Campus in Horw wurde am Donnerstag ein Musterdach der Öffentlichkeit vorgestellt, das zu Test- und Optimierungszwecken dienen soll.

Zudem ist die Firma vor einigen Monaten mit den AGZ Ziegeleien eine Partnerschaft eingegangen. Die Ziegeleien betreiben mehrere Standorte in der Schweiz, unter anderem in Horw und in Gettnau. Aktuell stellen sie noch klassische Ziegel aus Backstein oder Ton her. «Wir wollen nun dabei mitarbeiten, den eigenen Markt zu revolutionieren», sagt Philippe Fischer, Leiter Verkauf und Marketing. «Das Motto lautet: von Ton zum Strom.» Der klassische Ziegel habe deswegen aber noch nicht ausgedient. «In der Praxis werden einige Kunden künftig wohl nicht das ganze Dach, sondern nur die sonnenexponierte Seite mit den neuen Ziegeln abdecken», sagt Sandro Fehlmann von den AGZ Ziegeleien.

Bei Flachdächern weniger effektiv

Das neue Produkt weist jedoch einen kleinen Makel auf: Heute werden vor allem Flachdachhäuser gebaut, in der Fläche produzieren die Ziegel jedoch vor allem wegen der fehlenden Angriffsfläche für den Wind weniger Energie. Das Marktpotenzial sei dennoch sehr gross, so Fischer. Pro Jahr würden alleine in der Schweiz rund 35'000 ältere Hausdächer erneuert, ergänzt Maggi.

Bis der Ziegel auf den Markt kommt, gilt es nun noch einige Fragen zu klären. So müsse der Wasserablauf bei Regen möglichst einfach funktionieren, sagt Fehlmann. Weiter wollen die Ziegeleien mit der Logic Group noch eine geeignete Unterlage für die Ziegel entwickeln. Danach wird sich zeigen, ob die «Energie-Revolution» gelingt.


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