Zusätzlicher Ferientag für Luzerner Lehrer: Kompensation bereitet Kopfzerbrechen

BERUFSSCHULE ⋅ Luzerner Lehrer der Volksschule werden ab dem Schuljahr 2017/18 mit einem zusätzlichen freien Tag etwas entlastet. Die Berufsschulen können dies nicht telquel übernehmen. Nun suchen sie nach anderen Lösungen.
14. Juni 2017, 05:00

Yasmin Kunz

yasmin.kunz@luzernerzeitung.ch

 

Die Lehrer der Volksschule und der Sekundarstufe II (Gymnasien und Mittelschulen) werden ab dem kommenden Schuljahr entlastet (Ausgabe vom 12. Juni). Grund: Zwischen den zusätzlichen Stunden für das Verwaltungspersonal und der zusätzlichen Lektion der Lehrpersonen besteht eine Jahresdifferenz von zirka 20 Arbeitsstunden. Sie ist eine Folge der Sparmassnahme. Als Kompensation haben Lehrer der Volksschule einen zusätzlichen Freitag, und die Lehrer der Sekundarstufe II dürfen künftig an zwei unterrichtspflichtigen Halbtagen die schulinterne Weiterbildung besuchen. Anders sieht es bei den rund 700 Berufsschullehrern aus. Benno Wey, Präsident des Verbands Luzerner Berufsschullehrer, sagt: «Auf unserer Stufe überlässt man es den Schulen, wie sie die Kompensation umsetzen.» Das könnte heissen, dass eine Berufsschule einen Freitag einschaltet, eine andere wiederum ein paar Rand­lektionen ausfallen lässt.

Wey findet die unterschiedliche Handhabung problematisch: «Die Ungleichheit zwischen den einzelnen Schulstufen im Kanton Luzern ist politisch äusserst bedenklich.» Der Flickenteppich der unterschiedlichen Anstellungsbedingungen würde sich auf die Bildung im Kanton kontraproduktiv auswirken, so Wey, der am Berufsbildungszentrum Bau und Gewerbe am Luzerner Bahnhof seit zehn Jahren Allgemeinbildung unterrichtet. «Wir Lehrer haben eine Unterrichtsverpflichtung. Wir können nicht einfach die Lernenden nach Hause schicken. Schliesslich müssen sie ausgebildet werden, und zudem verdienen sie während dieser Zeit.»

Während bei Volksschulen und Gymnasien die jeweiligen Dienststellenleiter die Form der Kompensation bestimmt haben, wird die Entlastung an den Berufsfachschulen individuell umgesetzt. Christof Spöring, Leiter der Dienststelle Berufs- und Weiterbildung, erklärt: «Die Berufsschulen sind nicht so frei wie etwa die Volksschule. Denn je nach Ausbildung haben die Lernenden nur einen Tag Unterricht. Diese Lektionen kann man nicht ersatzlos streichen.»

Die Schulleitung kann für interne Weiterbildungen den Ausfall einzelner Randstunden bewilligen, so Spöring. Dabei gilt es, die Lernziele der Klassen zu erreichen und die Inhalte über andere Lernformen zu vermitteln. Er ist überzeugt: «Die Berufsschulen werden einen Weg finden, wie sie die Kompensation passend umsetzen.» Wie die rund 230 Lehrer des Berufsbildungszentrum Bau und Gewerbe im nächsten Schuljahr kompensieren werden, ist noch unklar, so Wey. Er kann sich nicht vorstellen, Lektionen ausfallen zu lassen – im Gegenteil: «Dass der Kanton Schulen schliessen kann, hat er bewiesen. Jetzt brauchen wir eine Rückkehr zu konkurrenzfähigen Bedingungen, keine zusätzlichen Freitage. Alles andere ist Kapitulation.»

Auch bei der Berufsschule für Wirtschaft, Informatik und Technik in Emmen, Willisau und Sursee weiss man noch nicht, wie man kompensieren wird. Tony Röösli, Co-Rektor, sagt dazu: «Wir machen uns Überlegungen dazu, wie wir dies in geeigneter Form umsetzen können.»


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