Bevölkerung muss über Landkauf abstimmen

ROOT ⋅ Weil sich zwei Grundstückbesitzer überworfen haben, muss die Rooter Bevölkerung über einen Landkauf abstimmen. Das Ziel: Ein Schandfleck im Zentrum soll endlich verschwinden.
05. Dezember 2017, 05:00

Gabriela Jordan

 gabriela.jordan@luzernerzeitung.ch 

Es ist bei genauerem Betrachten eine etwas sonderbare Vorlage, über welche die Rooter Stimmbevölkerung diesen Sonntag abstimmt: Der Gemeinderat ersucht dabei die Zustimmung zum Kauf vierer Grundstücke an der Bahnhofstrasse für 3 Millionen Franken. Dies jedoch nur, damit er sie so bald wie möglich wieder verkaufen kann. Die vier Grundstücke, darunter dasjenige des ehemaligen Restaurants Central, gehören seit fast zehn Jahren der Winterthurer Immobilienfirma Bellevista, die darauf eine Zentrumsüberbauung im Sinne des Gemeinderats realisieren wollte. An diesen Plänen hält der Gemeinderat nach wie vor fest.

Der Grund dafür, dass es für das Bauprojekt nun einen Umweg über die Gemeinde geben soll, ist ein Knatsch zwischen den Grundeigentümern: Nebst den vier Grundstücken der Immobilienfirma ist für die Realisierung der Grossüberbauung nämlich auch die benachbarte Parzelle notwendig. Diese gehört gemäss dem Grundbuchamt der Familie Arnet. Sie will auf ihrem Grundstück ebenfalls investieren. Vorgesehen war deshalb, dass die Zentrumsüberbauung gemeinsam von der Immobilienfirma und der Familie Arnet realisiert wird. Doch der Teufel steckt bekanntlich im Detail: Laut Gemeindepräsident Heinz Schumacher (FDP) wurden sich die beiden Parteien insbesondere bei der Aufteilung der Parzellen nicht einig. Die Firma Bellevista hat das Interesse am Bauprojekt inzwischen verloren und will das Grundstück deshalb verkaufen.

Platz für neue Wohnungen und Geschäfte

Schumacher erklärt, weshalb die Gemeinde als Zwischenhändlerin einspringen will: «Wir befürchten, dass die Immobilienfirma die Grundstücke je nach Angebot einzeln veräussern könnte, was die geplante Überbauung stark erschweren – wenn nicht gar verunmöglichen würde. Und an dieser Stelle, die sich mitten im Dorf befindet, wollen wir möglichst bald Raum für einen Ortsplatz sowie für Wohnungen und Geschäfte schaffen.» Hinzu komme, dass das gut gelegene Areal heute wenig ansehnlich sei: So wurde in die dortigen Liegenschaften schon lange nicht mehr investiert, was etwa am ehemaligen Restaurant Central deutliche Spuren hinterlassen hat. Eines der vier Grundstücke ist derweil noch gar nicht bebaut. Im Moment wird es an Coop vermietet, der es als Parkplatz nutzt. «Mit der Zentrumsüberbauung wird Root an dieser Stelle endlich ein schöneres Ortsbild erhalten», sagt Schumacher. «Im Dorf ist man sich einig, dass dort endlich etwas gehen muss.»

Sollte Root den Landkauf am Sonntag absegnen, wird sich der Gemeinderat also auf die Suche nach geeigneten Käufern machen. Eine Vorstellung, wer das sein könnte, hat er bereits. «Ideal wäre, wenn die Familie Arnet die Grundstücke kaufen würde. Dies würde die Planung der Zentrumsüberbauung stark vereinfachen, da es dann nur eine Partei geben würde», so Schumacher. Ihm zufolge hat die Familie bereits Interesse signalisiert – was allerdings die Frage aufwirft, weshalb sie das Land nicht direkt von der Immobilienfirma kauft. Schumacher: «Weil die Eigentümer nicht miteinander klargekommen sind, wollten sie auch nicht direkt einen Kaufhandel miteinander abschliessen.» Er vertraut darauf, dass die Zusammenarbeit mit den Arnets gut funktionieren wird, da die Gemeinde «kein Investor mit Gewinnmaximierung im Kopf» sei.

Das Projekt als solches wurde der Bevölkerung schon mehrmals vorgestellt und ist laut André Wes­pi, Geschäftsführer der Gemeinde, sehr gut angekommen. Dennoch sei es für den Gemeinderat schwierig abzuschätzen, wie wohlwollend die Bevölkerung dem geplanten Kauf gesinnt ist. Bei den Parteien zumindest scheinen die Pläne auf Anklang zu stossen. So äussern sich etwa SP und CVP positiv. «Bei uneinigen Besitzern besteht die Gefahr, ­einen nächsten Schandfleck zu ­erhalten», schreibt Corinne Galante von der SP. Auch die CVP «begrüsst die aktive Rolle des Gemeinderats und die Bereitschaft, diese Verantwortung zu übernehmen», schreibt die Partei.

Wird die Vorlage angenommen, rechnet der Rooter Gemeinderat mit einem Planungsstart Anfang 2019. Dies, weil ­dafür noch die Ortsplanung revidiert werden muss.


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