Lehrlinge sorgen für Spitzenwert

LEHRABSCHLUSS ⋅ Über 4100 Lehrlinge dürfen ihr Abschlussdiplom in Empfang nehmen – noch nie haben so viele die Prüfungen bestanden. Die guten Leistungen sind wohl aber nicht nur auf die Schüler zurückzuführen.
15. Juli 2017, 07:39

Das Pauken hat ein Ende – der Arbeitsalltag kann beginnen. Jedenfalls für die 4107 Lernenden, die diesen Sommer im Kanton Luzern ihre Lehre erfolgreich abgeschlossen haben – in 311 verschiedenen Berufen. Heuer dürfen besonders viele Lehrlinge jubeln: Die Erfolgsquote erreichte einen neuen Spitzenwert. Von den 4300 Lehrlingen, die zur Prüfung angetreten sind, haben über 95 Prozent die Prüfungen bestanden. So hoch war der Wert noch nie (siehe Tabelle).

Doch woran liegt es, dass weniger als 5 Prozent der Lehrlinge durch die Prüfung rasselten? Sind die Schüler gescheiter geworden? Oder sind Ausbildung und Prüfungen einfacher? Letzteres weist Christof Spöring, Leiter der kantonalen Dienststelle Berufs- und Weiterbildung, zurück. «Bei den meisten Berufen sind die Prüfungsvorgaben national geregelt. Da ist Schummeln kaum möglich. Ausserdem werden die Prüfungen von externen Experten abgenommen», so Spöring. Darüber hinaus habe auch die Wirtschaft kein Interesse daran, die Prüfungen zu vereinfachen. «Die Firmen wollen, dass der Nachwuchs gut ausgebildet ist. Das ­Diplom hat seinen Wert.»

Autobranche ist ein Vorzeigebeispiel

Gute Noten bei den Lehrlingen werden auch durch die Zusammenarbeit der Betriebe mit der Berufsfachschule und der Dienststelle Berufs- und Weiterbildung erreicht. So etwa in der Autobranche. Mit zwei-, drei- und vierjährigen Berufslehren bietet die Automobilbranche für jedes Niveau die passende Ausbildung. Sollte sich zeigen, dass ein Lehrling während des ersten Jahres zu schwach oder zu stark für das gewählte Niveau ist, kann durch die gute Zusammenarbeit zu einem passenderen Niveau gewechselt werden. So gelingt laut Spöring der erfolgreiche Berufsabschluss. «Das duale Bildungssystem sieht vor, dass solche Wechsel angewendet werden. Nur funktioniert es nicht in jeder Branche gleich gut», sagt der Dienststellenleiter. In der Autobranche funktioniert die Zusammenarbeit offensichtlich gut. «Man darf hier schon von einer Vorzeigebranche sprechen», so Spöring. Wie viele Lehrlinge während ihrer Ausbildung das Niveau wechseln, weiss er nicht. Aber: «Eltern und Schüler wählen tendenziell eher ein zu hohes als ein zu tiefes Niveau.»

Dass Engagement entscheidend für den Erfolg der Lehrlinge ist, zeigt sich zum Beispiel bei den Elektronikern. Sieben von 16 Elektronik-Lehrlingen erhielten dieses Jahr eine Ehrenmeldung, der Grossteil der Schüler absolvierte zudem noch die Berufsmatura. Und dies, obwohl die Lehre laut dem Dienststellenleiter sehr anspruchsvoll ist. «Das zeigt, dass engagierte, leistungsbereite Leute mit Herzblut dabei sind. Das ist wichtig, denn Elektroniker sind die Wegbereiter der Digitalisierung.» Herzblut hat sich auch in der Landwirtschaft gelohnt. Die Branche erlebt eine grosse Nachfrage. Seit den 90er-Jahren gab es nicht mehr so viele Abschlüsse wie dieses Jahr. 117 Lehrlinge durften das Diplom in Empfang nehmen.

Berufsmatura immer beliebter

Auch erfreulich für den Dienstellenleiter ist die Anzahl Absolventen der Berufsmaturität (BM). 689 Maturanden haben die BM bestanden – immerhin 23 mehr als 2015. Etwas mehr als die Hälfte der Berufsmaturanden absolvierte die BM im Anschluss an eine abgeschlossene Berufslehre, 332 haben sie lehrbegleitend absolviert. Die Kampagne des Kantons scheint langsam Früchte zu tragen. Seit 2014 versuche man, mehr Jugendliche für die BM zu motivieren, so Spöring. «In Luzern haben wir eine eher tiefe BM-Quote. Da gibt es noch Luft nach oben», sagt er. Das Potenzial sei da. Die Berufsmatura sei der Weg für Leistungsstarke, die sich nebst der Allgemeinbildung auch einen Rucksack voll Arbeitserfahrung mit Berufsabschluss erwerben wollen. Deshalb setze sich der Kanton für die BM ein.

Ein Grund für den tiefen Wert sei, dass im Kanton Luzern viele kleinere Betriebe Lehrlinge ausbilden würden. Firmen möchten diese gerne so oft wie möglich im Geschäft wissen.

Martina Odermatt

martina.odermatt@luzernerzeitung.ch


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