Auf Andritz-Areal entstehen 450 Wohnungen

KRIENS ⋅ Die Gesellschaft Logis Suisse hat das Grundstück gekauft. Sie plant unter anderem 450 «kostengünstige» Wohnungen. Die Gemeinde hat aber noch ein wichtiges Wort mitzureden.
04. September 2017, 11:01

Beatrice Vogel

beatrice.vogel@luzernerzeitung.ch

Nun ist die Katze aus dem Sack: Das Andritz-Areal in Kriens gehört neu einer Wohnbaugesellschaft. Dies teilte die neue Eigentümerin, die Logis Suisse AG, gestern mit. Sie hat das gesamte Firmenareal der Andritz Hydro AG und der Marty Korrosionsschutz AG gekauft, Andritz bleibt mit der Verwaltung vor Ort und mietet künftig ihr Bürogebäude. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Die neue Eigentümerin wird das Areal zusammen mit der Steiner AG entwickeln. Geplant sind aktuell «rund 450 kostengünstige Wohnungen für alle Lebensphasen und ein breites Raumangebot für Gewerbe, Handwerk und Kultur», heisst es in der Mitteilung. Was genau auf dem rund 36000 Quadratmeter grossen Areal entstehen wird, ist aber noch weitgehend offen.

Volksabstimmung für Umzonung nötig

«Wir werden einen Studienauftrag durchführen, um zu eruieren, was auf dem Areal möglich und sinnvoll ist», sagt Jutta Mauderli, Geschäftsleiterin der Logis Suisse AG. Derzeit läuft auch noch der internationale Gestaltungswettbewerb des Instituts Europan, den die Gemeinde Kriens in Auftrag gegeben hat. Auf dessen Resultate sei man gespannt, so Mauderli – auch wenn nicht sicher sei, ob man Ideen daraus verwenden könne. Fest steht aber: «Neben Wohnungen wird ein Teil des Grundstücks gewerblich oder auch kulturell genutzt werden können.» Dies nicht zuletzt, weil einige Industriebauten geschützt sind.

Bis mit dem Bau begonnen werden könne, dauere es sicher fünf bis sechs Jahre, da zunächst der politische Prozess ansteht. So braucht es für eine Umnutzung unter anderem einen Gestaltungsplan sowie eine Zonenplanänderung. Für Letztere ist eine Volksabstimmung nötig.

Die Logis Suisse AG ist in der Zentralschweiz noch eher unbekannt. Die gemeinnützige Wohnbaugesellschaft besitzt eine Liegenschaft mit 25 Wohnungen am Obergütschrain in Luzern. Ausserdem hat sie vor zwei Jahren ein Grundstück auf der Unter Spichermatt in Stans erworben, auf dem rund 200 Mietwohnungen realisiert werden sollen.

Für die Entwicklung des Projekts in Kriens sei man gut gerüstet, sagt Mauderli: «Wir haben bereits Erfahrung mit ehemaligen Industriearealen, die umgenutzt werden.» So entwickle Logis Suisse derzeit das alte Coop-Areal in Pratteln. Sie hat vor, einen Teil des Andritz-Areals nach der Entwicklung der Pläne an regionale gemeinnützige Partner sowie an die Steiner Investment Fundation verkaufen. «Für uns ist das Areal zu gross, um es zu behalten. Bei der Entwicklung wollen wir aber den Lead haben», so Mauderli.

Auf den aktuellen Personalbestand von Andritz Hydro habe der Verkauf des Firmenareals keine Auswirkungen, heisst es in der Mitteilung. Neben der Verwaltung befindet sich momentan auch noch ein Teil der Produktion in Kriens. Der Mietvertrag für das Service- und Unterhaltsgeschäft von Wasserkraftwerken wie auch für die Marty Korrosionsschutz AG ist auf fünf Jahre befristet. Bis dann muss ein neuer Standort für die Produktion gefunden werden. Heinz Duner, Standortleiter von Andritz Hydro in Kriens, zeigt sich zufrieden mit der Wahl des Käufers: «Für uns passt, dass es eine gemeinnützige Wohnbaugesellschaft ist, die zahlbaren Wohnraum für die breite Bevölkerung erstellt. Auch das Konzept von Wohnen und Gewerbe ist für uns ideal, weil wir so unsere Büroräumlichkeiten langfristig in Kriens behalten können.» Für die Produktion sucht Andritz Hydro entweder ein bestehendes Gebäude oder Bauland im Umkreis von 15 bis 20 Kilometern.

Und was sagt der Krienser Gemeinderat zum Verkauf des Andritz-Areals? Schliesslich wollte die Gemeinde selbst einst einen Teil davon kaufen (wir berichteten). «Wir haben einen guten Eindruck von den neuen Eigentümern», sagt Bauvorsteher Matthias Senn (FDP) auf Anfrage. «Ich bin optimistisch, dass wir mit den Ideen aus Europan und einem guten Planungsprozess die besten Nutzungen für das Areal Andritz finden und dies auf politische Akzeptanz stossen wird.»

Senn zeigt sich jedoch erstaunt, was die geplanten 450 Wohnungen angeht. «Wir haben gegenüber Andritz und den Investoren mehrmals kommuniziert, dass es keinen Rechtsanspruch auf Umzonung gibt und es deshalb zum heutigen Zeitpunkt völlig offen ist, ob und wenn ja wie viele Wohnungen auf dem Areal realisiert werden können.» Die im Jahr 2016 erarbeitete Machbarkeitsstudie beinhaltet 300 Wohnungen.


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