Luzern erhält eine Freiluft-Galerie

FUMETTO ⋅ Am Samstag wird das Comic-Festival eröffnet. Es dauert eine Woche – doch diesmal soll das Fumetto in der Stadt bleibende Spuren hinterlassen, und zwar im Grossformat.
14. April 2018, 05:00

Robert Knobel

robert.knobel@luzernerzeitung.ch

Seit Jahren ist das Comic-Festival Fumetto aus Luzern nicht mehr wegzudenken. Am Samstag eröffnet die 27. Ausgabe von «Fumetto» – und diesmal wird es über die Festivaldauer hinaus Spuren in der Stadt Luzern hinterlassen. Bereits seit Donnerstag arbeitet der Winterthurer Künstler Balthasar Bosshard an einem 15 Quadratmeter grossen Wandbild am Bahndamm bei der Reussinsel.

Nächste Woche soll das Werk fertig sein, danach soll es dauerhaft den Bahndamm zieren. Das Wandbild entlang der Dammstrasse wird also noch lange an die Fumetto-Ausgabe 2018 erinnern. Damit betritt das Comic-Festival Neuland – und eine Fortsetzung ist denkbar. Den Organisatoren schwebt vor, jedes Jahr ein weiteres Wandbild hinzuzufügen. Der Bahndamm, der heute alles andere als eine Augenweide ist, würde im Laufe der Zeit zu einer riesigen Freiluft-Galerie.

Fumetto-Offensive passt zu Vorstoss im Parlament

«Fumetto hatte schon immer Freude am Experimentieren. Die Verschönerung des öffentlichen Raums mit Street Art ist eigentlich naheliegend, hat bisher aber gefehlt», sagt Geesa Tuch, Kommunikationsleiterin des Festivals. Man wolle einen «bleibenden Dialog mit der Stadt», auch über das Festival hinaus. Mit diesem Anliegen rennt Fumetto bei der Stadt offene Türen ein. Erst im März hat das Stadtparlament ein Postulat von SP und Grünen teilweise überwiesen. Darin wird der Stadtrat aufgefordert, die sogenannte «Street Art», also grossflächige Kunst im öffentlichen Raum, zu fördern. Der Stadtrat will dies zwar nicht aktiv tun, begrüsst aber private Initiativen für neue Wandbilder, wie er in der Antwort auf den Vorstoss schreibt. Der Stadtrat will zudem Hausbesitzer und Künstler bei der Umsetzung von konkreten Projekten enger begleiten. Grössere Fassadenmalereien gibt es zurzeit beim Neubad, im Löwengraben, an der Steinen­strasse und an der früheren Kehrichtverbrennungsanlage im Ibach. Viel beachtet war das «Himmelrich-Mädchen», das einige Zeit an einer Fassade der Abbruchsiedlung Himmelrich in der Neustadt prangte.

Bei Fumetto konzentriert man sich zunächst auf die Bahndamm-Galerie. Doch Geesa Tuch schliesst nicht aus, dass das Festival künftig auch an anderen Orten in der Stadt Luzern optische Spuren hinterlässt. Dafür braucht es aber auch die Initiative von privaten Liegenschaftseigentümern, die ihre Fassaden für Strassenkunst zur Verfügung stellen. «Hausbesitzer dürfen sich gerne bei uns melden», sagt Geesa Tuch. Für das Anbringen von Wandbildern braucht es jeweils eine Baubewilligung. Dies war auch beim aktuellen Projekt am Bahndamm der Fall. Geesa Tuch hat die städtischen Behörden als «aufgeschlossen und interessiert» erfahren. Gleichzeitig würden dauerhafte Veränderungen im öffentlichen Raum aber auch Bedenken auslösen. «Man spürte, dass es grösseren Erklärungsbedarf gab.»

In der Tat haben Initianten von Street Art eine langfristige Verantwortung, da ihre Werke ganze Quartiere auf Jahre hinaus prägen können. Bestes Beispiel dafür in der Stadt Luzern ist das Wandbild an der Steinenstrasse, das seit 40 Jahren die Strasse dominiert und kürzlich originalgetreu restauriert wurde. Auch die Wahl des Sujets muss sorgfältig geplant werden. «Wichtig ist, dass die Leute das Bild gerne anschauen», sagt Geesa Tuch. Im Falle der Fumetto-Wandbilder komme hinzu, dass das Bild zum Festival passen müsse. «Ein Bezug zu Comics sollte schon vorhanden sein.»

«Immer in Bewegung zu sein, ist für mich essenziell»

Künstler Balthasar Bosshard hat früher öfters Wandbilder gemalt. Er ist sich bewusst, dass sein Bahndamm-Bild anders als in einer Ausstellung auch von «unfreiwilligen» Passanten angeschaut wird. Entsprechend hat er nach einem möglichst allgemeingültigen Motto gesucht. Es lautet «keep on going» und wird durch das Wesen verkörpert, das man auf dem Bild sieht. «Immer in Bewegung zu sein – das ist für mich als Künstler essenziell, und wohl auch für die meisten Passanten, die am Bild vorbei gehen», sagt Balthasar Bosshard.

Hinweis

14. bis 22. April 2018, Öffnungszeiten der Ausstellungen: 10.00 – 20.00 Uhr www.fumetto.ch.


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