Luzerner Gastronom kauft Hotel in Afrika

GASTGEWERBE ⋅ Er gilt als Goldjunge der Luzerner Gastronomieszene. Innert dreieinhalb Jahren baute sich Samuel Vörös (38) ein Netzwerk aus 13 Restaurants und Hotels auf – nun kommt ein Betrieb auf den Kapverdischen Inseln hinzu. Wie macht er das?
01. Oktober 2017, 05:00

Christian Hodel

christian.hodel@luzernerzeitung.ch

Die Schlagzeilen der vergangenen Monate sprechen Bände: «Neues Restaurant im Tennisclub», «Theater hat neue Gastropartner», «Neues Restaurant mit bekannten Wirten», «Samuel Vörös übernimmt das Rössli».

Der 38-Jährige scheint auf Erfolgskurs zu sein. In 13 Gastronomie- und Hotelbetrieben ist er involviert, an deren 12 beteiligt – unter anderem an der Brasserie Bodu oder dem «Mill’Feuille» in der Stadt Luzern. Als «Goldjungen der Luzerner Gastroszene» haben ihn Journalisten betitelt. Als dynamisch und zielorientiert beschreiben ihn Geschäftspartner und Mitarbeiter. «Chaotisch», sei er leider, sagt Samuel Vörös von sich selbst.

Betriebe machen Umsatz von 23 Millionen Franken

Wer Vörös trifft, spürt von einem heillosen Durcheinander jedoch ziemlich wenig – ausser ein Chaot scheint er vor allem ein guter Stratege zu sein. In gerade mal dreieinhalb Jahren ist der gelernte Koch und Absolvent der Hotelfachschule SHL zum Mitbesitzer von über einem Dutzend Hotels und Restaurants mit 230 Mitarbeitern geworden. Einen Umsatz von 23 Millionen Franken erwirtschaften die Betriebe, an denen er beteiligt ist. Seit Saisonbeginn ist eine seiner Firmen – die Vorderbühne GmbH – für die Gastronomie beim Luzerner Theater verantwortlich. Zugleich ging im September das «Seehaus» vor dem Clubhaus des Tennisclubs auf, ein Restaurant mit grosser Terrasse und Bar. Und nun folgt der nächste Coup: Diese Woche schliesst Vörös einen Vertrag für das «King Fisher Resort» mit 20 Mitarbeitern auf den Kapverdischen Inseln ab. Das Hotel hat bislang eine deutsche Frau geführt, die nun in den Ruhestand tritt. Wie macht Samuel Vörös das?

Es ist Dienstagmorgen, Vörös nippt an einem Cappuccino im «Seehaus», einem modernen Gebäude mit viel Holz. Sein iPhone liegt griffbereit. Der Klingelton ist auf stumm geschaltet, mehrfach vibriert das Gerät während des Gesprächs. Vörös lässt es links liegen. Gastfreundlichkeit gehört in seiner Branche eben dazu. «Wie ich das mache, haben Sie gefragt.» Vörös überlegt, antwortet nach langem ­Zögern. «Ich mache das nicht allein. Erfolgreich sind wir, weil ich gute Partner um mich herum habe, die an den Unternehmungen mitbeteiligt sind. Und wahrscheinlich bin ich gut darin, die Stärken der Einzelnen zu erkennen und richtig einzusetzen.» Neben dem richtigen Team seien zwei weitere Faktoren entscheidend, um in seiner Branche Erfolg zu haben, so Vörös: die Lage des Betriebs und ein professionelles Konzept. «Die Zeiten, in denen Wirte von morgens bis abends mit ihren Gästen am Stammtisch sitzen und eine im Word-Art gestaltete Speisekarte vorlegen, sind vorbei.» Professionalität heisse, den Gästen den Restaurantbesuch zu einem ­Erlebnis zu machen. Damit der Erfolg eintritt, hat Vörös zusammen mit Partnern eine in der Branche wohl einzigartige Strategie erarbeitet, wie er sagt. Die Betriebe, an denen er beteiligt ist, arbeiten im Back-Office – etwa in der Administration, dem Marketing, im Personalwesen und der Buchhaltung – zentral zusammen, ähnlich wie es bei Gastronomieketten der Fall ist. Zugleich folgen aber alle Unternehmen einem eigenständigen Betriebskonzept, sind anders ausgerichtet und haben unterschiedliche Eigentümer. «Damit die Betriebe einander nicht konkurrenzieren, schauen wir genau hin, was für neue Restaurants mit welchem Angebot in den Verbund kommen.»

«Klassische Gastronomie in Luzern ist ausgereizt»

Und was steht als Nächstes auf dem Einkaufszettel des Luzerner Unternehmers? Samuel Vörös trinkt einen Schluck seines Cappuccinos, bevor er die Marktsi­tuation analysiert: «Die klassische Gastronomie in der Stadt Luzern ist ausgereizt», sagt er. Zu viele neue Betriebe seien in den vergangenen Jahren dazugekommen. Und auf dem Land sei der Markt unglaublich schwierig.

Zieht es den Unternehmer also in die Agglomeration? Am Gasthof Krone in Blatten ist ­Vörös bereits beteiligt, und Ende 2018 wird er das denkmalgeschützte Gasthaus «Rössli» in Root nach 23 Jahren wiedereröffnen. «Der Betrieb liegt zwischen Luzern und Rotkreuz an gut frequentierter Lage», sagt Vörös. Dass bald weitere Restaurants aus der Agglomeration ins Portfolio kommen, sei nicht geplant. «Zuwachs suchen wir nicht aktiv. Aber in unserer Branche geht es manchmal schnell.»


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