Luzerner Studenten erhalten deutlich tiefere Stipendien

SPARPROGRAMM ⋅ 80 Prozent der Stipendienbezüger erhalten in diesem Jahr tiefere Beträge. Das Durchschnittsstipendium sinkt damit auf jährlich rund 6400 Franken.
30. Juni 2017, 07:17

Im diesem Jahr spart der Kanton bei den Stipendien 2 Millionen Franken. Dadurch erhalten rund 80 Prozent aller Stipendienbezüger tiefere Beiträge. Ein jährliches Durchschnittsstipendium von heute rund 7700 Franken sinkt auf 6400 Franken.

Der Kanton Luzern zählte im Jahr 2016 rund 1350 Berechtigte, die eine Ausbildung mit staatlicher Hilfe finanzieren. Rund 60 Prozent aller Stipendienbezüger sind Gymnasiasten, Fachmittelschüler oder Berufsschüler der Sekundarstufe II. Der Rest besucht die Tertiärstufe, also eine Hochschule, Universität oder Höhere Fachschule.

Rund 150 Studenten werden ganz leer ausgehen

Christof Spöring leitet die Dienststelle Berufs- und Weiterbildung, zu der auch die Fachstelle Stipendien gehört. Er geht davon aus, dass mit dieser Massnahme noch etwa 1200 Personen ein Stipendium erhalten. «Es werden nur noch jene Bezüger, die eine finanzielle Hilfe dringendst nötig haben, Stipendien erhalten.» Spöring bedauert diese Situation: «Die Sparmassnahme tut weh, und sie ist nicht in unserem Sinn.» Trotzdem sieht er es auch pragmatisch: «Das ist eine Notmassnahme. Der Staat kann nicht mehr Geld verteilen, als er einnimmt.» Das Volk habe sich gegen eine Steuererhöhung ausgesprochen, darum stünden jetzt weniger Mittel zur Verfügung.

Martin Wyss, Gewerkschaftssekretär des VPOD (Verband des Personals öffentlicher Dienste), befürchtet wegen der Stipendienkürzung massive Auswirkungen auf die Bildung: «Es wird Studenten geben, die sich ein Studium – auch wenn sie einer Teilzeitarbeit nachgehen – nicht mehr leisten können. Dadurch gehen dem Kanton Luzern auch wichtige Fachkräfte verloren.» Zudem «rüttelt man mit dieser Sparmassnahme an der Chancengleichheit», betont Wyss. Es dürfe nicht passieren, dass bildungsferne und wirtschaftlich schlechter gestellte Personen nicht mehr studieren können.

«Das ist ein harter Schlag für Jugendliche»

Ähnlich sieht es David Roth, SP-Präsident und Kantonsrat: «Das ist ein harter Schlag für Jugendliche aus weniger finanzstarken Haushalten und deren Eltern. Wenn man sich im Jahr 2017 fragen muss, ob man die Ausbildung finanzieren kann, ist das schlicht beschämend.» Ändern lässt sich das nur schwer, weil kein Referendum ergriffen werden kann. Roth sagt jedoch: «Wir werden diese Massnahme in der Budgetdebatte mittels Postulat bekämpfen.»

Fakt ist: Die Luzerner Regierung kürzt die Stipendien nicht zum ersten Mal. Der Kanton stelle dafür weiterhin rund 10,4 Millionen Franken zur Verfügung, versprach die Regierung 2014 vor der Abstimmung über das Stipendiengesetz. Mit der Botschaft zum Konsolidierungsprogramm KP17 kam dann die Wende: Für die Jahre 2017 bis 2020 reduzierte die Regierung die Summe um je 800 000 Franken, womit jährlich noch 9,6 Millionen Franken bleiben. Das sei «leider unvermeidlich, aber ver­tretbar», sagte Bildungsdirektor Reto Wyss (CVP) damals gegenüber unserer Zeitung. Nach den am Mittwoch kommunizierten Massnahmen liegt das Stipendienvolumen für dieses Jahr also noch bei rund 7,6 Millionen Franken. «Für einen Kanton mit etwas über 400 000 Einwohnern ist das Stipendienvolumen sehr tief», kommentiert Spöring den Betrag. Ob aufgrund dessen weniger Personen studieren werden, kann er nicht beurteilen. Spöring weist darauf hin, dass nebst der staatlichen Hilfe noch private Organisationen Stipendien sprechen können oder Studenten ein Darlehen aufnehmen können.

Nächstes Jahr folgen weitere Kürzungen

Im Jahr 2018 werden gemäss Regierung weitere 1,2 Millionen Franken abgezogen. Noch heftiger könnte es kommen, wenn die Schuldenbremse nicht gelockert wird: Dann würden weitere 1,2 Millionen Franken gestrichen. Dabei würden noch weniger Studenten noch kleinere Beiträge erhalten. Christof Spöring sagt mit Blick auf die Zukunft: «Es braucht den politischen Willen, das Stipendienvolumen wieder zu vergrössern – zur Ermöglichung von Bildung für alle.» Er hofft, dass 2019 wieder 9,6 Millionen Franken für Stipendien eingesetzt werden können. «Hier sind die politischen Entscheidungsträger gefragt.»

 

Yasmin Kunz

yasmin.kunz@luzernerzeitung.ch


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