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Magische Momente

10. Februar 2018, 10:49

Ich bin Aufschieber aus Veranlagung. Und Selbst­kritiker aus Leidenschaft. Eine unheilvolle Kombination, die mich schon in manch brenzlige Situation manövriert hat. Wie auch an diesem Mittwoch vor dem grossen Knall: Lustig soll es sein, originell – und ja nicht abgeschmackt. Das gilt für eine Kolumne ebenso wie für die Fasnachtsverkleidung. Allein: Gedanken verschwendet habe ich bis dahin weder an das eine noch an das andere.

Ich weiss. Die Fasnacht fällt nicht unangemeldet und gleich mit der Tür ins Haus. Entsprechend beschäftigen sich andere frühzeitig mit ihr: Sie hirnen, schneidern, kleistern – oder schmieden Fluchtpläne. Ich hingegen brause unvorbereitet und unbekümmert auf den Anlass zu. Obschon die «fünfte Jahreszeit» schon seit Wochen so mancher Mittagsrunde zu neuem Schwung verholfen hat. Da schimpfen die einen Zünftige pauschal ein eitles Pack, während andere die einmalige Fasnachtsstimmung heraufbeschwören. Und was die Leute sich immer wieder für ausgefallene Sujets ausdenken! Habe ich alles mitgehört – und kommentiert. Dass die Fasnacht auch mich betreffen würde, dass auch ich mir ein Gwändli würde ausdenken müssen, habe ich geflissentlich ausgeblendet. Verdrängt. Beruhigt hat mich dabei die Erfahrung, die trügerische Gewissheit: Letztlich ist es ja noch immer gut gegangen. Ist die Muse erst in Flüsterlaune, dann geht’s fix: Und alles steht.

Der Mensch ist in vielerlei Hinsicht aussergewöhnlich, auch in seiner Fähigkeit, Erinnerungen zurechtzubiegen. Immer gut gegangen? Von wegen! Was ist mit all den Last-Minute-Geschenken, lieblos in Zeitungspapier eingeschlagen, wo ein Es-zählt­-doch-der-Gedanke-Spruch bloss oberflächlich über die Enttäuschung des Empfängers hinweggetäuscht hat? Fast vergessen auch das komplett verhauene Klavierkonzert zu Schulzeiten, als sich der Knoten am Abend X nicht einfach so löste, meine Finger nicht wie von Zauberhand und praktisch ohne vorheriges Üben über die Tastatur schweben wollten.

Solche Erfahrungen überwiegen bei Weitem die wenigen magischen Momente, die sich aber ungleich stärker ins Gedächtnis eingebrannt haben. Wobei mir gerade diese Über­legung dann die zündende Idee für meine diesjährige Fasnachtsverkleidung geliefert hat: An der diesjährigen Fasnacht werde ich als Hexer auftanzen. Das ist zwar keine besonders originelle Verkleidung, gibt aber wenigstens diesem Geschwurbel einen runden Schluss.

Zauber R.

kanton@luzernerzeitung.ch


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