Mietpreise in der Luzerner Altstadt purzeln

LADENFLÄCHEN ⋅ Die Zeiten von horrenden Mieten in der Luzerner Altstadt sind vorbei. Dennoch fordert die SP, dass die Stadt in den Liegenschaftsmarkt regulierend eingreift.
10. November 2017, 16:00

Robert Knobel

robert.knobel@luzernerzeitung.ch

Gibt es in der Luzerner Altstadt zu viele Uhren- und Schmuckgeschäfte? Und sind die Mieten wirklich so horrend, wie man immer hört? Die SP wollte es genau wissen und reichte ein Postulat im Stadtparlament ein. Darin fordert sie den Stadtrat gleichzeitig auf, Massnahmen zu ergreifen gegen die überbordende Preisentwicklung in der Altstadt.

Nun liegt die Antwort des Stadtrats vor. Er hat die Preisentwicklung für Ladenflächen in den Jahren 2013 bis 2016 untersuchen lassen. Das Resultat mag erstaunen: Die Preise im oberen Segment sind in der ganzen Stadt markant gesunken – allein in den letzten beiden Jahren von 2500 auf 1000 Franken pro Quadratmeter und Jahr. In der Altstadt ist der Abwärtstrend noch krasser: von über 3000 auf 1000 Franken innert eines Jahres. Eine gegenläufige Entwicklung zwischen Altstadt und restlichem Stadtgebiet gibt es hingegen im unteren Preissegment: Seit 2013 ist der Quadratmeterpreis in der Altstadt von 150 auf 300 Franken gestiegen, während er über die ganze Stadt gesehen auf etwa 170 Franken im Jahr 2016 gesunken ist.

Und heute? Aktuell sind rund zehn Ladenlokale in der Luzerner Altstadt zur Vermietung ausgeschrieben, mehrere davon an absoluten Toplagen wie der Kapellgasse oder der Weggisgasse. Die Quadratmeterpreise bewegen sich dabei zwischen 300 und 2260 Franken pro Jahr. Hinzu kommt meist noch ein Betrag von rund 100 000 Franken für die Übernahme von Ausbauten, welche vom Vormieter vorgenommen wurden.

Stadtrat will marktgerechte Mieten verlangen

Die SP fordert in ihrem Postulat, dass die Stadt regulierend auf die Altstadtmieten einwirkt. So sollen etwa die Hausbesitzer für das Problem der Verarmung des Branchenmixes sensibilisiert werden. Die Stadt solle zudem auch selber als Liegenschaftsbesitzerin auftreten, damit sie den Branchenmix aktiv steuern kann. Bisher besitzt die Stadt zwei Liegenschaften an Toplagen in der Altstadt, nämlich an der Rössligasse und am Hirschenplatz. Dort sind unter anderem die Pilatus-Bahnen, eine Wohnbaugenossenschaft und ein buddhistisches Zentrum eingemietet. Geht es nach dem Willen der SP, soll die Stadt zusätzliche Liegenschaften aufkaufen, welche sie dann weniger zahlungskräftigen Branchen zur Verfügung stellen kann.

Davon will der Stadtrat allerdings gar nichts wissen: Die Immobilien in Stadtbesitz hätten grundsätzlich den Zweck, eine Rendite zu erzielen. Würde die Stadt zusätzliche Altstadtliegenschaften kaufen, müsste sie diese zu marktgerechten Preisen vermieten. Der Stadtrat sieht es nicht als seine Aufgabe, in den Immobilienmarkt einzugreifen. SP-Grossstadtrat Mario Stübi, der das Postulat eingereicht hat, versteht dies nicht. «Das wäre doch gar kein Markteingriff. Als Liegenschaftsbesitzerin wäre die Stadt ja Teil des Marktes und könnte die Mietpreise frei bestimmen.»


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