Mit geklauten Pin-Codes 360'000 Franken ergaunert

KRIMINALGERICHT LUZERN ⋅ Ein Franzose hat gewerbsmässig Bankkartendaten ausspioniert und damit über 70 Personen finanziell geschädigt. Der Betrüger ist rechtskräftig verurteilt und sitzt seine Strafe bereits im Gefängnis Grosshof ab.
12. Februar 2018, 05:00

Ein 44-jähriger Franzose, der sich unter anderem auf Trickdiebstähle spezialisiert hatte, war zwischen 2009 und 2015 für seine Betrügereien in der ganzen Schweiz unterwegs. Die Luzerner Staatsanwaltschaft wirft ihm eine Deliktsumme von knapp 360 000 Franken vor. Zudem konnte ihm nachgewiesen werden, dass er mindestens 28 Mal für meistens ein bis drei Tage über das Wochenende einreiste, um an Bankomaten missbräuchlich Geld zu beziehen.

In seiner Heimat Frankreich war der Mann bereits wegen Betrug und Diebstahl vorbestraft und auch inhaftiert. Auf seine Spur kam man in der Schweiz beim Abgleich von Täterfotos mit Bildern von Videoüberwachungskameras einer Bank. Verhaftet wurde er dann im Juli 2015 im Kanton Zug, als er sich im Eingangsbereich einer Bank aufhielt. Seither führte die Staatsanwaltschaft Luzern das gesamtschweizerische Sammelverfahren gegen den Angeklagten. Laut Anklageschrift hatte der Mann Personen bei der Eingabe von PIN-Codes an Bankomaten beobachtet, ihre Bankkarten an sich genommen und anschliessend mit den ausgespähten Codes grosse Mengen von Bargeld abgehoben. Das hat er gemäss Ermittlungen in 81 Fällen gemacht.

Erst abgelenkt, dann Karte eingesteckt

Sein Vorgehen hatte System. Hat der Betrüger ein passendes «Opfer» ausgespäht, so wendete er folgende Masche an, wie in der Anklageschrift ausgeführt wird. Während die ausgespähte Person am Bankomaten den PIN-Code eingab, lenkte der Betrüger die Person ab, indem er etwa vorgab, dass der Automat defekt sei. Gleichzeitig spähte er unbemerkt den PIN-Code aus. «Er nahm dann die Bankkarte an sich, indem er beispielsweise die Abbruchtaste drückte und vorgab, der Automat habe die Karte eingezogen», heisst es im Urteil des Kriminalgerichts. An anderen Bankomaten bezog er dann soviel Geld, wie maximal möglich war.

Zum Teil agierte der Täter mit Komplizen. Deshalb geht die Luzerner Staatsanwaltschaft in diesen Fällen von einem bandenmässigen Vorgehen aus. Oft agierte der Mann jedoch alleine und meist am Wochenende. Dies bewusst, weil sich die Geschädigten erst am Montag über ihre «eingezogene» Karte informieren konnten. Für seine Taten zog er meist eine Perücke an, trug eine Brille, manchmal auch einen Hut. Zum Verhängnis wurde ihm jedoch seine silberne Armkette, die auch auf den Überwachungsbildern zu sehen war. Zu den Bankomaten fuhr er oft mit Mietautos vor; die Mietdaten stimmten mit den Daten der begangenen Delikte überein. Zudem wurde er dreimal bei Radarkontrollen wegen zu schnellen Fahrens geblitzt. Diese Zeitpunkte passten ebenfalls zu diversen Tatzeiten.

Der Verurteilte gab vereinzelte Taten zu. Das Geld, so der Mann, habe er für den Unterhalt seiner Kinder und sich gebraucht. Zu Beginn gab er als Tatmotiv Spielsucht an, doch das liess das Kriminalgericht nicht gelten. Er sei professionell, gezielt und geplant vorgegangen, so das Gericht. Und der Missbrauch von Datenverarbeitungsanlagen sei unbestritten nach der Art eines Berufes ausgeübt worden, argumentiert das Gericht weiter. Weil er einzig in die Schweiz einreiste um Vermögensdelikte zu begehen, verstoss er auch gegen das Ausländergesetz. Er wurde zu vier Jahren und neun Monaten verurteilt, muss die Verfahrenskosten tragen und ist gegenüber den Geschädigten schadenersatzpflichtig. Das Urteil ist rechtskräftig. Er sitzt seit März 2016 im Gefängnis Grosshof ein.

Sandra Monika Ziegler

sandra.ziegler@luzernerzeitung.ch


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