Mord und Totschlag im Historischen Museum Luzern

«TATORT» ⋅ In Zusammenarbeit mit der Polizei hat das Historische Museum eine Ausstellung zu Luzerner Kriminalfällen auf die Beine gestellt. Dabei spielt auch eine berühmte Fernsehserie eine wichtige Rolle.
Aktualisiert: 
21.09.2017, 14:00
16. September 2017, 11:15

Chiara Stäheli

chiara.staeheli@luzernerzeitung.ch

Es war einer der spektakulärsten Mordfälle im Kanton Luzern: Im Jahre 1891 überfällt der damals 23-jährige Italiener Ferdinand Gatti die Primarlehrerin Mar­garitha Degen in der Luzerner Sternmattstrasse. Er erwürgt sie. Danach zieht Gatti sich ihren Mantel, ihren Hut und ihren Muff an und flieht vom Tatort.

Degens Leiche wird obduziert und der Arzt hegt gar den Verdacht, dass Gatti die 35-Jährige zuvor vergewaltigt hatte. Aufgrund von Zeugenberichten nimmt die Polizei Gatti ins Visier. Um ihn zu überführen, steckt sie ihn in die Kleider der Toten. So wird er den Zeugen vorgeführt. Diese erkennen sofort, dass dies derselbe Herr ist, der in der Tatnacht «als kleines Frauenzimmer» von der Biregg daherzurennen kam.

Die Guillotine ist im Museum zu sehen

Ferdinand Gatti wird schuldig gesprochen und stirbt am 18. März 1892 unter der Guillotine. Seine Enthauptung ist die erste im Kanton, seitdem zehn Jahre zuvor die Todesstrafe nach einem achtjährigen Verbot wieder eingeführt wurde. Die Guillotine, mit der Gatti ermordet wurde, befindet sich im Historischen Museum. Dieses startet am 22. September eine Ausstellung zum Gatti-Mord und zahlreichen anderen historischen Kriminalfällen im Kanton Luzern. Unter dem Stichwort «Tatort» werden die Besucher in die Welt der Spurensuche, Verfolgungsjagden und Kriminaldelikte entführt.

Die neue Ausstellung blickt auf elf Fälle in den letzten sieben Jahrhunderten zurück und lädt die Besucher auch ein, eigene Ermittlungen anzustellen. Weiter wollen die Macher unter anderem aufzeigen, dass sich die gesellschaftlichen Vorstellungen von Recht und Unrecht im Lauf der Zeit verändert haben. «Getötet wurde schon immer, aber die Art und Weise, wie gesellschaftlich mit dem Töten umgegangen wird, ist in einem stän­digen Wandel», sagt Kuratorin Sybille Gerber. Ein einfaches Beispiel dafür ist die Todesstrafe, die in der Schweiz zivilrechtlich 1942 abgeschafft wurde. (Im Rahmen des Kriegsgesetzes waren auch danach Hinrichtungen noch möglich.)

Woher kam die Idee für die Ausstellung? Seit dem Jahr 2011 spielt der TV-Krimi «Tatort» auch in Luzern. «Dies führte uns zum Thema Mord und Verbrechen im Kanton Luzern», sagt Sybille Gerber. Aus diesem Grund thematisiert die Ausstellung auch die fiktiven «Tatort»-Mordfälle. Schliesslich widerspiegeln auch diese den jeweiligen Zeitgeist.

Stadttour zu den «Tatort»-Drehorten

Nebst der Ausstellung veranstaltet das Historische Museum zusätzlich Anlässe. So besteht die Möglichkeit, an einer Stadttour mit einem «Tatort»-Set-Betreuer teilzunehmen und ehemalige Drehorte zu besichtigen. Auch weitere Führungen sowie eine Theatertour bietet das Museum an. Dabei werden die Besucher beispielsweise in die Ermittlungen für historische Fälle mit einbezogen und versuchen, mit Hilfe zahlreicher Indizien, Spuren und Akten herauszufinden, wer damals die Ermittler auf Trab hielt. Für Familien gibt’s in Zusammenarbeit mit der Luzerner Polizei einen Polizeitag sowie Workshops, in denen sich Erwachsene und Kinder gemeinsam auf Spurensuche begeben können und zahlreiche Ermittlungsmethoden kennen lernen.

Für «Tatort»-Fans bietet sich zudem die Möglichkeit, an ausgewählten Sonntagabenden am Public Viewing der Krimiserie teilzunehmen (Eintritt: 10 Franken). Die Ausstrahlung der neusten Luzerner Folge «Zwei Leben» am Sonntag (20.05 Uhr auf SRF 1) kommt dafür aber ein paar Tage zu früh.

Hinweis: Die Ausstellung ist vom 22. September bis am 11. März 2018 ­geöffnet. Weitere Infos auf der Homepage des Museums: www.historischesmuseum.lu.ch

Video: Mord und Totschlag im Historischen Museum Luzern

Verhörprotokolle, Tatort-Skizzen, Tondokumente oder Verbrecherfotos: In Luzern ist ab sofort nicht mehr nur am Sonntagabend "Tatort"-Zeit. Das Historische Museum Luzern zeigt eine Sonderausstellung zu Mord und Totschlag der letzten Jahrhunderte im Kanton Luzern. Kuratorin Sibylle Gerber erklärt die Hintergründe zur Ausstellung sowie deren Ziele. (Eliane Winiger / SDA, 21.09.2017)




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