Misstöne bei den Musikschullehrern

VERBAND ⋅ Der Vorstand des Verbands der Musikschulen hat am Samstag eine Vision für das Jahr 2025 präsentiert. Der Mehrheit der Verbandsmitglieder war diese jedoch zu konkret, weshalb man nun nochmals über die Bücher muss.
18. November 2017, 19:45

Sie haben in den letzten Jahren kämpfen gelernt: Die Musikschulen des Kantons Luzern hatten im Frühling das Referendum gegen die Halbierung der Kantonsbeiträge ergriffen – und waren damit extrem erfolgreich (siehe Kasten). An der gestrigen Generalversammlung in Ebikon versuchte der Vorstand des Verbandes der Luzerner Musikschulen (VML), diesen Schwung in die Zukunft zu tragen: Er präsentierte einen Entwurf namens «Visionen 2025». Dieser sieht eine grundsätzliche Neuausrichtung der Musikschulen vor.

Eines der zentralen Ziele des Papiers ist die vollständige Integration der Musikschulen in die Volksschule. «Wir wollen nicht mehr länger in die Freizeitecke gedrängt werden, sondern als vollwertiger Teil des Bildungsangebotes auf der Volksschule angesehen werden», sagt VML-Präsident Franz Grimm auf Anfrage. Das Singen oder Spielen eines Instrumentes würde dann beispielsweise ebenso zum Bildungsangebot der Schulen gehören wie etwa Musiktheorie.

Möglichkeit einer Initiative bleibt offen

Das zweite Kernanliegen des Entwurfs betrifft die Stellung der Musikschullehrerinnen und -lehrer. «Wir wollen eine Gleichstellung zu Volksschullehrpersonen», erklärt Grimm. Dies würde gewisse Sozialleistungen mit sich bringen und zudem konstantere Pensen und Vollpensen ermöglichen. Ein Letzteres sei für viele heute gar nicht oder nur mit sehr grossem Aufwand umzusetzen. «Die Unterrichtsverpflichtung müsste gegenüber heute deutlich tiefer liegen», so Grimm.

Die Forderung nach einer Aufwertung des Berufes ist für den VML nichts Neues. In dieser Deutlichkeit ist er allerdings noch nicht formuliert worden. Stellt sich die Frage, wie dieses Ziel und auch die anderen Visionen des VML umgesetzt werden sollen. Würde der Verband dafür eine Initiative lancieren? Verbandspräsident Grimm will sich noch nicht zu tief in die Karten blicken lassen. «Wir wollen zunächst mal abwarten, was die Aufgaben- und Finanzreform 2018 des Kantons für uns bedeutet.» Sollten die Musikschulen erneut ins Visier der Sparbemühungen genommen werden, werde man entsprechend reagieren.

Mitglieder lehnen «Massnahmenkatalog» ab

Nebst den beiden erwähnten Hauptzielen präsentierte der VML-Vorstand eine ganze Reihe «kleinerer» Ideen und Anregungen. So schlägt der Verbandsvorstand beispielsweise eine Einbettung des Musikunterrichts in die Tagesstrukturen vor. «Man könnte beispielsweise die grosse Mittagspause verkürzen und den Musikunterricht in dieser Zeit unterbringen», erklärt Grimm. So könnten die langen Abende reduziert werden, in denen die Kinder nach Einbruch der Dunkelheit noch in den Instrumentenunterricht müssen.

Insgesamt 24 Punkte enthält der Entwurf. Den gestern 66 anwesenden stimmberechtigten Verbandsmitgliedern war diese aber bereits zu konkret. Sie empfanden den präsentierten Entwurf als «Massnahmenkatalog mit wenig Herz». Stattdessen wünsche man sich eine übergeordneten Vision.

Gemäss Verbandspräsident Grimm wurde eine «sehr intensive und konstruktive» Diskussion geführt, welche letztlich zu folgendem Schluss kam: Die «Vision 2025» wird abgelehnt und muss überarbeitet werden. Dafür wird eine Arbeitsgruppe zusammengestellt, welche – in Zusammenarbeit mit dem Vorstand – einen neuen Entwurf ausarbeitet. Gemeinsam soll in einem Jahr, an der nächsten Generalversammlung, ein neuer Entwurf für die längerfristige Zukunft der Musikschulen präsentiert werden.

 

Ismail Osman

ismail.osman@luzernerzeitung.ch


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