Mehrmonatige Strassenbaustelle: Nachtschicht muss geprüft werden

STRASSENSANIERUNG ⋅ Die Arbeiten auf der Kantonsstrasse 11 belasten den Verkehrsfluss ins Luzerner Hinterland. Nun muss der Kanton neue Massnahmen ins Auge fassen – auch bei anderen Strassenbauprojekten.
16. Mai 2017, 19:33

Ismail Osman

ismail.osman@luzernerzeitung.ch

Ein 400 Meter langer Strassenabschnitt zwischen Altishofen und Dagmersellen erhitzt täglich die Gemüter von Hunderten Automobilisten. Die Sanierung der Kantonsstrasse K11 für rund 3 Millionen Franken läuft bereits seit über einem Monat. Weil eine Fahrspur gesperrt ist, kommt es immer wieder zu kilometerlangen Staus. Tatsache ist, dass die Strasse der hauptsächliche Zubringer aus dem Hinterland zur Autobahn A2 ist. Die Arbeiten an dem Strassenabschnitt inklusive der Brücke über die Wigger dauern voraussichtlich noch bis kommenden November an.

Zumindest im Kantonsrat ist gestern einigen der Geduldsfaden gerissen: Per dringlich eingereichtem Postulat forderte Robi Arnold (SVP, Mehlsecken), dass bei Sanierungsprojekten auf Hauptverkehrsachsen, wie die K11 eine ist, ein Dreischichtbetrieb in Erwägung zu ziehen sei. Ein Dreischichtbetrieb bedeutet auf der Baustelle faktisch einen 24-Stunden-Betrieb. Arnolds Parteikollegin Corinna Klein (Wauwil) reichte zudem eine Dringliche Anfrage ein, welche in die gleiche Richtung ging.

Regierung: Schlechtes Kosten-Nutzen-Verhältnis

Bei Baustellen auf Kantonsstrassen seien heute Einschichtbetriebe die Regel. Dreischichtbetriebe seien eher bei Tunnelbetrieben die gängige Praxis. Mehrschichtbetriebe seien immer mit Mehrkosten – etwa bei den Löhnen und den Lieferwerken – verbunden, warnte die Regierung in ihrer Stellungnahme zum Postulat. Diese Mehrkosten würden meist in einem schlechten Kosten-Nutzen-Verhältnis zur verkürzten Bauzeit stehen. Weiter litten auch die Qualität und die Arbeitssicherheit bei Nachtarbeiten.

Grundsätzlich argumentierte die Regierung, dass die Anliegen des Postulats, dass bei Bauarbeiten auf Hauptverkehrsachsen zweckmässige Lösungen zu treffen seien, schon heute erfüllt werde, weshalb das Postulat abzulehnen sei. Diese Ansicht teilte auch die SP. «Die notwendigen Prüfungen sind bereits gemacht worden», sagt Marcel Budmiger (Luzern). «Während des Baus die Planung über den Haufen zu werfen, macht schlicht keinen Sinn.»

Anders äusserte sich Inge Lichtsteiner-Achermann (CVP, Egolzwil). Bei der Baustelle K11 lohne es sich, nochmals über die Bücher zu gehen, da die Strecke «für das gesamte Hinterland von Bedeutung ist». Von mehreren Parlamentariern wurde zudem die Wichtigkeit der Strasse für das in Altishofen angesiedelte Transportunternehmen Galliker erwähnt. So etwa auch Markus Hess (GLP, Nottwil). Dieser empfahl der Regierung sogar persönlich mit den Galliker-Verantwortlichen in Kontakt zu treten. Inge Lichtsteiner plädierte weiter dafür, dass bei ähnlichen Bauprojekten neben dem Drei- jeweils auch der Zweischichtbetrieb geprüft werden soll. Dem Gedanken konnten sich weitere Parlamentarier anschliessen.

Baudirektor Robert Küng mochte seine Befremdung über den Verlauf der Debatte hingegen nicht zu verbergen: «Ich stelle fest: Es hat heute sehr viele Bauprofis hier im Saal.» Küng verwies darauf, dass der Kanton eine Vielzahl an Strassenbauprojekten bewirtschafte: «Selbstverständlich prüfen wir dabei jede Möglichkeit und Variante, diese so effizient wie möglich umzusetzen.»

Küngs Appell vermochte die Ratsmehrheit jedoch nicht mehr umzustimmen. Mit 58 zu 44 Stimmen bei vier Enthaltungen wurde Robi Arnolds Postulat für erheblich erklärt.


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