Neue Anlaufstelle für Senioren

BERATUNG ⋅ Die Region Sursee bündelt in Altersfragen ihre Kräfte: Während das «Drehscheibe»-Pilotprojekt in Sursee startet, planen die Verantwortlichen bereits die nächsten Schritte.
11. Januar 2018, 06:55

Ernesto Piazza

ernesto.piazza@luzernerzeitung.ch

 

Die Bevölkerung des Kantons Luzern wird immer älter. Waren es gemäss Lustat Statistik Luzern 1980 noch rund 13 Prozent, lag der Anteil Personen im AHV- Alter im Jahr 2016 schon bei 17 Prozent. Oder in absoluten Zahlen: 1980 sprach man von 39 100 Personen, bis 2016 stieg die Zahl auf 69 200 an. «Diese Entwicklung zeigt auch: Immer mehr ältere Menschen haben über eine längere Zeitspanne mehr Anliegen», sagt Stefan Brändlin. Der ehemalige Geschäftsführer von Pro Senectute Kanton Luzern leitet das Projekt «Luzerner Modell 65 plus». Ziel ist es, damit die soziale Absicherung von Menschen im AHV-Alter sicherzustellen, deren Selbstständigkeit so lange wie möglich zu erhalten und bei Krisensituationen zu unterstützen.

Die «Drehscheibe 65 plus Region Sursee» ist Teil des Projekts. Am 1. Januar hat sie den opera­tiven Betrieb aufgenommen. Senioren können von kostenloser, persönlicher Beratung profitieren. Dazu wurde in der Stadt­verwaltung Sursee ein Zimmer eingerichtet. Über die Telefonnummer 041 920 10 10 kann ein Ter­min vereinbart werden. Zum Angebot gehören beispielsweise Hilfe beim Ausfüllen der Steuererklärung, unentgeltliche Rechtsauskünfte, Sozial- und Demenzberatung oder Finanzhilfen in Notsituationen.

Vermittelt werden auch Partnerangebote. Sie beinhalten un­ter anderem die ambulante Pflege und Betreuung, Fahr-, Entlas­tungs- und Mahlzeitendienste sowie Sterbebegleitung. Zudem sollen die Ressourcen älterer Menschen gefördert und nutzbar gemacht werden. Noch sei es zwar eine Ausnahme, Senioren im Klassenzimmer oder als Hausaufgabenhilfe anzutreffen, sagt die Surseer Sozialvorsteherin Jolanda Achermann Sen. «Wir hoffen aber auf mehr solch generationenübergreifende Projekte.»

Die Initiative für die Drehscheibe 65 plus Region Sursee kam von den Sozialvorsteherinnen der Gemeinden Sursee, Geuensee, Knut­wil, Mauensee, Oberkirch und Schenkon – gemeinsam mit Pro Senectute Kanton Luzern. Letztlich hat eine siebenköpfige Gruppe, bestehend aus Senioren, Politikern, einer Sozialberatungsfachperson sowie Spitex- und Heimvertretern, die Anlaufstelle für Altersfragen entwickelt. «Sie ist für die Senioren in der Region ein echtes Bedürfnis», weiss Jolanda Achermann.

150 Personen an offizieller Einweihung

Dass dem so ist, hat auch der offizielle Startschuss am vergangenen Freitag mit rund 150 Personen und einem bis auf den letzten Platz gefüllten Saal im Katholischen Pfarreiheim in Sursee gezeigt. Damit ist die Pro Senectute Kanton Luzern in Sursee wieder präsent – das war seit dem Jahr 2000 nicht mehr der Fall. «Wir versprechen uns von dem Projekt einen nachhaltigen Erfolg», erklärt deren Geschäftsführer Ruedi Fahrni. Mit dem Drehscheibe-Pilotprojekt, dem regionalen Altersleitbild und der stärkeren Präsenz von Pro Senectute wolle man beim Thema Alter einen Schwerpunkt setzen, betont Achermann. Umso mehr, als die Bedürfnisse dieser Menschen an den Gemeindegrenzen nicht Halt machten. Mittels Nachfolgeprojekt – das heisst ab 2019 – besteht zudem die Idee, die Anlauf­stelle auf 16 Gemeinden auszubauen. «Weitere Kommunen in der Region sind selbstverständlich willkommen», hält Achermann die Türen offen. Das betrifft auch Rickenbach, Beromünster und Buttisholz. Diese Gemeinden gehören nicht zu denen, die das regionale Altersleitbild mitzeichneten. So hat Buttisholz etwa schon 2014 ein eigenes verabschiedet.

Die Projekt-Gesamtkosten des Luzerner Modells 65 plus belaufen sich für die dreijährige Phase auf 680 000 Franken. Ne­ben der Region Sursee gehört seit 2016 auch das Seetal mit elf Gemeinden dazu. Per 1. Oktober 2017 folgte das Rontal mit seinen sechs Kommunen. Neben den Drehscheiben werden im Projekt Luzerner Modell 65 plus neue Lösungen für die Sozialberatung von Menschen im AHV-Alter und diverse Instrumente für Verantwortungsträger im Altersbereich entwickelt. Finanziert wird es von Gemeinden, Kanton, Bund, Stiftungen und der Wirtschaft.

Bis Mitte 2018 müssen für die regionalen Drehscheiben nun Betriebskonzepte mit Budgets ab 2019 erstellt werden. Brändlin: «Dabei hoffen wir wieder auf möglichst breite Beteiligung.»

Hinweis

Weitere Infos finden Sie unter www.regionsursee65plus.ch


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