Chefsache

Informationslücke: Polizeikommando hat Auftrag nur teilweise erfüllt

Jérôme Martinu zur Reaktion des Luzerner Polizeikommandos in Sachen tätlich werdender Kaderpolizist.
17. Juni 2017, 04:39

Eine Polizeipatrouille schnappt zwei Taschendiebe, mitten im Luzerner Fasnachtsgetümmel. Als die Delinquenten bereits gefasst sind, schlägt jemand auf einen Verhafteten ein. Der Schläger ist ein Polizist, zwar nicht im Dienst, aber ein Kadermann und damit in Vorbildfunktion, wie Recherchen unserer Zeitung zeigen. Die Polizeiführung reagiert umgehend, löst eine externe Administrativuntersuchung aus und erstattet Anzeige. Konsequent und gut gemacht! Gerade wenn Polizeikader involviert sind, ist genau diese Vorgehensweise mit der Kommandoübernahme von Adi Achermann festgelegt worden. Dies aufgrund der Erkenntnisse aus der Polizeikrise 2013, bei der auch Ungleichbehandlungen zwischen Offizieren und Truppe ein Problem waren.

Das Kommando hat seinen Auftrag aber nur teilweise erfüllt. Es hat offenbar noch nicht begriffen, dass in solchen Fällen eine Information von Korps und Öffentlichkeit unerlässlich ist. Weil der Deckel draufgehalten wurde, ist es zu Gerüchten und Unmut gekommen. Das kann sich die Polizeiführung, die sich wegen des Falls Malters vor Gericht verantworten muss und damit unter verschärfter Beobachtung steht, nicht leisten.

Die Staatsanwaltschaft hat die Untersuchung inzwischen eingestellt, die Gründe sind noch nicht bekannt. Der Dieb selber geht gegen den wild gewordenen Polizisten offenbar nicht juristisch vor. Doch was rechtens ist, muss nicht zwingend richtig sein. Das Resultat der Administrativuntersuchung soll im Juli vorliegen. Man muss es deutlich sagen: Alles andere als eine disziplinarische Bestrafung des Polizeikadermannes wäre eine Zumutung. Von Vertretern des staatlichen Gewaltmonopols wird erwartet, dass sie dienstlich und privat nicht willkürlich Personen attackieren.

Jérôme Martinu, Chefredaktor

jerome.martinu@luzernerzeitung.ch


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