Carparkplätze: Passagiere und Chauffeure setzen auf zentrale Lage

INSELI-INITIATIVE ⋅ Wohin mit den Cars, wenn die 32 Parkplätze beim Inseli aufgehoben werden? Reiseanbieter befürchten längere Wege und kündigen an, Luzern aus dem Programm zu streichen.
11. September 2017, 07:00

An der Inseli-Initiative scheiden sich die Geister. Denn ein Ersatz für die 32 Carparkplätze ist bisher nicht in Sicht. Bei einer Annahme der Initiative müssten diese mittelfristig aufgehoben werden. Dazu hat die Stadt Luzern Anfang Jahr ihr Konzept Carparkierung veröffentlicht. Seither mussten schon Abstriche hingenommen werden. Der Plan, im Brüelmoos von 12 auf 28 Carparkplätze zu ­erhöhen, erhielt vom Grossen Stadtrat eine Abfuhr. Der Luzerner Stadtrat prüfe nun mit «di­versen Partnern Alternativen», schrieb Stadtpräsident Beat ­Züsli unlängst in seinem Editorial im Stadtmagazin. Das brauche Zeit, Gespräche und Kompromissbereitschaft. Somit bleibt die Frage: Wohin mit den Touristencars?

Tagtäglich hat Vilma Berisha von Eurolines die an- und abfahrenden Cars vor Augen. Ihr Arbeitsplatz hat freie Sicht auf das Inseli. Die Geschäftsführerin des Unternehmens, das Busreisen anbietet, ist nun mit Blick auf die Abstimmung vom 24. September ziemlich verunsichert: «Als wir vor 20 Jahren hier unser Geschäft eröffneten, waren diese Parkplätze ausschlaggebend für diese Standortwahl.» Doch bereits damals sei immer wieder diskutiert worden, die Carparkplätze dereinst aufzuheben: «Dies war mitunter ein Grund, warum wir mit dem Umbau der Geschäftsräume zugewartet hatten.» Nachdem zwölf Jahre verstrichen waren, entschied sich das Unternehmen trotzdem für einen Umbau.

Kunden wollen nicht in der Peripherie einsteigen

Wird die Initiative angenommen, dann müsste sie ihr Geschäft schliessen: «Meine Kunden fahren nicht in die Peripherie zum Einsteigen. Sie reisen mit den SBB oder dem Bus an, laufen die paar Meter und steigen hier in ihren Car.» Deshalb sei diese zentrale Lage enorm wichtig. Was in anderen Schweizer Städten auch so sei. «Oder kennen sie eine Stadt, in der die Reisecars von der Peripherie aus starten?», fragt Berisha. Ihr Unternehmen bietet auch Busreisen nach Mazedonien an. Doch für diese Linie hat sie keine Konzession erhalten, die Passagiere müssen bei der Autobahnraststätte Neuenkirch einsteigen. Seither laufe dieses Geschäft nicht mehr. Denn mit dem ÖV sei Neuenkirch nicht gut erschlossen, und mit dem «teuren» Taxi würden die wenigsten anreisen. Viele ihrer ehemaligen Gäste seien deshalb auf den Flieger umgestiegen.

Viele Cars, die beim Inseli Halt machen, stammen laut Nummernschild aus Deutschland, der Slowakei, Italien, Spanien und der Schweiz. Für den Chauffeur eines Ostschweizer Unternehmens ist das Inseli der beste Standort. Einziger Mangel sei der fehlende Münzwechsel­automat, um die Parkuhr zu füttern. «Meine Fahrgäste schätzen die Nähe zu Altstadt, Museum und See», erzählt er. Bei einem Vierstundenaufenthalt sei solch ein zentraler Standort entscheidend. Zur Abstimmung sagt er: «Am besten wäre, die Touristen abzuladen und sich dann samt Bus in Luft aufzulösen. Doch es gibt auch in Luzern nicht den Fünfer und das Weggli.»

Wenn er in die Peripherie fahren müsse, sagt der Chauffeur, werde das Unternehmen Luzern für Kurzaufenthalte aus dem Angebot streichen müssen. Ins gleiche Horn bläst auch der Chauffeur eines deutschen Kleinbusses: «Luzern ist bis jetzt ein Fixpunkt in unserem Programm, auch für Kurzausflüge, und das nicht zuletzt wegen dieses Parkplatzes.» Von hier aus seien Sehenswürdigkeiten, See und Altstadt zu Fuss problemlos zu erreichen. Und die Zeit reiche sogar, um eine Schiffsrundfahrt zu ­machen, so der Fahrer. «Werden die Parkplätze aufgehoben, dann müssen wir über die Bücher. Von einem dezen­tralen Standort aus werden die Wege zu lang, und für einen Kurzaufenthalt fehlt die Zeit. Zudem komme ich durch die zusätzliche Fahrerei mit der vorgeschriebenen Ruhezeit in Konflikt.»

Flixbus-Kunden steigen auf Billigflieger um

Spricht man Passanten auf die Abstimmung an, hört man unterschiedliche Kommentare zur Inseli-Initiative. Die einen interessieren sich gar nicht dafür, andere sprechen von einer «absoluten Stürmerei» oder einer «Superidee». Unbeeindruckt geben sich die Mitglieder einer asiatischen Gruppe, die für fünf Stunden in Luzern weilen. Sie wähnen sich im «paradise», wie sie in gebrochenem Englisch sagen. Einige hätten eine Pedalo-Rundfahrt gemacht, andere waren shoppen.

Die Nähe zu Bahn und Bus schätzen auch sieben Flixbus-Kunden. Würde sich die Anfahrt zur Haltestelle stark verkomplizieren, würden sie auf den Billigflieger wechseln, sagen die Mitglieder einer Gruppe aus Emmen.

Sandra Monika Ziegler

sandra.ziegler@luzernerzeitung.ch


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