Urteil

Psychiatriepfleger zu Unrecht gefeuert

Die Luzerner Psychiatrie (Lups) hat einen Mitarbeiter fristlos entlassen, weil er im Zimmer eines Patienten das Licht gelöscht hatte. Die Kündigung kommt die Klinik wohl teuer zu stehen.
13. Mai 2017, 17:19

Der Fall beginnt tragisch. Ein Mann liefert sich selber in die Psychiatrie ein, weil er nicht mehr zurecht kommt. Er ist unruhig, kann kaum einen klaren Gedanken fassen und gleichzeitig kaum die Worte stoppen, die aus seinem Mund kommen. In den nächsten Tagen geht es ihm nicht besser. Er habe grosse Angst vor dem Nachtpfleger, vertraut er dann einer Psychologin an. Dieser habe sich in der Nacht nicht um ihn gekümmert, sondern ihn zurück ins Zimmer geschickt und das Licht ausgemacht. Dabei habe er doch grosse Angst im Dunkeln, weil er dann Dinge sehe, die er fürchte.  Im Verlaufe des Tages tauchen beim Patienten psychotische Symptome auf, er fürchtet sich vor Hexen und Monstern – und eben auch vor besagter Nachtwache. Dem Mitarbeiter wird noch gleichentags fristlos gekündigt. Der Vorwurf: Er habe im Zimmer des Patienten gegen dessen Willen das Licht gelöscht und dies trotz der bekannten Angst desselben vor Dunkelheit.

Das Erstaunliche an dem Fall: Davon, dass sich der Patient in der Dunkelheit fürchtet, stand in der Patientenakte bis zu dem Zeitpunkt nichts. Dass dem Pfleger dies bewusst war, ist somit nicht belegt, hält das Kantonsgericht in seinem Urteil fest. Die Voraussetzungen für eine fristlose Auflösung des Arbeitsverhältnisses seien demnach nicht erfüllt.

Psychiatrie muss Schadenersatz zahlen

Der Mitarbeiter geht auf die Pensionierung zu und war seit vielen Jahren bei der Lups angestellt. Seine fachliche Kompetenz bildete nie Anlass zu Beanstandungen. Allerdings – so argumentierte die Luzerner Psychiatrie vor Gericht – habe man vor der Entlassung über Monate hinweg negative Rückmeldungen von Mitarbeitenden und Patienten über sein Verhalten erhalten. Offenbar trat er «laut, dominant und grob» auf. Solche Verhaltensweisen seien im Umgang mit Patienten unprofessionell und könnten den Heilungsprozess negativ beeinflussen, so das Gericht.  Dies wäre ein sachlicher Grund für eine ordentliche Kündigung gewesen. Aber eben nicht für eine fristlose. Der Jahreslohn des Mannes belief sich auf über 88'000 Franken, wie aus dem Urteil hervor geht. Der Mitarbeiter hat nun Anspruch auf Schadensersatz. Wie hoch dieser ausfallen wird, ist noch offen, entsprechende Verhandlungen laufen, wie die Lups auf Anfrage bestätigt.
 

Lena Berger

 

 


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