Fünf Luzerner Studenten bieten Rechtshilfe – auch für Normalverdiener

LUZERN ⋅ Angst vor hohen Anwaltskosten halten viele davon ab, Rechtsansprüche geltend zu machen. Fünf Jus-Studenten der Uni Luzern geben nun Gegensteuer.
03. Januar 2018, 05:00

Sie befinden sich zwar noch in der Ausbildung. Diesen Monat stehen für die Jus-Studenten Linus Fessler, Loris Baumgartner, Karim Steiner, Niels Röthlin und Dominik Keller die Master-Prüfungen an der Uni Luzern an. Dennoch führen sie mit der Solvex Rechtsberatung GmbH seit vergangenem September bereits eine eigene Firma.

Linus Fessler (23) zeigt keine Spur von etwaiger Nervosität wegen der anstehenden Prüfungen. Vielmehr scheint er vor Tatendrang zu sprühen, wenn er über die Firma spricht. «Wir stecken alle fünf mit einer grossen Menge Herzblut darin.»

Verfassungsmässiges Recht verkomme zur «Worthülse»

Was sie besonders antreibe, sei die Tatsache, dass zwar jedermann laut Verfassung das Recht habe, seine Streitigkeiten durch ein unabhängiges Gericht beurteilen zu lassen. Aber: «Die exorbitanten Anwalts- und ­Verfahrenskosten halten einen Grossteil der Bevölkerung vom Gang vor Gericht ab, schliessen sie faktisch von der Durchsetzung ihrer Ansprüche aus.» Einen Prozess zu führen, könnten sich nämlich nur «Reiche oder Leute am Existenzminimum» leisten. Letztere darum, weil sie unentgeltliche Prozessführung beanspruchen können. Für Fessler verkomme daher das verfassungsmässige Recht des Einzelnen auf gerichtliche Beurteilung zur «Worthülse». Das sei «ein unhaltbarer Zustand».

Solvex soll daher Rechtsberatung, Mediation und Begleitung im Schlichtungsverfahren zu einem «erschwinglichen» Stundenansatz anbieten. Um die 60 Franken berechnen die angehenden Juristen für eine einstündige Rechtsberatung je nach Komplexität der Angelegenheit. Im Zentrum stehe stets, eine einvernehmliche Lösung zu finden und somit einen Prozess zu vermeiden. Gelingt das nicht, streben die Jungunternehmer eine Einigung in einem Schlichtungs­verfahren an. Denn: «Prozessieren geht ins Geld, aber ebenso an die Psyche und kann Menschen aufreiben», sagt Fessler. «Ein Rechtsvertreter muss immer auch Psychologe sein. Dem wollen wir bewusst nachleben.»

Doch zunächst mussten die fünf Studenten nach der Firmengründung administrative Arbeiten bewältigen. Ganz praktische Fragen stellten sich, etwa zu Versicherung, Internetauftritt oder Büroräumlichkeiten. «Eine Menge Arbeit – aber alles wertvolle grundlegende Erfahrungen, die uns auch später zugutekommen», meint Fessler. Sie haben keine vornehme Kanzlei an prominenter Lage – vielmehr konnten sie sich fürs Erste in Emmenbrücke in der Wohnung eines Mitgründers einrichten. Mit den ersten Monaten sei man zufrieden: «Es ist gut angelaufen, wir haben einiges zu tun.» Nach den Masterprüfungen wollen die fünf Gesellschafter ihre Tätigkeit ausweiten. Auch die fernere Zukunft wird schon ins Auge gefasst. Dereinst wollen sie das Anwaltspatent machen und voll auf eine gemeinsame Kanzlei setzen.

Auch ein ambitionierter Schwinger

Linus Fessler ist übrigens nicht nur beruflich ambitioniert. Auch im Schwingsport verfolgt der Nidwaldner ehrgeizige Ziele. Gerne würde er dereinst Kränze auf hoher Ebene sammeln. Das Eidgenössische 2019 in Zug ist die nächste ganz grosse Herausforderung. Das bedeutet auch, dass Fessler für das Training genug Zeit einberechnen muss und sich teils im Geschäft zurücknimmt. Doch der Schwingsport könne ihm auch beruflich zusätzliche Türen öffnen: «Schwingerkollegen gehen mich jetzt schon ab und zu wegen Rechtsfragen an; da ergibt sich vielleicht eine interessante berufliche Klientel.»

 

Hannes Bucher

stadt@luzernerzeitung.ch

 

Hinweis

Mehr Infos auf solvex.ch


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