Luzerner sliden trotz der Kälte

SCHÖNBÜHL ⋅ Eine Luzerner Quartierstrasse wird zur 200 Meter langen Rutschbahn. Trotz widriger Bedingungen zog der Anlass «Slide my City» am Freitag einige Besucher an. Ein Erlebnisbericht.
11. August 2017, 19:41

An der Studhaldenstrasse gegenüber dem Shoppingcenter Schönbühl bietet sich ein seltsames Bild: Statt Autos bewegten sich Personen in jeder Altersklasse die Strasse hinunter. Doch nicht etwa auf dem Asphalt, sondern auf einer 200 Meter langen Rutschbahn. «Die Luzerner sind hart im Nehmen», sagt Silvan Müller, Projektleiter von «Slide my City». Der Anlass tourt in der Schweiz von Stadt zu Stadt. So kalt wie in Luzern dürfte es diesen Sommer nirgends gewesen sein. Trotzend schossen viele Besucher nur in ihren Badehosen bekleidet runter. Andere waren mit Neoprenanzügen, Regenjacken oder gar der Motorradkleidung etwas besser ausgerüstet.

Die Wasserrutsche ist erst am Freitagmorgen aufgebaut worden. «Wir versuchen immer, die Strasse so kurz wie möglich zu benutzen», sagt Müller. Um 11 Uhr komme ihm jeweils die Ehre zu, den ersten «Testrutsch» zu machen. «Dieses Mal schaffte ich es beim ersten Versuch ins Ziel, was selten vorkommt.»

Nass wird man sowieso

Unsere Zeitung hat die Rutsche ebenfalls getestet. Oben an der Strasse angekommen, muss sich der Besucher erst einmal fünf Minuten gedulden. Immerhin: Wegen des Regens ist die Schlange nicht allzu lang. «Die Hartgesottenen können dafür mehr rutschen, was auch schön ist», sagt Müller. Vorne angekommen, pocht das Herz schon ein wenig schneller. Gleich wird es richtig kalt. Ein Helfer gibt dem Gummireifen, in den man sich setzen muss, einen Schubs, und los geht’s. Die erste Düse spritzt von oben eisiges Wasser ins Gesicht. Auf dem dünnen Wasserfilm gewinnt der Reifen schnell an Tempo. Die Kontrolle geht nach wenigen Sekunden verloren, man dreht sich im Kreis und prallt an die weichen Seitenränder. Auf der anderen Bahn kreischt ein Mädchen vor Freude. Über die Schulter sieht man das Ende der Rutschbahn schnell näher kommen. Und schon platscht der Gummireifen in das Auffangbecken – die Fahrt hat nur wenige Sekunden gedauert.

Jetzt kümmert der Regen niemanden mehr, denn nass ist man sowieso schon. Auf zur zweiten Runde. Ein Familienvater steht nun schon zum fünften Mal an der Startrampe: «Meine Kinder haben zu kalt, jetzt rutsche ich eben noch alleine weiter.» Wasserrutschen vermögen es, aus Erwachsenen wieder Kinder zu machen. Das sei auch für Müller das Highlight. «Einmal unten angekommen, strahlt jeder Einzelne – egal ob 2 oder 82 Jahre alt.»

Der Anlass wird seit drei Jahren in verschiedenen Städten durchgeführt. Dieses Jahr sei Luzern der Abschluss der Tour. «Die Idee hatten wir ursprünglich aus dem Internet», sagt Müller. Auf Youtube seien Videos von solchen Wasserrutschen viral gegangen. Für die Umsetzung brauche es dann aber schon mehr als nur eine Rutsche und einen Gartenschlauch. 400 Meter lange Feuerwehrschläuche und 36 Düsen würden für die optimale Geschwindigkeit sorgen. «Einmal hat ein Besucher volle 36 Stundenkilometer hingekriegt», sagt Müller. Das Ganze hat auch seinen Preis: Ein Ticket für 90 Minuten kostet ab 14 Jahren 21 Franken. Für Familien und Kinder gibt es Ermässigungen. Am Samstag ist das Gelände an der Studhaldenstrasse nochmals von 11 bis 19.50 Uhr geöffnet.

Oliver Schneider
stadt@luzernerzeitung.ch

  • Gegenüber dem Shoppingcenter Schönbühl bietet sich ein seltsames Bild: (© Roger Gruetter)
  • Entlang der Studhaldenstrasse ist die 200m lange Wasserrutsche aufgestellt worden. (© Keystone)
  • «Slide my City» heisst das Projekt. Der Anlass tourt in der Schweiz von Stadt zu Stadt. (© Roger Gruetter)

Trotz widriger Bedingungen zog der Anlass «Slide my City» am Freitag einige Besucher an. Ein Erlebnisbericht in Bildern.

Video: Luzerner sliden trotz der Kälte

Eine Luzerner Quartierstrasse wird zur 200 Meter langen Rutschbahn. Trotz widriger Bedingungen zog der Anlass «Slide my City» am Freitag einige Besucher an. Erleben Sie die Fahrt aus der Ich-Perspektive. (Ramona Geiger, )




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