Schüür plant Erweiterung im Garten

KONZERTHAUS ⋅ Gute Nachrichten für Konzertbesucher: Die Schüür hat den Vertrag mit der Stadt Luzern um zehn Jahre verlängert. Und sie will die Kapazitäten erhöhen.
11. Oktober 2017, 05:00

Pirmin Bossart

stadt@luzernerzeitung.ch

Seit 25 Jahren ist die Schüür fester Bestandteil der Luzerner Kulturszene. Sie ist das Konzerthaus für alle. «Wir haben keine Stilpolizei. Hier soll alles stattfinden können, vom derbsten Metal bis zum süffigsten Pop», sagt Schüür-­Leiter Marco Liembd und grinst. «Eigentlich sollte jeder Zentralschweizer mindestens einmal einen Anlass in der Schüür besucht haben.» Neun Festangestellte und 50 Personen im Stundenlohn sorgen dafür, dass die 280 Veranstaltungen pro Jahr gut über die Bühnen gehen.

Im Hinblick auf das 25-Jahr-Jubiläum, das diesen Monat mit zahlreichen Anlässen gefeiert wird, haben sich die Schüür-Verantwortlichen Gedanken über die nächsten 25 Jahre gemacht. Ein Vorhaben ist primär: Um ungestörte Doppelveranstaltungen zu ermöglichen und das Haus noch besser auszulasten, möchte die Schüür den Zugang verbessern und die Kapazitäten erhöhen. Ziel ist, das Erdgeschoss und den eigentlichen Konzertraum im ersten Stock problemlos nebeneinander bespielen zu können.

Separater Zugang über den Garten

Die Doppelnutzung ist teilweise schon heute der Fall, aber nur mit Friktionen. Wenn am Donnerstag im Erdgeschoss 150 Leute an der «Noche Cubana» Salsa tanzen und weitere 500 Leute oben ein Konzert hören, wird es eng. «Mit einem zusätzlichen, separaten Zugang über den Garten könnte das Problem gelöst werden», sagt Liembd. Auch im Hinblick auf die geplante Rösslimatte-Überbauung wäre das ein guter Schachzug. So wären die intensiven Lärmemissionen Richtung Tribschenstrasse verlagert und nicht gegen die geplante Überbauung.

Um diesen autarkeren Betrieb der beiden Etagen zu ermöglichen, wäre ein kleiner Anbau für WCs und Garderoben nötig. Platz dafür hätte es im Garten. Dort liessen sich noch weitere Räumlichkeiten integrieren, denn die Schüür hat ein grosses Platzproblem. «Heute schon teilen sich drei Techniker einen Arbeitsplatz. Auch die bestehenden WC-Anlagen und der Backstage-Bereich sind zu klein.»

Die Stadt ist über die Bedürfnisse der Schüür informiert. «Wir stehen den Anliegen positiv gegenüber und prüfen nun, was realistisch und machbar ist», sagt Judith Christen von der Dienstabteilung Kultur. In den 25 Jahren sei baulich vor allem in den Unterhalt investiert worden. «Es leuchtet ein, dass die Schüür die beiden Ebenen separat bespielen will. Deshalb klären wir nun ab, wie sich der Betrieb am besten weiterentwickeln kann und soll und zu welchem Preis.»

Aufgrund der Abklärungen hat sich die Erneuerung des Gebrauchsleihvertrages etwas verzögert. Dieser läuft Ende dieses Jahres aus, wird aber nun um zehn Jahre verlängert, wie Judith Christen bestätigt. Die Stadt stellt das Gebäude unentgeltlich zur Verfügung und kommt für den Unterhalt auf. Für den Betrieb erhält die Schüür einen ­jährlichen Betriebsbeitrag von 42 000 Franken, eine Veranstaltungspauschale von 30 000 Franken sowie eine Defizitgarantie von 50 000 Franken. Die Schüür kommt so mit einem stolzen Eigenfinanzierungsgrad von 95 Prozent über die Runden.

Kommt der Südzubringer – oder nicht?

Was gerade die jungen Besucher nicht wissen: Das Grundstück, auf dem die Schüür steht, ist für ein grösseres Strassenbau-Vorhaben reserviert, den Südzubringer. Deshalb ist die Schüür seit 25 Jahren eine Zwischennutzung. «In den Köpfen der Leute sind wir aber ein etabliertes Haus», sagt Liembd. Für viele Anlässe reisen Leute aus andern Kantonen an.

Ob der Südzubringer jemals verwirklicht wird, steht in den Sternen. Es wird zumindest noch viele Jahre dauern, bis nur schon ein Projekt ausgearbeitet ist. Falls der Südzubringer mal ganz aus den Traktanden fiele, müsste dennoch gekämpft werden, glaubt Liembd: für den Verbleib eines Konzerthauses an diesem Standort, aber auch für das kreative Zusammenspiel mit dem Spanier-Treffpunkt sowie den Ateliers und kleinen Buden auf dem hinteren Rösslimatt-Areal.

«Wahrscheinlich würde dann mit den Jahren mal ein Neubau fällig. Aber Luzern braucht ein solches Konzerthaus in Gehdistanz zum Bahnhof», sagt Liembd. Und wenn es mit dem Südzubringer dereinst doch konkret werden sollte? «Keine Schüür wäre auch dann keine Option. Weder für mich noch für die Stadt Luzern.»


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