Krienser Horte werden Teil der Schule

KRIENS ⋅ Mittagstische und Schülerhorte werden ab nächstem August von der Volksschule geführt, der Gemeinnützige Frauenverein zieht sich frustriert zurück. Auch eine Übergangslösung ist gescheitert.
Aktualisiert: 
01.12.2017, 20:00
01. Dezember 2017, 10:47

Christian Glaus

christian.glaus@luzernerzeitung.ch

Die Gemeinde Kriens macht schnell vorwärts, allerdings unfreiwillig: Ab nächstem Sommer integriert sie die schulergänzenden Tagesstrukturen in die Volksschule. Diese übernimmt die Schülerhorte und Mittagstische vom Gemeinnützigen Frauenverein Kriens. Gestern wurden die Mitarbeiterinnen des Frauenvereins sowie die Öffentlichkeit über diese Neuerung informiert.

Der Schritt ist eigentlich nicht überraschend. Im Frühling dieses Jahres hatte die Gemeinde einen Prozess zur Überprüfung des heutigen Angebots gestartet. Dabei kam die eingesetzte Arbeitsgruppe zum Schluss, dass es richtig ist, wenn die Tagesstrukturen in die Schule integriert werden. Andernfalls müssten die Leistungen ausgeschrieben werden (Ausgabe 20. Oktober).

Allerdings: Der Gemeinderat wollte für den Übergangsprozess mehr Zeit haben. Er unterbreitete deshalb dem Frauenverein das Angebot, die auslaufende Leistungsvereinbarung um zwei oder vier Jahre zu verlängern. Dieser lehnte jedoch ab.

Gemeinde am Mittwoch über Rückzug informiert

Am Mittwoch informierte der Verein die Gemeinde über den Entscheid. «Natürlich wäre es optimaler gewesen, wenn wir mehr Zeit gehabt hätten», sagt Bildungsvorsteherin Judith Luthiger-Senn (SP). «Doch wir schaffen das auch auf den nächsten Sommer. Wir werden den Übergang gemeinsam mit dem Gemeinnützigen Frauenverein aufgleisen.» Das Personal soll übernommen und bei der Volksschule angegliedert werden: «Wir wollen vom Wissen und der Erfahrung der Mitarbeiter profitieren.»

Zwischen dem Frauenverein und der Gemeinde ist es offensichtlich zum Zerwürfnis gekommen. «Die Art und Weise, wie wir in den letzten Monaten behandelt wurden, war frustrierend», sagt Edith Müller, Vorsitzende der Geschäftsleitung des Frauenvereins. Man sei lange von der Gemeinde hingehalten worden, habe nicht gewusst, was die Zukunft bringe. «Das hat die Mitarbeiter verunsichert.» Deshalb sei man nicht bereit gewesen, eine Übergangsfrist zu akzeptieren.

Auch mit dem strategischen Entscheid des Gemeinderats, die Betreuungsangebote bei der Schule anzugliedern, ist der Gemeinnützige Frauenverein nicht einverstanden. «Freizeit ist Freizeit, und Schule ist Schule», sagt Müller. Der Verein sieht die Tagesstrukturen als Ergänzung zum Elternhaus, die Gemeinde sieht sie als Teil der Schule.

Gleiche Betreuer in Schule und Hort

Judith Luthiger streicht die Vorteile hervor, welche die neue Organisation mit sich bringe: für die Eltern, weil sie ihre Kinder nur noch an einem Ort anmelden müssen; für die Kinder, weil ihnen einheitliche pädagogische Grundsätze und Haltungen vermittelt werden.

Markus Buholzer, Rektor der Volksschulen Kriens, arbeitet am neuen Konzept für die Tagesstrukturen. Vorgesehen sei ein integriertes Modell. Man müsse dabei die Bildung ganzheitlich sehen: «Der Unterricht ist ein Teil, die Freizeit ein anderer. Doch in beiden Teilen findet Lernen statt, darum müssen sie verbunden werden.» Buholzer verspricht: «Spiel und Bewegung sind sehr wichtig für Lernprozesse. Darum werden Spiel, Sport und kreative Arbeiten in den Horten weiterhin einen hohen Anteil haben.»

Wie sich die Eingliederung der Tagesstrukturen in die Volksschule finanziell auswirken wird, ist offen. Das Jahresbudget des Gemeinnützigen Frauenvereins betrug rund 1,5 Millionen Franken. Der Gemeindebeitrag betrug dabei 1 Million, der Elternbeitrag rund 520000 Franken. Gemäss Mitteilung soll die Übernahme der Tagesstrukturen für die Gemeinde kostenneutral erfolgen. Anderer Meinung ist Edith Müller. Zusätzlich zu den Beiträgen der Gemeinde habe man Spenden und vergünstigte Lebensmittel von der Schweizer Tafel erhalten. Für sie ist klar: Die Tagesstrukturen werden teurer. «Den Preis zahlen entweder die Eltern oder die Steuerzahler.»


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