Aus der Fachschule soll ein Wohnhaus werden – auch wegen heikler Nachbarn

KASTANIENBAUM ⋅ Die Hotelfachschule IMI zügelt nach Kriens. Eine neuerliche öffentliche Nutzung der Anlage erachtet der Horwer Gemeinderat als unrealistisch – auch wegen lärmempfindlicher Nachbarn.
12. Oktober 2017, 05:00

Stefan Dähler

stefan.daehler@luzernerzeitung.ch

Die Lage mit Blick auf den See ist privilegiert. Doch die Räumlichkeiten des International Hotel Management Institute (IMI) am Seeacherweg in Kastanienbaum entsprechen nicht mehr den Bedürfnissen der Schule. Diese wird darum in die geplante Überbauung Eichhof West in Kriens zügeln. Das Projekt ist zwar wegen einer Beschwerde blockiert. Doch früher oder später wird der Umzug Tatsache.

Die Zukunft des Areals am Seeacherweg ist daher ungewiss. Es gehört dem evangelischen Diakonissen-Mutterhaus St. Chrischona mit Sitz im Kanton Basel Stadt. Dort konnte wegen Ferienabwesenheit niemand Auskunft geben. Gemäss Horwer Gemeinderat will St. Chrischona seine Tätigkeiten auf den Hauptsitz konzentrieren. Darum wolle er nicht mehr ins Gebäude in­vestieren. Stattdessen soll das Grundstück verkauft werden. An wen, ist noch offen.

Teil des Areals wird öffentlich sein

Die Tage des 1959 eingeweihten Gebäudes – darin betrieb St. Chrischona bis 1989 einen Kurbetrieb – dürften gezählt sein. Stattdessen fasst der Gemeinderat ein Wohnbauprojekt ins Auge. Für eine reine Wohnüberbauung wäre aber eine Umzonung nötig. Das Areal befindet sich aufgrund der früheren Nutzung als Erholungsheim in der Sonderbauzone Tourismus. In dieser sind Wohn­bauten laut Bau- und Zonenreglement nur «in untergeordnetem Mass gestattet». Über eine Umzonung könne «diskutiert werden», schreibt der Gemeinderat im kürzlich veröffentlichten Bericht zur Tourismusentwicklung. Voraussetzung ist, dass ein Teil des Grundstücks öffentlich nutzbar ist und ein «signifikanter Mehrwert» entsteht – möglich wären ein Panoramaweg, Aussichtspunkte, Sitzgelegenheiten und eine ökologische Aufwertung.

«Es geht eher um eine ruhige Nutzung», betont Bauvorsteher Thomas Zemp (CVP). Nutzungen «mit hohem Publikumsverkehr und damit verbundene Emissionen» dürften auf Widerstand stossen. Bereits heute komme es zu Konflikten zwischen Schule und Anwohnern. Falls der Einwohnerrat die Umzonung befürwortet, will der Gemeinderat einen entsprechenden Bericht und Antrag erarbeiten. In letzter Instanz entscheidet das Stimmvolk.

Doch warum strebt der Gemeinderat keine touristische Nutzung an? Neben der anspruchsvollen Nachbarschaft gebe es dafür weitere Gründe, wie Zemp ausführt. So befinde sich bereits das Hotel Kastanienbaum in unmittelbarer Nähe. Ausserdem fehle es an Investoren, die bereit wären, auf der Horwer Halbinsel Hotelbauten oder Renovationen zu finanzieren. Dies zeige das Beispiel Oberrüti. Das ehemalige ­Hotel über dem Felmis-Quartier steht derzeit leer. Auch dieses Grundstück befindet sich in der Tourismuszone und soll teilweise umgezont werden, damit Wohnungen realisiert werden können.

Zu einem anderen Schluss als der Horwer Gemeinderat kommt jedoch eine Studie der Hoch­schule Luzern für Wirtschaft. Diese wurde für den Bericht zur Tourismusentwicklung im Auftrag der Gemeinde erstellt. Die Studienverfasser empfehlen dem Gemeinderat, die Tourismuszonen zu belassen und aktiv eine Hotelnutzung anzustreben. Dafür soll eine Task-Force Tourismus gegründet werden, die sich um die Investorensuche oder die Vermarktung kümmert.

Tourismus: Gemeinderat strebt kein Wachstum an

Verkennt der Gemeinderat das Potenzial des Tourismus? Thomas Zemp sieht das anders: «Mit der baulichen Entwicklung in Luzern Süd und dem damit verbundenen Bevölkerungswachstum wird der Nutzungsdruck auf das Naherholungsgebiet weiter steigen.» Eine Positionierung der Gemeinde als Tourismusdestination mache daher wenig Sinn – zumal der Markt für Hotels derzeit schwierig sei.


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