Seltener Chindsgi-Start im Februar

BILDUNG ⋅ Mit der Einführung des Zweijahreskindergartens und der Basisstufe können Kinder auch unter dem Jahr mit dem Kindergarten beginnen. Jetzt zeigt sich: Nur rund drei Prozent nutzen das Angebot.
11. November 2017, 08:01

Roseline Troxler

roseline.troxler@luzernerzeitung.ch

Die GLP-Kantonsrätin Claudia Huser Barmettler (Luzern) übt Kritik am halbjährlichen Kindergarteneintritt. Sie fordert die ­Regierung in einem Postulat auf, die Erfahrungen, die mit dem halbjährlichen Eintritt gemacht wurden, zu untersuchen und «das Obligatorium dieses Angebots gegebenenfalls anzupassen». Auf Anfrage führt sie aus: «Ich habe Bedenken, dass Eltern ein Kind teils ab Februar in den Kindergarten schicken, um einen teuren Platz in einer Kindertagesstätte oder einer Spielgruppe zu sparen.» Würden Kinder zu früh in frische Strukturen eingegliedert, könnte dies ein schlechter Start der Schulkarriere zur Folge haben.

Zur Erinnerung: Seit dem letzten Schuljahr müssen alle Luzerner Gemeinden entweder den Zweijahreskindergarten oder die Basisstufe anbieten. 15 Luzerner Schulen setzen auf die Basisstufe, 55 auf den Zweijahreskindergarten. 12 Gemeinden haben ­sowohl die Basisstufe wie auch den Zweijahreskindergarten. Die ­Basisstufe verbindet den Kindergarten und die ersten zwei Jahre der Primarschule. Beim zweijährigen Kindergarten ist der Eintritt für Kinder, die bis zum 31. Juli 5 Jahre alt werden, Pflicht. Bei einer gewissen Reife können Kinder aber bereits ein Jahr früher ein zweites, freiwilliges Kindergartenjahr absolvieren.

Aktuell besuchen 6322 Kinder den Kindergarten, 1688 Kinder sind derzeit in der Basisstufe. Mit der Einführung des Zwei­jahreskindergartens ist auch ein halbjährlicher Eintritt möglich. Dies ist in der Verordnung zum Gesetz über die Volksschul­bildung so festgeschrieben. Im Schuljahr 2016/2017 sind 196 Kinder unter dem Jahr in den Kindergarten eingetreten, bei der Basisstufe waren es 45. Der Anteil der Eintritte ins zweite Semester liegt damit bei rund 3 Prozent.

Grosser Entwicklungsschritt in einem halben Jahr

Charles Vincent, Leiter der Dienststelle Volksschulbildung, äussert sich aufgrund des noch nicht beantworteten Vorstosses nicht zum Thema. Im vergangenen Juni betonte er gegenüber unserer Zeitung die Vorteile des halbjährlichen Eintritts: «Der Eintritt ins zweite Semester ist für ­einige eine sinnvolle Lösung, weil ein Kind in einem halben Jahr eine grosse Entwicklung machen kann.» Für Claudia Huser hingegen kann der Eintritt unter dem Jahr nicht nur Kinder, sondern auch Gemeinden vor Schwierigkeiten stellen: «Mehrere Gemeinden äussern Probleme, weil sie Plätze für die Eintritte im Februar frei halten müssen.» Dies führt zu Planungsunsicherheit und zu ­höheren Kosten, «weil die Kindergartenklassen im ersten Schuljahressemester nicht voll ausgelastet werden können», schreibt die Kantonsrätin in ihrem Postulat.

Dass der Eintritt im Februar den Gemeinden hohe Kosten verursachen soll, kann Charles Vincent nicht nachvollziehen. So sagte er im Juni: «Aktuell betrifft der Eintritt im Februar deutlich weniger als ein Kind pro Kindergartenklasse.» Und in praktisch allen Kindergartenklassen hätten weitere Kinder Platz bei einem Eintritt im Februar, so Vincent.

Claudia Huser Barmettler hat bereits im September 2015 eine Anfrage zum Thema Halbjahreseintritt eingereicht. Damals hiess es, dass noch keine generellen Aussagen gemacht werden können, weil das Angebot damals noch nicht flächendeckend eingeführt worden war.


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