Katharina Thalmann sucht die Philosophie der Musik

DIPLOMFEIER ⋅ Gerade hat Katharina Thalmann an der Hochschule Luzern ihr Masterstudium in Musik abgeschlossen. Wo es beruflich hingeht, ist ihr noch nicht klar. Aber an Möglichkeiten fehlt es, und fehlte es, ihr nie.
08. September 2017, 07:18

Natalie Ehrenzweig

kanton@luzernerzeitung.ch

Wer Musik studiert, möchte wohl berühmter Musiker werden. Das nimmt man wohl an. Bei Katharina Thalmann (24) ist das anders: «Ich habe zwar schon seit ich fünf Jahre alt war Musik in meinem Leben. Habe Klavier gespielt, am Alpenquai im Musical Fever mitgemacht. Aber nachdem ich den Klavier-Bachelor gemacht habe, wusste ich, dass ich nicht als Pianistin den Master machen will. Ich bin musikalisch sehr breit interessiert. Die reine Tätigkeit als Instrumentalistin wäre für mich zu sehr eine Monokultur», erklärt die Luzernerin, die soeben in Musiktheorie abgeschlossen hat.

Wenn die junge Frau über ihr Master-Fach spricht, gerät sie ins Schwärmen. Die Musiktheorie gebe es schon seit den alten Griechen, die sich mit dem Verhältnis zwischen den Tönen beschäftigt haben und die Idee der Sphärenharmonie hervorgebracht haben. «Für mich ist die Musiktheorie eine Plattform, eine Verbindung von Musik und Philosophie und ein Ausgangspunkt für die Aus­ein­andersetzung mit der Welt.»

Die Zauberflöte war der Einstieg

Die Musik-Enthusiastin, die sich ebenso für Kunst und für Sprache interessiert, hat schon als Kind den Zugang zur klassischen Musik gefunden, als sie Mozarts Zauberflöte zum ersten Mal hört. «Ich glaube, niemand hat mehr menschliche Regungen und Empathie in seine Musik gelegt als Mozart. Ich habe sogar meine Katze Pamina genannt», erinnert sie sich mit einem Lachen.

Die Luzernerin hat ihre berufliche Laufbahn nicht minutiös geplant, sondern ergreift spannende Gelegenheiten. «Nach der Matura wusste ich nicht, was ich studieren sollte und habe ein Zwischenjahr gemacht, in dem ich Klavierunterricht am Konsi hatte», sagt Thalmann. «Meine Klavierdozentin motivierte mich, die Aufnahmeprüfung für die Hochschule zu versuchen.»

Inspiration in Wien

Praktisch durch Zufall kam die 24-Jährige auch zum Thema ihrer Master-Arbeit. «Ich habe ein Jahr in Wien verbracht. Dort habe ich die Wohnung vom Komponisten Hugo Wolf besucht, weil ich seine Lieder schon lange mochte. An der Wand hingen einige postkartengrosse Aquarelle. Das hat mich auf die Idee für meine Arbeit gebracht», sagt sie rückblickend. «Ich wollte 53 Künstler finden, die gewillt sind, jeweils ein Bild zu einem der 53 Mörike-Lieder zu schaffen. Und es ist mir gelungen», freut sie sich. «Im zweiten Teil habe ich ein Modell der Wohnung nachgebaut und die Räume verschieden bestückt», erklärt Thalmann. «Zum Beispiel mit Reproduktionen der Bilder und mit einer Playlist.»

Was sie beruflich aus dem Musiktheorie-Studium machen will, ist ihr noch nicht ganz klar. «Erst geh ich Ende September für ein Jahr nach Oxford und studiere dort Musikwissenschaft weiter. Denn während meines Aufenthalts in Wien habe ich gemerkt, dass mich auch die Forschung interessiert.» Musiktheorie, Forschung: Das mag auf den ersten Blick trocken wirken. Doch: «All dieses Wissen bereichert ein Hörerlebnis sehr. Analyse hat auch sehr viel mit Emotionen zu tun. Neue Musik will neue Klangsprachen entwickeln. Und wenn zum Beispiel im KKL 2000 Menschen miteinander ein Konzert hören, teilen sie in dem Moment diese Sprache. Das ist der totale Frieden», bringt es Katharina Thalmann auf den Punkt.


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