So soll das Velo für alle im Kanton Luzern attraktiver werden

VERKEHR ⋅ Das Freigleis zwischen Luzern und Kriens dient zwei Luzerner Verbänden als Vorbild für weitere «Velobahnen» im Kanton. Sie wollen das Velonetz massiv ausbauen. Schützenhilfe erhalten die Organisationen von zwei Stadtluzerner Parteien.
12. September 2017, 05:00

Roseline Troxler

roseline.troxler@luzernerzeitung.ch

Auf dem «Freigleis» können Velofahrer oder Fussgänger ohne Sorgen vor Lastwagen und Autos von Luzern nach Kriens gelangen. Pro Velo Luzern und dem Verkehrs-Club der Schweiz (VCS) schweben weitere derartige Velobahnen vor. Sie haben gestern die Vision Velonetz Luzern präsentiert. Unter Velobahnen verstehen sie autofreie Strassen, auf welchen Velos Vortritt haben und das Überholen durch E-Bikes möglich ist, erklärt der Luzerner VCS-Geschäftsleiter Elias Vogler.

Die geforderten Velobahnen sollen gar einen Schritt weiter gehen als das Freigleis, wo das Velo teils mit Autos kreuzen muss. «Velos und E-Bikes fristen heute noch ein Dasein am Rande. Wir wollen mit unserer Vision ein Umdenken anstossen», so Vogler.

«Konzept des Kantons geht nicht genug weit»

Die Vision Velonetz sieht drei Velobahnen vor: eine von Luzern via Sursee nach Zofingen, eine von Luzern über Ebikon nach Rotkreuz und Zug und eine dritte von Luzern über Horw nach Stans und Beckenried (siehe Grafik). Die Strecken können, müssen laut Vogler aber nicht zwingend parallel zur Strasse geführt werden. Für die Querverbindungen soll es zusätzliche Velostrassen geben, wo eine geringe Zahl an Autos akzeptiert wird.

Der Kanton Luzern will die Veloverbindungen mit einem Radroutenkonzept ausbauen. Laut Vogler wird dieses aus Spargründen aber zu langsam umgesetzt. Und er betont: «Das Konzept geht nicht genug weit, weil es auf den Grundlagen der 1990er-Jahre beruht, als es noch keine E-Bikes gab.»

Vogler ist sich bewusst, dass die Umsetzung der Vision ein langer politischer Prozess ist. Der Fokus liegt denn auch zunächst auf der Stadt Luzern. In Absprache mit dem VCS Luzern und Pro Velo Luzern haben die Grünen und die SP der Stadt Luzern gestern eine Motion eingereicht. Sie fordern den Stadtrat auf, eine Strategie zur Infrastruktur der Veloachsen zu formulieren. Weiter soll der Stadtrat dem städtischen Parlament in einem Planungskredit aufzeigen, wie die Massnahmen umgesetzt werden sollen.

Nach kleinen Schritten ein grosser Wurf

Korintha Bärtsch, grüne Grossstadträtin und Co-Präsidentin von Pro Velo, sagt: «Die Stadt Luzern will bis 2035 den Anteil des Veloverkehrs auf 10 Prozent erhöhen. Dies ist nur möglich, wenn das Velo als attraktives Verkehrsmittel definiert wird und auch Luzerner aufs Velo steigen, die heute noch Respekt vor dem Velofahren haben.» Die Stadt mache immer wieder «kleine Schritte in die richtige Richtung». Doch laut Bärtsch braucht es nun einen grösseren Wurf. In der Stadt Luzern haben für sie die «gefährliche Achse von Ebikon nach Luzern», das Gebiet rund um den Luzerner Bahnhof und die Fortführung des Freigleises vom Neubad bis zum Bahnhof Priorität. Gelinge eine Erhöhung des Veloverkehrs auf 10 Prozent, braucht es laut Bärtsch auch einen Ausbau der Strecken Luzern–Kriens und Luzern–Emmen.

Eingereicht wurde auch ein Postulat. Darin fordern Grüne und SP «einen koordinierten Ausbau von Veloachsen zwischen den Nachbargemeinden in die Stadt». Die Postulanten verlangen die Zusammenarbeit mit Ebikon, Emmen, Horw und Kriens.

Hinweis

Weitere Informationen zur Vision Velonetz unter: vcs-lu.ch


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