Grüne zeigen: So viel Platz braucht die Spange Nord

STADT LUZERN ⋅ Kurz vor der Debatte im Kantonsrat über die Planung des Strassenbauprojektes gelangen die Grünen mit provokantem Bildmaterial an die Öffentlichkeit. Der Kanton bestätigt: Die Dimensionen stimmen.
Aktualisiert: 
12.04.2018, 19:00
12. April 2018, 12:02

Christian Glaus
christian.glaus@luzernerzeitung.ch

Viel Beton, kaum Bäume: Visualisierungen der Grünen, welche das Strassenbauprojekt Spange Nord in Luzern zeigen, wirken schockierend. Die Farbe grau dominiert, breite Strassen ziehen sich vom Autobahnanschluss Lochhof bis zum Schlossberg. Gemäss der Darstellung müssten die Bäume weichen und einer Art Autobahn Platz machen. Auch der Pausenplatz des Maihof-Schulhauses müsste verkleinert werden.

Pure Provokation? Der Grüne Kantonsrat Urban Frye verneint auf Anfrage unserer Zeitung: «Dass wir die Visualisierungen veröffentlichen, ist noch keine Provokation. Aber das Resultat ist provozierend.» Frye betont, man habe sich bei den Visualisierungen an die öffentlich zugänglichen Planungsunterlagen des Kantons gehalten. «Wir wollen die Bevölkerung informieren, worum es wirklich geht. Wir haben nur die Pläne des Kantons in die Bilder eingesetzt.»

Kantonsrat entscheidet über 6,5 Millionen für Planung

Dass die Grünen das Bildmaterial jetzt veröffentlichen, ist kein Zufall. Anfang Mai wird der Kantonsrat über einen Planungskredit von 6,5 Millionen Franken für die Spange Nord entscheiden. «Bis jetzt hat der Kanton sehr beschönigend informiert», sagt Frye. «Wir wollen, dass sich die Bevölkerung und vor allem die Kantonsräte ein Bild davon machen können, was die Spange Nord für die Stadt Luzern bedeutet.» Die Visualisierungen wurden laut Urban Frye von einem Grafikbüro erstellt. Zu den Kosten macht er keine Angaben.

So soll sich die Lage am Schlossberg verändern. (© Visualisierung: Grüne Kanton Luzern)

So soll sich die Lage am Schlossberg verändern.

Die Dimensionen des Strassenbauprojekts würden von den Grünen korrekt dargestellt, sagt Mirija Weber, Kommunikationsverantwortliche beim Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartement. Aber: «Die Massnahmen, die zur Gestaltung des Strassenraums und der angrenzenden Bereiche geplant sind, zeigen sie nicht.» So würden etwa Begrünungen oder die Neugestaltung beim Pausenplatz des Maihof-Schulhauses nicht dargestellt.

Weber betont, dass die Visualisierungen kein Gesamtbild der künftigen Gestaltung des Strassenraums zeigen. «Unsere bisherigen städtebaulichen und gestalterischen Überlegungen werden in der nächsten Projektphase vertieft. In den Visualisierungen werden diese ausgeblendet.» Unbestritten sei aber, dass die vom Projekt betroffenen Quartiere künftig stärker belastet seien. Dafür werde das Zentrum markant entlastet und der öffentliche Verkehr substanziell gefördert.

Das Luegisland-Quartier in Blickrichtung Stadt. (© Visualisierung: Grüne Kanton Luzern)

Das Luegisland-Quartier in Blickrichtung Stadt.

Der Luzerner Stadtrat Adrian Borgula (Grüne) findet, «die Visualisierungen zeigen, dass das Bauwerk einen sehr massiven Einfluss auf das Stadtbild und die Quartiere hat. Dies kritisiert auch der Stadtrat.» Dass die Offensive der Grünen einen Einfluss auf die Debatte im Kantonsrat hat, bezweifelt er: «Jene Kantonsrätinnen und -räte, die in der Kommission Verkehr und Bau sitzen, sind sich gewohnt, Pläne zu lesen.» Und wer sich mit dem Thema befasse, werde Verständnis dafür haben, dass die Stadt in Wohnquartieren keine drei- bis vierspurige offene Strasse mit 28'000 Fahrzeugen pro Tag akzeptiere.


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