Sparmassnahmen treffen auch die Kirche

MOTION ⋅ Die Angestellten der römisch-katholischen Landeskirche müssen künftig länger arbeiten. Eine Motion, die eine Anpassung des Personalrechts forderte, war chancenlos.
19. Mai 2017, 07:12

Statt 42 Stunden müssen die Mitarbeiter der römisch-katholischen Landeskirche künftig 43,25 Stunden pro Woche arbeiten. Dies hat die Synode, das Parlament der Landeskirche, am Mittwoch entschieden, indem sie die Änderung der Besoldungsordnung mit 50 zu 31 Stimmen gutgeheissen hat. Deutlich abgelehnt wurde hingegen eine Motion, die forderte, die Arbeitszeit bei 42 Stunden zu belassen (wir berichteten am 12. Mai).

Grund für die Erhöhung der Arbeitszeit ist das Personalrecht des Kantons Luzern, das auch für die römisch-katholische Landeskirche gilt. Das Recht wurde aufgrund der Sparmassnahmen des Kantons angepasst. Die Synode hat nun beschlossen, diese Massnahmen zu übernehmen – jedoch mit Einschränkungen.

Synodalverwalter Edi Wigger sagt auf Anfrage: «Die Übernahme der Massnahmen ist auch ein Zeichen der Solidarität gegenüber den Kantonsangestellten.» Er betont aber, dass der Synodalrat, die Exekutive der Landeskirche, «Akzente gesetzt und die Sparmassnahmen abgefedert» habe. So sollen der Leodegarstag und der Morgen vom 24. Dezember arbeitsfrei bleiben. «Als kirchliche Organisation sind uns diese beiden Feiertage wichtig», begründet Wigger. Zudem werden die Massnahmen erst 2018 umgesetzt und nicht schon per Sommer 2017. «Auf keinen Fall dürfen die Entscheide als mangelnde Wertschätzung gegenüber dem Personal betrachtet werden.» Doch weshalb will die Landeskirche ihr Personal weiter nach kantonalem Personalrecht anstellen? «Die Landeskirche ist mit nur rund 20 Angestellten zu klein für ein eigenes Personalrecht», so Wigger. Es handle sich um ein komplexes Regelwerk.

Motionär zeigt sich enttäuscht über Entscheid

Eugen Koller, Fraktion Luzern, einer von 19 Synodalen, welche die Motion unterzeichnet haben, sagt zum Entscheid: «Ich bin enttäuscht. Die römisch-katholische Landeskirche muss derzeit nicht extrem sparen, und damit fällt der Hauptgrund für die Erhöhung der Arbeitszeit weg.» Das Parlament der Landeskirche sei nicht bereit gewesen, ein Zeichen zu setzen. «Die Erhöhung der Arbeitszeit zeugt nicht von Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern. Faktisch handelt es sich um eine Lohnkürzung.» Dankbar ist Koller, dass es bei den Feiertagen ­einen Kompromiss gegeben habe. Auch wenn es sich um eine Minimallösung handle. Koller ist überzeugt, dass der Synodalrat trotz Personalrecht des Kantons die Beibehaltung der Arbeitszeit hätte festschreiben können – etwa über eine Verordnung. Er kritisiert ausserdem, dass die Anpassung der Besoldungsordnung und die Motion separat behandelt wurden. «Als Päckli hätte unser Anliegen Chancen gehabt.»

Der Entscheid der Synode, die Sparmassnahmen teilweise zu übernehmen, wird wohl für weit mehr Personen als die gut 20 Mitarbeiter der Landeskirche Konsequenzen haben. Denn die grosse Mehrheit der 85 Kirchgemeinden im Kanton Luzern stützt sich ebenfalls auf das kantonale Personalrecht. «Somit dürfte das Sparpaket des Kantons auch mehrere hundert Angestellte der Kirchgemeinden im Kanton Luzern treffen», meint Wigger. Die Kirchgemeinden seien in dieser Frage aber autonom. Bei weiteren Abweichungen brauche es ­einen Beschluss der Stimmberechtigten. Eugen Koller sagt dazu: «Mit der Änderung der Besoldungsordnung werden somit auch unsere Seelsorger schlechtergestellt.»

Nicht nur die römisch-katholische Landeskirche stützt sich auf das Personalrecht des Kantons. Roland Haas, Leiter der Dienststelle Personal, sagt: «Die Gemeinden, viele Verbände, aber auch Institutionen wie das Luzerner Kantonsspital, die Hochschule Luzern, die Pädagogische Hochschule Luzern, die Uni Luzern oder die Luzerner Psychiatrie wenden das kantonale Personalgesetz an.» Einige Organisationen kennen allerdings Ausnahmen, die meist in einem Reglement oder einer Verordnung festgehalten werden. Laut Haas sind nebst den 6000 Kantonsangestellten weitere mehrere tausend Personen nach dem kantonalen Personalrecht angestellt.

Neue Synodalrätin gewählt

An der Synode vom Mittwoch gab es einen Wechsel in der Exeku­tive. So wurde Brigitte Glur-Schüpfer (53) als neue Synodalrätin gewählt. Sie lebt mit ihrem Ehemann und ihrem Sohn in Meggen. Glur tritt die Nachfolge von Simone Rüd (Luzern) an, die nach sechsjähriger Tätigkeit zurückgetreten ist.

 

Roseline Troxler

roseline.troxler@luzernerzeitung.ch


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