Stadtrat sucht Weg aus Parkplatz-Misere

CARPARKIERUNG ⋅ Der Stadtrat hat eine weitere Studie zur Lösung der Carparkplatz- Problematik in Auftrag gegeben. Sie kostet 50000 Franken – und soll auch alte Ideen neu bewerten.
Aktualisiert: 
05.12.2017, 20:00
05. Dezember 2017, 11:48

Hugo Bischof

hugo.bischof@luzernerzeitung.ch

Luzerns Stadtrat hat eine neue externe Konzeptstudie in Auftrag gegeben. «Sie soll vorhandene und neue Lösungsvorschläge zur Entlastung der Innenstadt vom Reisebusverkehr darstellen und werten.» Dies teilte der Stadtrat gestern mit. Beauftragt mit der Studie wurde Professor Ueli Haefeli von der Firma Interface Politikstudien Forschung Beratung. Haefeli wird zusätzlich vier externe Experten aus den Bereichen Verkehrsplanung, Stadtplanung und Stadtentwicklung beiziehen.

«Mit der Studie wollen wir uns einen Überblick über die bestehenden Projekte und neue Ideen zur Carparkierung verschaffen», sagt Luzerns Stadtpräsident Beat Züsli (SP). Dabei handelt es sich insbesondere um das Projekt Parkhaus Musegg, das Projekt Metro sowie die Idee eines unterirdischen Parkhauses im Bereich Schweizerhofquai. Weitere Ideen wie beispielsweise die Überdachung des Güterbahnhofs Luzerns sollen ebenfalls einfliessen. Auch dezentrale Lösungsansätze wie eine Parkierung im Bereich Allmend sollen bewertet werden.

Musegg-Initiative im September 2018 vors Volk

Für den Stadtrat ist es wichtig, dass die Studie von neutralen Experten erstellt wird, die nicht in die bestehenden Projekte zur Lösung der Carproblematik involviert waren. «Sie sollen die Thematik aus einer unabhängigen Warte angehen», sagt Züsli. «So können wir den Eindruck von Voreingenommenheit vermeiden.» Die externe Studie wird 50000 Franken kosten. Gemäss Züsli stehen für Planungsmassnahmen im Innenstadtbereich total 100000 Franken zur Verfügung: «50000 Franken fliessen in eine Studie zur Aufwertung der Innenstadt. Das restliche Geld setzen wir jetzt für die neue Carparkierungsstudie ein.»

Die neue Studie erfolgt auch im Zusammenhang mit der Initiative «Aufwertung der Innenstadt, kein Diskussionsverbot – Parkhaus Musegg vors Volk». Sie wurde im Mai von CVP, FDP und SVP, der City-Vereinigung, dem städtischen Wirtschaftsverband sowie von Vertretern des Tourismus eingereicht und verlangt eine Wiederaufnahme der vom Parlament beendeten Diskussion um ein Parkhaus im Musegg­hügel. Der Stadtrat erarbeitet dazu einen Gegenvorschlag. «Die Studie wird uns dafür wertvolle Inputs liefern», sagt Beat Züsli. Die Initiative und allenfalls der Gegenvorschlag sollen im September 2018 zur Volksabstimmung gelangen.

Eine zentrale Frage lautet: Braucht es zur Lösung der Carparkplatz-Probleme überhaupt ein zusätzliches Parkhaus? «Wir gehen davon aus, dass die Carparkierung langfristig ein wichtiges Thema bleibt», sagt dazu der Stadtpräsident. «Wollen wir eine zentrale Lösung, zum Beispiel ein unterirdisches Parkhaus in der Innenstadt, oder eine dezentrale Lösung mit mehreren Stand­orten, etwa auf der Allmend mit Anbindung an die S-Bahn? Dazu erhoffen wir uns von der neuen Studie Hinweise.» Eine abschliessende Antwort erwartet Züsli nicht: «Aber wir gehen davon aus, dass die Anzahl realistischer Varianten danach überschaubarer sein wird.»

Es gelte auch, die Qualität des Cartourismus zu beurteilen, teilte der Stadtrat gestern mit. Objektiv betrachtet spiele der Carverkehr in Bezug auf die innerstädtische Verkehrsbelastung eine untergeordnete Rolle: «Als Belastung wird aber die Massierung am Schwanen- und am Löwenplatz wahrgenommen.» Hier gelte es, auf die im Moment noch ungelösten Fragen rund um die Zwischenparkierung der Reisebusse Antworten zu finden.

Braucht es die neue Studie überhaupt?

Doch baucht es die neue Studie überhaupt? Zur Carparkierung in Luzern sind bereits viele Studien und Gutachten erstellt worden. Verliert der Stadtrat nicht langsam den Überblick? «Die einzelnen Lösungsvorschläge befinden sich in unterschiedlichen Planungs- und Konkretisierungsphasen», sagt Beat Züsli, «beim einen wissen wir mehr, beim anderen weniger. Das Parkhaus Musegg ist ein konkretes Projekt, die unterirdische Carparkierung beim Schweizerhofquai erst eine Idee, bei der jedoch durch die Initianten auch schon diverse Abklärungen gemacht wurden.» Die neue Studie soll «die einzelnen Vorschläge nach einheitlichen Kriterien vergleichen», so Züsli.

Zu reden gab in den letzten Tagen auch der Vorwurf, der Stadtrat halte eine neue, von der Kantonalen Denkmalpflege beauftragte Studie zum Projekt Parkhaus Musegg unter Verschluss (Ausgabe vom 2. Dezember). Wegen der hängigen politischen Vorstösse kann Züsli dazu konkret keine Stellung nehmen. Er betont aber: «Wir hatten im Zusammenhang mit dem Parkhaus Musegg nie die Absicht, etwas zu verstecken.»

Die städtische FDP hat auf die Mitteilung des Stadtrats bereits reagiert. Sie begrüsst es, dass dieser eine externe Studie in Auftrag gegeben hat, und hofft, «dass die unabhängigen Planer den Stadtrat wieder auf die fachlich richtige Musegg-Lösung bringen». Neutrale Gutachten seien bis jetzt stets zu Gunsten des Parkhauses Musegg ausgefallen. Nur dieses könne «die Innenstadt mittel- bis langfristig nachhaltig vom Carverkehr entlasten und den Schwanenplatz von Bussen befreien», so die FDP.


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