Stadtrat über leere Villen: «Bei privaten Liegenschaften sind Einflussmöglichkeiten gering»

LUZERN ⋅ An der Obergrundstrasse in Luzern wurden im April 2016 und 2017 Villen besetzt. Die Besetzer forderten mehr Freiräume und warfen der Eigentümerin vor, die Villen zerfallen zu lassen. Nun meldet sich der Luzerner Stadtrat zum aktuellen Stand der Bauprojekte der beiden Liegenschaften zu Wort.
Aktualisiert: 
18.05.2017, 16:00
16. Mai 2017, 16:00

Zu den beiden leerstehenden Villen an der Obergrundstrasse reichte die SP/Juso-Fraktion im November 2016 eine Interpellation ein. Sie wollte vom Stadtrat wissen, welche Bauvorhaben auf den Parzellen geplant sind.

In der nun publizierten Antwort des Stadtrats steht, dass die Stadt seit Anfang 2014 mit der Bodum Invest AG und deren Vertretern Kontakt habe, um eine bauliche Entwicklung der Gebäude anzustreben. Die letzten Gespräche hätten im Januar 2017 stattgefunden. 

Für die Villa an der Obergrundstrasse 101 liegt seit September 2016 ein bewilligtes Umbauprojekt vor. Das Projekt sieht die Umnutzung der Villa zum «Bodum Design und Service Center» vor. Für die Liegenschaft an der Obergrundstrasse 99 laufe die Planung für einen Neubau. Es sei ein reines Wohngebäude geplant.

Das Projekt an der Obergrundstrasse 99 wurde mehrfach von der Stadtbaukommission begutachtet, zuletzt Ende März 2017. Es liege jedoch kein baueingabereifes Projekt vor. Dieses müsse zunächst in einem qualitätssichernden Konkurrenzverfahren ermittelt werden. Zurzeit werde eine Machbarkeitsstudie erarbeitet, welche die Basis dafür bilden soll. Die Besitzerin strebe eine gemeinsame Realisierung der beiden Projekte an.

Nummer 101 wird geschäftlich genutzt

«Die Bodum Invest AG hat lange keinen Aufwand gescheut, um Projekte für eine Wohnbaute zu entwickeln und anzupassen; sie hat sich gegenüber den immer neuen und zusätzlichen Anforderungen der Stadt Luzern flexibel gezeigt. Im Rahmen der letzten Kontakte sind nun seitens der Stadt Luzern Bedingungen gestellt worden, die die Gespräche leider blockiert haben.»

Gegenüber der «Wochenzeitung» liess der Anwalt von Bodum letzte Woche durchblicken, dass der Eigentümer jedoch anderes im Sinn hat. Es sehe so aus, als könne auf der Liegenschaft Obergrundstrasse 99 vorerst kein Projekt realisiert werden. Gemäss Berichten der «Wochenzeitung» werde auch das grössere Nachbarhaus mit der Nummer 101 nach der Renovation nicht selbst genutzt, sondern als Wohnhaus vermietet. «Das ist Spekulation. In der Baubewilligung ist eine geschäftliche Nutzung vorgesehen, eine Nutzung als Wohngebäude bedürfte einer Änderung der Baubewilligung», so Bodums Anwalt auf Anfrage am Donnerstag.

Der Stadtrat schreibt in der Antwort auf die SP/Juso-Interpellation, dass man sich eine zügige bauliche Entwicklung wünsche, diese jedoch einer seriösen Planung bedarf. Ob und wann die Bauvorhaben umgesetzt werden, liege im Entscheid der Eigentümerin. Die Situation scheint somit weiterhin undurchsichtig. 

Gemäss der Aussage von Bodums Anwalt habe die Bodum Invest AG lange keinen Aufwand gescheut, um Projekte für eine Wohnbaute zu entwickeln und anzupassen. Sie habe sich gegenüber den immer neuen und zusätzlichen Anforderungen der Stadt Luzern flexibel gezeigt. «Im Rahmen der letzten Kontakte sind nun seitens der Stadt Luzern Bedingungen gestellt worden, die die Gespräche leider blockiert haben», so Bodums Anwalt am Donnerstag gegenüber dieser Zeitung.

Handeln nur bei eigenen Liegenschaften möglich

Die SP/Juso-Fraktion wollte vom Stadtrat in der Interpellation weiter wissen, welche Mittel er zur Verfügung hat, um das Leerstehen von Häusern zu verhindern. In der Antwort wird ausgeführt, dass die Stadt kein Verzeichnis von leer stehenden Häusern habe, es sich jedoch um Einzelfälle handle.

Der Stadtrat unterstütze die Zwischennutzung von leeren Gebäuden, handeln könne man jedoch nur bei eigenen Liegenschaften: «Bei privaten Liegenschaften sind die Einflussmöglichkeiten gering». Hier könne man nur beratend und unterstützend wirken. Der Stadtrat sei überzeugt, dass «Zwischennutzungen mit Kontrollen und Sanktionen nicht gefördert werden können». Erfolgsversprechender sei es weiterhin, mit den Eigentümern in den Dialog zu treten. Dies scheint im vorliegenden Fall nicht funktioniert zu haben.

zfo/nop


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