Wegen Landschaftsschutzzone: Keine Lager mehr auf Baldegger Wiese

HOCHDORF ⋅ Seit 19 Jahren führt Roland Weingartner auf seiner Wiese in Baldegg ein einwöchiges Zeltlager für Familien aus dem Ort durch. Damit ist nun Schluss – weil der Kanton kein Auge mehr zudrückt.
10. August 2017, 05:00

Alexander von Däniken

alexander.vondaeniken@ luzernerzeitung.ch

Es ist die sprichwörtliche Landidylle: Der Hof von Roland Weingartner etwas nördlich des Ortskerns Baldegg liegt mitten im Grünen, zwischen Baldeggersee und dem Gölpiwäldli. Diese Idylle will Weingartner mit anderen teilen: Seit 19 Jahren stellte er seine Wiese darum Familien aus der Region für ein einwöchiges Zeltlager zur Verfügung. «Es geht darum, den Kindern die Natur näherzubringen», sagt Weingartner. Diesen Sommer weilten 13 befreundete Familien auf der Wiese, genossen die Natur, den Wald, den See.

Vergangenes Wochenende wurden die Zelte abgebaut. Dieses Mal wohl für immer. Grund: ein Hinweis von einer Privat­person an die Adresse der kantonalen Dienststelle für Landwirtschaft und Wald. Weingartners Hof befindet sich in der Landschaftsschutzzone. Darin ist das Campieren mit Zelten oder Wohn­wagen verboten. Aus­nahmen können gemäss der «Verordnung zum Schutz des Baldegger- und des Hallwilersees sowie deren Ufer» nur bei «ausserordentlichen Verhältnissen» bewilligt werden. Die Dienststelle drückte für dieses Mal noch ein Auge zu, hat laut Weingartner aber angekündigt, sich im Wiederholungsfall eine Anzeige vorzubehalten, sollte er ohne Bewilligung wieder ein Zeltlager durchführen.

Auf Goodwill aus Bevölkerung gehofft

Die Schutzzone war und ist Roland Weingartner bekannt, die Verordnung kennt er aber nicht im Detail, weil er nicht mehr landwirtschaftlich tätig ist. Denn im Grunde handelt es sich um eine reguläre Landwirtschaftszone. Trotzdem konnte er sich bis jetzt auf den Grundsatz verlassen: wo kein Kläger, da kein Richter. «Auch rechneten wir – aus organisatorischen Gründen haben enge Freunde und ich einen Verein gegründet – mit dem Goodwill aus der Bevölkerung», sagt Weingartner. Schliesslich stünden die Zelte nur während einer Woche im Jahr und würden nur von Familien aus der nahen Umgebung genutzt. Auch die Infrastruktur beschränke sich aufs Nötigste: eine provisorische Küche in Weingartners Schopf, ein WC-Wagen, eine kleine Wasserrutsche.

Dass der Kanton nun durchgreift, kann Weingartner zwar nachvollziehen. «Trotzdem ärgert es mich, dass wegen einer Privatperson ein Anlass im kleinen Rahmen verunmöglicht wird.» Zumal er die Wiese den Familien gratis zur Verfügung stellt. Wer diese Person ist, weiss er nicht.

Peter Ulmann, Leiter der Abteilung Natur, Jagd und Fischerei, bestätigt auf Anfrage den Vorfall: «Sofern ein Lager innerhalb einer Schutzzone durchgeführt wird, muss zunächst ein Gesuch gestellt und müssen die Gründe dargelegt werden, warum das Lager nicht ausserhalb der Schutzzone durchgeführt werden kann.» Das gelte für alle Arten des Campierens, bis hin zum Pfadilager, welches Weingartner auch schon beherbergte.

Ulmann dämpft auch Weingartners Hoffnung, die Wiese nächstes Jahr doch wieder für das Lager zur Verfügung stellen zu können: «Das Campierverbot beim Baldegger- und Hallwilersee bezweckt, die Natur und Landschaft rund um den Baldeggersee bestmöglich zu erhalten. In erster Linie müsste Herr Weingartner Standorte ausserhalb der Schutzzone prüfen.» Roland Weingartner reagiert mit Unverständnis: «Das ist unverhältnismässig. Denn dann müssten wir sämtliche vorhandene Infrastruktur wie Abwassertank, WC-Wagen, Küchenmaterial, Bänke und Tische, zusätzlich eine Küche, ein Gemeinschaftszelt zum Essen und noch viele weitere Materialien mit zig Traktorfahrten an den alternativen Standort transportieren.» Das sei dann vielleicht im Sinne des Gesetzes, mache aber ökologisch keinen Sinn.


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