Sturm Burglind verursacht Millionenschäden

ZENTRALSCHWEIZ ⋅ Der Wintersturm Burglind hat gestern auch in unserer Region gewütet: Er sorgte unter anderem für Stromausfälle, Verkehrsbehinderungen und so manchen Dachschaden. Bei der Luzerner Polizei gingen nicht weniger als 270 Meldungen ein.
03. Januar 2018, 21:23

Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch

An ihrem ersten Arbeitstag im neuen Jahr haben gestern viele Leute starke Nerven gebraucht. Strassen und Schienennetze waren teilweise unterbrochen oder es kam zu Verzögerungen. Der Wintersturm Burglind fegte mit 80 bis 130 Kilometern pro Stunde über die Niederungen der Alpennordseite hinweg. Am stärksten wehte der Wind laut Meteo Schweiz auf dem Gütsch ob Andermatt, wo eine Böenspitze von 200 Stundenkilometern registriert wurde. Auf dem Pilatus herrschten ähnliche Bedingungen: Die hier gemessenen 195 Stundenkilometer bedeuten für den Luzerner Hausberg Rekord.

Die heftigen Winde richteten vielerorts grosse Schäden an. «Innert kürzester Zeit gingen bei der Luzerner Polizei rund 270 Schadensmeldungen ein. Dabei handelt es sich oft um Ereignisse mit umgestürzten Bäumen. So war die Autobahn A2 bei Neuenkirch in Fahrtrichtung Süden aufgrund eines Baumes vorübergehend gesperrt, und auch der Reussporttunnel war kurzzeitig nicht befahrbar», fasst Kurt Graf, Mediensprecher der Luzerner Polizei, zusammen. Auch etliche Gebäude wurden beschädigt: So wurden etwa mehrere Dächer von Häusern und Scheunen abgedeckt. Auch stürzten Baugerüste ein. Im Kanton Luzern waren 45 Feuerwehren mit insgesamt 700 Einsatzkräften im Dienst.

Umgewehte Fahrzeuge und zwei Verletzte

Die meisten Ereignisse gingen glimpflich aus. In Emmen kippte zum Beispiel ein Anhänger zur Seite, und in Eschenbach wurde ein Lieferwagen von den Windböen umgeweht. Laut Graf wurden nur zwei Vorfälle gemeldet, bei denen es zu Verletzungen kam. Eine Autofahrerin zog sich Schnittwunden im Gesicht zu, weil ihre Frontscheibe in die Brüche ging. Und eine Fussgängerin wurde von herumfliegenden Gegenständen getroffen.

Auch der öffentliche Verkehr wurde beeinträchtigt. Auf verschiedenen Linien der Verkehrsbetriebe Luzern (VBL)kam es zu Einschränkungen und Unterbrüchen. So war etwa auf der Linie 1 der Streckenabschnitt Luzernerstrasse in Kriens bis um 15 Uhr wegen eines umgestürzten Baugerüsts nicht befahrbar. Laut VBL-Sprecher Christian Bertschi konnte auch die Haltestelle Obernau nicht bedient werden, weil ein Baum auf die Fahrleitung gestürzt war. Zu Unterbrüchen kam es auch auf den Schienen. Mehrere Strecken waren vorübergehend unterbrochen. Die VBL organisierten für die SBB Bahnersatz zwischen Emmenbrücke und Sursee sowie zwischen Emmenbrücke und Eschenbach. Laut Bert­schi waren sieben Busse bis zirka 15 Uhr im Einsatz.

Die stürmischen Winde führten am Mittwochmorgen überdies zu Schäden an mehreren Freileitungen, wie die Centralschweizerische Kraftwerke AG (CKW) mitteilte. Laut Marcel Schmid, Leiter Kommunikation der CKW, waren im Entlebuch und im Luzerner Hinterland rund 6000 Personen kurzfristig ohne Strom. Mit Netzumstellungen und dem Einsatz von Notstromaggregaten sei es den rund 50 Spezialisten der CKW gelungen, bis um 17 Uhr den grössten Teil der Kunden wieder mit Elektrizität zu versorgen. Nur in Hasle, wo die Zufahrt bis gegen Abend noch versperrt war, und in einigen Weilern mussten rund 300 Leute etwas länger ohne Strom auskommen. Auch Bergbahnen wurden vom Sturm beeinträchtigt: Der Betrieb der Zahnradbahn Arth Goldau–Rigi Kulm bleibt aufgrund von Fahrleitungsbeschädigungen bis mindestens heute Donnerstagmittag eingestellt.

Der Gebäudeversicherung Luzern wurden bis am Mittwochabend rund 600 Schäden gemeldet, wie Markus Clerc, Leiter Direktionsstab, mitteilt. Gesamthaft rechnet er mit zirka 1000 Schadensmeldungen und einer Schadenssumme von 3 bis 4 Millionen Franken. Sturmschäden entstanden im ganzen Kanton Luzern, besonders betroffen waren die Gebiete Ruswil, Wolhusen und Entlebuch. Der Sturm war laut Meteorologe Urs Graf von Meteo Schweiz kurz, aber heftig. «Solche Winde kommen im Flachland vielleicht alle 10 bis 20 Jahre vor.» Die Winde sind laut Graf Geschichte. Nun folgen heftige Niederschläge. 40 bis 50 Millimeter während rund 30 Stunden. Die Schneefallgrenze steigt auf 1000 bis 2000 Meter. Immerhin: Weiter oben darf man sich auf Neuschnee freuen.

  • Sturmschäden am Bodenberg in Zell nach «Burglind». (© Leser Adi Mattli)
  • Burglind setzte oberhalb der Glaubenbergstrasse auf Obwaldnerseite einen Felsbrocken in Bewegung. Auf meiner Wanderung auf der für den Verkehr ab Langis gesperrten Glaubenbergstrasse ist mir gestern Samstag, 6.1.17 ein auf der Strasse liegender Felsbrocken aufgefallen. Dessen Abrutschspur führte zu einem umgefallenen Baum, dessen Wurzel wohl diesen Felsbrocken in Bewegung gesetzt hat. (© Leserbild Beat Murer)
  • In den Wäldern lauern im Moment grosse Gefahren durch schief stehende Bäume, lose Wurzelstöcke und Kronenteile, die jederzeit abstürzen können. (© Leserbild Ernst Fankhauser)

Sturmtief Burglind hat in der Zentralschweiz am 3. Januar 2018 heftige Schäden angerichtet.

Video: Sturmtief Burglind bläst Baugerüst in Littau um

Ein Hörervideo von Radio Pilatus zeigt, wie ein Baugerüst am 3. Januar 2018 wegen dem Sturm Burglind umgerissen wird. (Radio-Pilatus-Hörerin Sandra Geisseler, )

Video: «Burglind» fegt über die Schweiz

Der Wintersturm "Burglind", der am Mittwoch über über die Schweiz hinweggefegt ist, war laut MeteoSchweiz "stark, aber nicht extrem". Trotzdem seien solch stürmische Winde im Flachland nur alle zehn bis zwanzig Jahre zu erwarten. (SDA, 03.01.2018)

Video: So tobt der Sturm in den Zentralschweizer Bergen

Leser haben festgehalten, wie stürmisch das Wetter am Mittwoch auf dem Pilatus und auf der Melchsee-Frutt war. (Leservideos , 3.1.2017)

Das war Sturm Burglind in der Zentralschweiz

Video: Sturm Burglind wütet in Arth über den Zugersee

Der Sturm Burglind hat die Zentralschweiz fest im Griff. Unser Leser Patrik Schär hat den Zugersee aus Arth gefilmt. (Patrik Schär, )

Video: Burglind: Peitschende Sturmflut am Zugersee

Am Zugersee hat das Sturmtief Burglind am 3. Januar 2018 für eine peitschende Sturmflut gesorgt. (Christopher Gilb, 03.01.2018)


Video: So peitscht Sturm Burglind über den Urnersee

Das Leservideo von Florian Jauch (Windsurfing Urnersee) zeigt, wie der Sturm Burglind am 3. Januar 2018 über den Urnersee bläst. Der Kommentar des Filmers: «Selten so etwas gesehen! Naturgewalt pur.» (Leserreporter Florian Jauch, 04.01.2018)

Video: «Burglind» verwüstet Wald beim Bürgenstock

Der Wintersturm Burglind sorgt rund um die Höhere Fachschule Bürgenstock für Verwüstung. Die Aufnahme stammt vom Mittwoch, 3. Januar 2018 um 12.30 Uhr. (HF Bürgenstock, 04.01.2018)




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