Süsses zum Opferfest

ISLAM ⋅ Das vier Tage dauernde Opferfest ist am Montag zu Ende gegangen. Der höchste islamische Festtag wird auch in der Schweiz von gläubigen Muslimen gefeiert – wobei hierzulande keine Tiere geschlachtet werden.
Aktualisiert: 
08.09.2017, 08:00
08. September 2017, 07:38

Benno Bühlmann

redaktion@luzernerzeitung.ch

Es ist Freitag, kurz vor sechs Uhr. In der bosnischen Moschee in Emmenbrücke treffen in diesen frühen Morgenstunden gegen 300 Muslime in festlicher Kleidung ein. Sie wünschen sich gegenseitig «Kurban Bayramin kutlu olsun!» – «Alles Gute zum Opferfest». Die meisten von ihnen sind Männer. Teilweise werden sie begleitet von Kindern, die den besonderen Festtag ebenfalls miterleben möchten. Im Eingangsbereich der Moschee stehen auf den Tischen Süssigkeiten bereit. Besonders beliebt sind die Baklava, ein in Zuckersirup eingelegtes Gebäck aus Blätterteig, gefüllt mit gehackten Walnüssen, Mandeln oder Pistazien.

Die ankommenden Gläubigen ziehen vorerst die Schuhe aus, dann folgt im Waschraum das traditionelle Reinigungsritual, wie es von Muslimen vor dem Gebet verrichtet wird. Aus dem Gebetsraum des Zentrums ertönt bereits die Stimme des Imams (Vorbeters), der in arabischer Sprache singend Koranverse rezitiert. Immer wieder ist da auch der Vers «Allahu akbar» zu hören, was übersetzt «Gott ist gross» bedeutet.

Geschenke für die Kinder

Auf der Empore haben sich inzwischen auch die beiden zehnjährigen Knaben Semin aus Luzern und Imran aus Kriens für das Gebet bereit gemacht. Für sie ist es ungewohnt, an einem Freitag bereits um fünf Uhr aufzustehen, doch die Teilnahme am Opferfest ist ein ungewöhnliches Ereignis: «Es ist schön, mit Freunden hier zu sein und danach mit der Familie ein feines Essen geniessen zu können», meint Imran. Und Semin fügt hinzu: «Ich freue mich ganz besonders darauf, dass am Abend in der Moschee noch Geschenke mit Süssigkeiten für uns Kinder verteilt werden.» Izeta Saric aus Horw, die bei der Vorbereitung der Geschenkpakete mitgewirkt hat, unterstreicht die Bedeutung des Gemeinschaftserlebnisses beim Opferfest: «Dieser Feiertag stärkt den Zusammenhalt der Familien und weckt positive Kindheitserinnerungen.»

Erinnerung an Abrahams Opfer

In der arabischen Sprache wird das höchste muslimische Fest «Id al-Adha» und in der türkischen Variante «Kurban Bayrami» genannt. Der Begriff Kurban weist auf das Opfertier hin, das an die Bereitschaft von Abraham (arabisch: Ibrahim) erinnert, seinen eigenen Sohn zu opfern. Laut Überlieferung, die sowohl in der jüdisch-christlichen wie auch in der muslimischen Tradition zu finden ist, stoppte Gott im letzten Augenblick sein Vorhaben. Zum Dank opferte Ibrahim anstelle seines Sohnes Ismail einen Widder, dessen Fleisch an Freunde und Bedürftige verteilt wurde.

Rituelle Schlachtungen sind in der Schweiz aufgrund des Schächtverbotes nicht erlaubt. Deshalb begnügen sich die hier lebenden Muslime mit einer Spende, die sie für ein Opfertier in ihrem Herkunftsland leisten. In diesem Brauch ist auch eine soziale Komponente enthalten, wie Dzevad Dedukic erklärt: «Nur ein Drittel des Fleisches wird in der eigenen Familie verzehrt, zwei Drittel werden verschenkt – meist an ärmere und bedürftige Leute in der Umgebung», sagt der Präsident der bosnischen Moschee in Emmenbrücke. Die Tiere würden geschächtet, damit das Fleisch vollständig ausbluten könne. Durch den fachmännisch auszuführenden raschen Schnitt trete binnen Sekunden eine Betäubung ein, die dem Tier einen langen Todeskampf erspare, betont Dedukic und weist darauf hin, dass die Tiere aus Respekt vor Gottes Schöpfung artgerecht zu halten seien, damit sie nicht leiden müssten.

Höhepunkt der Wallfahrt nach Mekka

Ein aussergewöhnliches Ereignis stellt das Opferfest insbesondere dann dar, wenn es im Rahmen der traditionellen Pilgerfahrt nach Mekka gefeiert wird. Hajrudin Velic aus Luzern hatte vor einem Jahr die Möglichkeit, eine solche Pilgerreise zu unternehmen. Seither kann er sich als «Hadschi» (Haddsch) bezeichnen und trägt damit den Ehrentitel für Muslime, welche die Wallfahrt nach Mekka bereits unternommen haben. «Das Erlebnis auf dem Berg Arafat war unbeschreiblich und hat bei mir einen tiefen Eindruck hinterlassen», erzählt Velic, der seit seinem 14. Lebensjahr in der Schweiz wohnt.

Das Opferfest folgt bei der traditionellen Wallfahrt auf den «Tag von Arafat», an dem Millionen Pilger in der Ebene von Arafat vor Mekka einen Tag lang vor Gott beten. Als Kurban (Tieropfer) wird meist ein männliches Schaf dargebracht. Je nach regionaler Verfügbarkeit werden aber auch andere domestizierte Tiere wie Ziegen, Rinder, Kamele in Trockengebieten oder Wasserbüffel wie beispielsweise in Indonesien geschlachtet. Allgemein werden nur Paarhufer – ausser dem als unrein geltenden Schwein – rituell geschlachtet.

Video: Einblick ins Opferfest in Emmenbrücke

Das vier Tage dauernde Opferfest ist am Montag zu Ende gegangen. Der höchste islamische Festtag wird auch in der Schweiz von gläubigen Muslimen gefeiert. Hierzulande werden jedoch keine Tiere geschlachtet. Ein kurzer Einblick ins Opferfest in der bosnischen Moschee in Emmenbrücke. (Benno Bühlmann / LZ, 08.09.2017)




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