Tablets sollen Schulbücher ersetzen

LUZERN ⋅ Die Digitalisierung macht auch vor den Schulen nicht halt. Das heisst: Es müssen Tausende von Tablets angeschafft werden. Nun prüft man eine kantonale Ausschreibung in Millionenhöhe.
04. Juni 2017, 05:00

Lena Berger

lena.berger@luzernerzeitung.ch

Tablets und Smartphones halten Einzug in die Luzerner Klassenzimmer. Die Vorteile gegenüber Stift und Papier sind bestechend: Aufsätze lassen sich einfacher überarbeiten, die Geräte können Töne, Bilder und Videos aufnehmen und abspielen – und wenn man bei einer Aufgabe nicht weiter kommt, bieten die Lernprogramme Hilfe.

Das Potenzial haben die Luzerner Schulen erkannt. Verschiedene Primarklassen in Luzern, Menznau, Dagmersellen und Doppleschwand wurden im Rahmen eines Pilotprojekts mit solchen Geräten ausgestattet – und dabei hat man gute Erfahrungen gemacht. «Wenn die Geräte da sind, kann man sie flexibler einsetzen, als wenn die Lehrperson jedes Mal einen Klassensatz Laptops ausleihen muss», sagt Charles Vincent, Leiter der Dienststelle Volksschulbildung. Auf nächstes Schuljahr gibt der Kanton daher ein überarbeitetes Merkblatt heraus. Darin wird die Abgabe von Laptops vorgeschlagen, so wie es mit den Schulbüchern auch gemacht wird. Das klingt, als würden Tablets bereits flächen­deckend an Luzerner Schulen eingesetzt. Das wirft Fragen auf. Denn die Anschaffung von Tablets dürfte Kosten in Millionenhöhe verursachen. An wen soll dieser Grossauftrag gehen? Charles Vincent betont, dass die Schulen bislang nicht verpflichtet sind, Tablets anzuschaffen. Es sei möglich, dass sich das in den nächsten Jahren ändere. Denn: Pädagogisch ist die 1:1-Ausrüstung sinnvoll, wie das Pilotprojekt und kürzlich auch eine Samsung-Studie gezeigt hat (Ausgabe vom 14. Mai). «Im Hinblick auf die Einführung des Lehrplans 21 planen einige Gemeinden jetzt, Tablets für alle Schüler anzuschaffen», sagt Vincent. Diese hätten schon angefragt, ob man diese nicht kantonal beschaffen könnte. «Das ist nicht nur preislich interessanter, sondern hat auch den Vorteil, dass nicht jede Gemeinde einzeln ein aufwendiges Ausschreibungsverfahren durchführen müsste», sagt der Dienststellenleiter. Die kantonale Lehrmittelkommission wird diese Frage diskutieren und einen Vorschlag erarbeiten.

Schulmaterial muss gratis bleiben

In der Privatwirtschaft geht der Trend in eine andere Richtung. «Bring Your Own Device» ist vielerorts das Motto. Das heisst: Die Mitarbeiter nehmen ihre eigenen Geräte mit, die auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind. Wäre das auch für die Schulen eine kostengünstige Alternative? Charles Vincent glaubt nicht daran. «Der Volksschulunterricht ist grundsätzlich unentgeltlich, deshalb kann man nicht erwarten, dass die Kinder selber Tablets mitnehmen.» Kommt hinzu, dass aktuell nicht alle Gerätetypen mit dem Schulnetz und den Lernsoftwares kompatibel sind.

Was bleibt, ist also eine Massenanschaffung von Tablets. Nur: Ist das in Anbetracht der neusten Spardebatte überhaupt realistisch? Vincent weist darauf hin, dass den Informatikkompetenzen im Lehrplan 21 ein grösserer Stellenwert eingeräumt wird. «Trockenübungen ohne Laptops oder Tablets machen aber wenig Sinn», findet er. Aktuell stellt er fest, dass einzelne Verlage zweigleisig fahren, also Lehrmittel in einer Print- und einer Digitalversion anbieten. «Das kostet dann aber auch doppelt. Ich rechne daher damit, dass die Tablets in den nächsten Jahren die traditionellen Schulbücher zum Teil ersetzen werden.» Und dann sei der persönliche Laptop natürlich auch finanziell tragbar, weil die eigentlichen Lehrmittelkosten sinken werden.

Klar ist: Die beste Ausrüstung nützt nichts, wenn die Lehrer nicht wissen, wie sie die Geräte sinnvoll einsetzen sollen. «Diese Kompetenzen aufzubauen ist ein grosse Aufgabe. Wir sind jetzt daran, die Lehrpersonen im Hinblick auf den Lehrplan 21 in diesem Bereich weiterzubilden», sagt Charles Vincent dazu. Die Kurse sind grösstenteils bereits ausgebucht.


1 Leserkommentar

Anzeige: