Hotel Stans Süd: Ex-Pächter vermutet «viel zu hohen Kaufpreis»

VERKEHRSBETRIEBE LUZERN ⋅ Das Hotel Stans-Süd gehört seit dem Kauf der dortigen Postauto-Liegenschaft den Verkehrsbetrieben Luzern (VBL). Diese fühlen sich aber nicht als Hotelier. Dass die VBL den Kaufpreis nicht offenlegen, könnte zum Politikum werden.
09. August 2017, 05:00

Hugo Bischof
hugo.bischof@luzernerzeitung.ch

Im Juli 2016 übernahmen die Verkehrsbetriebe Luzern (VBL) die Thepra AG. Die Firma mit Sitz in Stans beschäftigt rund 50 Mitarbeiter und betreibt mit 23 Postautos alle sieben Postautolinien im Kanton Nidwalden – im Auftrag der Postauto Zentralschweiz AG. Teil der Thepra-Liegenschaft nahe der Autobahnausfahrt Stans Süd ist das Hotel Stans-Süd. Auch dieses ging mit dem Kauf in den Besitz der VBL über.

Um das Hotel ist seither eine Kontroverse im Gang. Jaap Super, der das Hotel während zwölf Jahren bis Ende 2016 als Pächter führte, äusserte gegenüber unserer Zeitung die Vermutung, die VBL hätten für die Liegenschaft, insbesondere das «dringend sanierungsbedürftige» Hotel, einen viel zu hohen Preis bezahlt. Super hat sich gemäss eigenen Angaben vom Hotel zurückgezogen, da die versprochene Renovation des Hotels nie erfolgt sei.

Früherer Pächter fühlt sich übergangen

Noch vor wenigen Wochen beklagte sich Super zudem darüber, die VBL hätten ihm die vereinbarten rund 10000 Franken für die Übernahme des Hotel-Inventars noch nicht ausbezahlt – «dies, obwohl laut Vertrag Ende April als Stichtag festgehalten wurde». Diese Zahlung ist vor kurzem nun aber erfolgt. Das bestätigt Super, der inzwischen einen neuen Job als Vizedirektor des 4-Sterne-Hotels Waldegg in Engelberg gefunden hat, auf neuerliche Anfrage.

«Es ging am Schluss nur noch um Übergabeformalitäten sowie einige Zahlen, die noch fehlten», sagt dazu Beat Nater, Leiter Betrieb und Markt der VBL. Die VBL seien zudem bei der Übergabe des Inventars vom bisherigen zum neuen Mieter «lediglich als Vermittler tätig gewesen». Super beharrt auf seiner Version, dass die VBL ihm das Inventar abgekauft und es «pauschal oder inklusive» an die neue Hotelbetreiberin weitervermietet hätten.

Insbesondere bemängelt Jaap Super jedoch, dass die VBL den Kaufpreis für die Thepra-Liegenschaft inklusive Hotel nicht offenlegten: «Es ist unglaublich, dass die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Luzern nicht wissen dürfen, wie viel die VBL für diese Liegenschaft bezahlt haben.» Die VBL seien zwar ein eigenständiges Unternehmen, gehörten aber zu 100 Prozent der Stadt Luzern, betont er. VBL-Direktor Norbert Schmassmann sagt dazu: «Bezüglich des Kaufpreises wurde im Kaufvertrag gegenüber der Verkäuferschaft Stillschweigen vereinbart.» Daran halte man sich. Bei den VBL hat man keinerlei Verständnis für die Vorwürfe. Die Hotel Stans-Süd AG, die das Hotel von 1997 bis Ende 2016 führte, sowie Jaap Super seien rechtzeitig über die Handänderung informiert worden. Das Vorgehen beim Mieterwechsel des Hotels sei Gegenstand einer separaten Vereinbarung zwischen der neuen Eigentümerin (VBL), der Hotel Stans-Süd AG als bisheriger Mieterin und der Luzern Süd GmbH als neuer Mieterin gewesen. Super habe sich «mit dem Vorgehen einverstanden erklärt». Nicht zum Verkaufpreis äussert sich ebenfalls Angela Schori-Praloran, frühere Verwaltungsratspräsidentin der Thepra AG. Der unbekannte Kaufpreis könnte derweil zum Politikum werden. SVP-Grossstadtrat Peter With hat einen möglichen Vorstoss in dieser Sache in Aussicht gestellt. «Es ist noch nicht entschieden, ich führe zurzeit Gespräche», sagt er.

VBL will Objekt langfristig erhalten

Des Weiteren weist VBL-Direktor  Schmassmann den Vorwurf, dass die VBL den Sanierungsbedarf des Hotels Stans-Süd massiv unterschätzt hätten, zurück: «Die Bausubstanz des Hotels ist derzeit in Prüfung. Zum heutigen Zeitpunkt sind keine dringenden Sofortmassnahmen erforderlich oder Hinweise auf aussergewöhnliche Mängel an der Bausubstanz erkennbar, die beim Kauf der Liegenschaft nicht berücksichtigt worden wären.» Gemäss Schmassmann hätten die VBL «ein hohes Interesse an einer langfristigen Substanzerhaltung des Objekts».

Beim Kauf der Thepra-Liegenschaft sei das Hotel nicht im Vordergrund gestanden, sagt Schmassmann: «Die VBL sind nicht Hotelier, wir vermieten die Liegenschaft.» Diese sei in erster Linie die Garage der Postautos für den Kanton Nidwalden, so der VBL-Direktor: «Damit ist sie eine wichtige betriebsnotwendige Immobilie der Postauto-Unternehmung Thepra AG.»
Neben dem Hotel Stans-Süd sind auf der Thepra-Liegenschaft weitere Gewerbebetriebe eingemietet, darunter Pneu Egger. «Wir freuen uns, dass das gesamte Objekt mit langfristigen Mietverträgen über die nächsten Jahre voll vermietet ist», sagt Schmassmann. Und: «Wir sind mit der Zahlungsmoral aller Mieter sehr zufrieden.» Gerüchte, dass die VBL das Hotel verkaufen wollen, weist er zurück: «Aus heutiger Sicht macht es keinen Sinn, Teile der Immobilie, geschweige denn die gesamte Betriebsliegenschaft, zu verkaufen, um sie dann teuer bei einem neuen Besitzer zurückzumieten, der seinerseits eine Rendite auf dem Objekt generiert.» Zu Gerüchten, wonach die Gästezahlen im Hotel in den letzten Jahren stark zurückgegangen sind, sagt er: «Über den Geschäftsgang von eingemieteten Betrieben können wir keine Auskunft geben.»

Gebäude laut neuem Mieter in «gutem Zustand»

Das 3-Sterne-Hotel Stans-Süd mit 38 Zimmern und 91 Betten wird seit Anfang 2017 von der Luzern Süd GmbH geführt. Dieses Unternehmen gehört den Gastronomen Samuel Vörös und Dominik Grossenbacher, die auch die Gastronomiebetriebe Bodu und Mill’Feuille in Luzern sowie das Seehotel Kastanienbaum führen. «Wir haben im Hotel Stans-Süd permanent eine hohe Auslastung von über 85 Prozent», sagt Dominik Grossenbacher. «Damit ist der Betrieb auch finanziell sehr interessant.» Das Gebäude sei in gutem Zustand. 

Im Geschäftsbericht 2016 der VBL AG wird die Übernahme der Thepra AG als Meilenstein bezeichnet: «Dies erweitert unser Geschäftsmodell und hat uns im Raum Nidwalden ein wichtiges strategisches Standbein eröffnet.» Inklusive Thepra-Postautolinien beförderten die VBL 2016 insgesamt 48,6 Millionen Fahrgäste. Der Konzernumsatz stieg auf 88,2 Millionen Franken. Der konsolidierte Jahresgewinn beträgt 1,3 Millionen Franken.


Leserkommentare

Anzeige: