Verkehrsbetriebe Luzern räumen Dutzende Billett-Automaten ab

LUZERN ⋅ Rund 40 Billettautomaten haben die Verkehrsbetriebe Luzern (VBL) letztes Jahr entfernt, weil sie nicht rentierten. Ein weiterer Abbau ist zwar nicht geplant. Doch neue Geräte dürfte es nicht mehr geben.
07. Januar 2018, 17:15

Stefan Dähler

stefan.daehler@luzernerzeitung.ch

Zuerst die gute Nachricht: Die VBL haben letztes Jahr ihre Billettautomaten aufgerüstet. So kann man neu kontaktlos bezahlen, ausserdem wurden die Sicherheitsstandards angepasst. Gleichzeitig haben die VBL aber auch überprüft, welche Automaten wie häufig genutzt werden. Dies führte dazu, dass insgesamt rund 40 unrentable Geräte abgebaut wurden.

Allein entlang der Linie 10 wurden mit Ausnahme der Haltestellen Obergütsch- und Zähringerstrasse im September 2017 mehrere Billettautomaten entfernt, wie eine Anwohnerin berichtet. VBL-Sprecher Christian Bertschi bestätigt dies. Der Abbau sei im Auftrag und in Absprache mit dem Verkehrsverbund Luzern erfolgt. Betroffen seien vor allem Haltestellen, die mit Dieselbussen bedient werden, da diese – im Gegensatz zu Trolleybussen – über eine Kasse verfügen. So können Passagiere ihr Billett im Bus kaufen.

Nur fünf bis zehn Billette pro Tag

Welches sind die Überlegungen hinter der Entfernung von Automaten? «Aufgrund der Aufrüstung hat sich die Frage gestellt, ob sich der Aufwand überall lohnt», sagt Bertschi. «Der Umsatz bei den betroffenen Automaten war sehr tief.» Pro Tag seien teilweise nur fünf bis zehn Billette gelöst worden, der Umsatz betrug manchmal weniger als 30 Franken. Im Gegenzug koste der Unterhalt eines Automaten mit Strom, Papierwechsel und Programmierung pro Jahr mehrere tausend Franken.

«Das Automatennetz mit insgesamt etwa 220 Stück ist aber nach wie vor sehr dicht», betont Bertschi. Man habe beim Abbau ausserdem darauf geachtet, dass bei der Haltestelle in entgegengesetzter Richtung in der Regel noch ein Automat erhalten bleibt. Die Linie 10 stelle hier eine Ausnahme dar, da entlang der Strecke gleich mehrere Automaten sehr selten genutzt worden seien. «Wir gehen davon aus, dass viele Leute in diesem Gebiet ein Abo haben.»

Wer kein Abo und keine Smartphone-App hat, muss also beim Chauffeur ein Billett kaufen. Dadurch steht der Bus länger an der Haltestelle. «Es kommt schon mal vor, dass ein Bus deswegen eine bis zwei Minuten warten muss», sagt der VBL-Sprecher. Verspätungen seien aber auf kurzen Kursen wie jenen der Linien 9 oder 10 selten. Eher sei dies auf längeren Linien mit mehr Haltestellen wie beim 22er oder 23er der Fall.

Apps generieren erst 5 Prozent des Umsatzes

Im Passepartout-Gebiet gibt es zwei verschiedene Apps für Smartphones: «ÖV Ticket» und «Fairtiq». Doch diese vermögen die Automaten noch nicht zu ersetzen. «Der Umsatz durch die Automaten ist immer noch sehr viel grösser als jener via Apps», sagt Bertschi. Konkret machten Automaten und die Verkaufsstellen am Bahnhof und Schwanenplatz je mehr als 40 Prozent, die Apps 5 Prozent aus. Der Rest verteile sich auf Billettkäufe im Bus und externe Verkaufsstellen wie Kioske. Der Umsatz sei bei den Apps auch tief, weil man auf diesen keine Abos kaufen könne.

Künftig dürfte die Zahl der App-Nutzer aber noch zunehmen. Ist es daher ein Thema, weitere Automaten abzubauen und so auch Geld zu sparen? «Geplant ist das derzeit nicht», sagt Bertschi. «Möglich ist aber, dass wir die bestehenden Geräte nicht mehr durch ein neues Automatenmodell ersetzen, was mehrere Millionen Franken kosten würde.» Stattdessen werde man die bestehenden Automaten möglichst lange erhalten. Die Aufrüstung im letzten Jahr diente eben diesem Zweck.

Ausserdem sollen die Angebote an den Automaten ausgebaut werden. Ziel ist es, etwa Billette für die ganze Schweiz zu kaufen. Dies sei kein Widerspruch zur Überlegung, alte Automaten nicht mehr zu ersetzen, sagt Bertschi. «Das Problem sind nicht die Geräte, sondern die bis anhin fehlende nationale Datenplattform.» Die VBL seien durchaus interessiert an solch einer Lösung und prüften die Bedingungen für einen Anschluss an die neu entstehende Datenplattform.

Diese heisst «Nova», federführend beim Betrieb sind die SBB. Das System sei bei einigen Tarifverbunden bereits im Einsatz, erklärt SBB-Sprecher Oli ­Dischoe auf Anfrage. Die Inbetriebnahme in weiteren Regionen geschehe Schritt für Schritt. Wann das für den Tarifverbund Passepartout der Fall sein wird, können die SBB und auch die VBL noch nicht sagen.


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