Veganer-Initiative geht dem Luzerner Stadtrat zu weit

STADT LUZERN ⋅ Die Volksinitiative «Nachhaltige und faire Ernährung» will die pflanzliche Ernährung fördern. Dies ist dem Luzerner Stadtrat zu einseitig – er empfiehlt, die Initiative abzulehnen. Das Anliegen der Initianten nimmt er dennoch auf.
04. Dezember 2017, 12:03

Gabriela Jordan

gabriela.jordan@luzernerzeitung.ch

Sie wurde vor rund einem Jahr in mehreren Schweizer Städten lanciert und ist in Luzern in einer Rekordzeit von 48 Stunden zu Stande gekommen: Die Volksinitiative «Nachhaltige und faire Ernährung», die verlangt, dass weniger tierische Produkte verzehrt werden (wir berichteten). Demnach soll die Stadt Luzern eine «ressourcenschonende Ernährung» fördern, indem sie die Bevölkerung über «die Auswirkungen des Tierproduktekonsums» aufklärt und in Mensen ein vegetarisches und veganes Angebot fördert. Eingereicht wurde die Initiative von Personen aus dem Umfeld der Denkfabrik «Sentience Politics» in Basel.

Obwohl der Luzerner Stadtrat dem Begehren positiv gegenübersteht, spricht er sich nun gegen die Initiative aus. Er beantragt dem Grossen Stadtrat deshalb, sie abzulehnen. Dies begründet er unter anderem wie folgt:

  • Der Fokus der Initiative liegt primär auf der Förderung der pflanzlichen Ernährung, die lediglich einen Teilaspekt einer nachhaltigen und gesunden Ernährung darstellt. Ausser Acht gelassen werden Aspekte wie Qualität der Lebensmittel, Transport, Bodenbewirtschaftung oder Lebensmittelverschwendung (Foodwaste).
  • Aus gesundheitlicher Sicht entspricht eine ausgewogene Ernährung der Schweizer Lebensmittelpyramide, in der alle Lebensmittel ihren Platz haben.
  • Die Stadt schöpft den (beschränkten) Handlungsspielraum in ihren Mensen bereits aus. Beispielsweise bietet das Personalrestaurant im Stadthaus bereits Vegi-Menus an.

Stadtrat präsentiert Gegenvorschlag

Damit ist das Thema aber noch nicht vom Tisch. Mit den Initianten ist der Stadtrat nämlich insofern einig, als dass die durch Ernährung verursachte Umweltbelastung häufig unterschätzt wird und in der Energie- und Klimapolitik der Stadt Luzern deshalb einen grösseren Stellenwert erhalten sollte. Dem Stadtparlament legt er daher einen Gegenvorschlag zur Initiative vor: So soll das städtische Energiereglement um einen Artikel zum Thema graue Energie ergänzt werden. Darunter versteht man diejenige Energiemenge, die für Herstellung, Transport, Lagerung, Verkauf und Entsorgung eines Produkts benötigt wird – sprich auch für Lebensmittel. 

Mit dem zusätzlichen Artikel würde sich die Stadt somit verpflichten, einen Beitrag zur Reduktion des Energie- und Ressourcenverbrauchs zu leisten, der mit der Ernährung und dem Konsum von anderen Gütern und Dienstleistungen verbunden ist. Wichtige Handlungsfelder seien dabei auch die Bautätigkeit und das Beschaffungswesen. Zudem will die Stadt über Information den Wissensstand der Bevölkerung verbessern, und sie so animieren, Konsumentscheide bewusster zu fällen. 

Initianten bestehen auf Fokus «pflanzliche Ernährung»

Ob die Initianten trotz Gegenvorschlag an ihrer Initiative festhalten, ist noch unklar. Laut Meret Schneider, Geschäftsführerin von Sentience Politics, müsse das weitere Vorgehen nun intern diskutiert werden. Ganz glücklich ist die Denkfabrik mit der Antwort des Stadtrates jedoch nicht: «Die pflanzliche Ernährung wird im Bericht und Antrag nicht erwähnt, stattdessen will sich die Stadt Luzern auf graue Energie fokussieren», sagt sie. «Regionalität und Saisonalität sind zwar schön und gut, die grösste Belastung auf die Umwelt stammt aber vom Tierproduktekonsum.» Halten die Initianten an ihrer Initiative fest und folgt das Stadtparlament dem Antrag des Grossen Stadtrates, dann wird die Luzerner Bevölkerung in einer Doppelabstimmung über die beiden Vorlagen befinden. 

Wie anfangs erwähnt, wurde die Initiative auch in den Städten Basel, Bern und Zürich lanciert. Interessant ist hierzu der Blick nach Zürich: Laut Meret Schneider wurde die Initiative dort zu Gunsten des Gegenvorschlags zurückgezogen. Diesen hat die Stadtzürcher Bevölkerung im vergangenen November mit einer Mehrheit von rund 60 Prozent angenommen. «Im Gegensatz zur Stadt Luzern wurde im Gegenvorschlag der Stadt Zürich Fokus auf die pflanzliche Ernährung sowie die Sensibilisierung der Bevölkerung gelegt. Denn die Unkenntnis ist das Hauptproblem», sagt Schneider. 


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