Erwachsenenmatura: Wenn die Mitschüler plötzlich doppelt so alt sind

KANTON LUZERN ⋅ Als Jüngste der Klasse hat die 23-jährige Céline Fallegger die Erwachsenenmatura abgeschlossen. Die ausgebildete Fachfrau Gesundheit plant nun ein Psychologiestudium – das Thema ihrer Maturaarbeit soll sie dabei weiter begleiten.
14. Juni 2017, 07:46

An der Kanti Reussbühl konnten gestern 22 Maturi und Maturae ihr Zeugnis entgegennehmen. Darunter auch Céline Fallegger. Wir treffen die Schülerin vier Tage zuvor: Die Erleichterung steht ihr ins Gesicht geschrieben. Die letzte Prüfung ist durch und damit quasi die letzte Amtshandlung an der Kanti vollbracht. Céline Fallegger hat soeben die Mündlichprüfung in Latein absolviert. «Es war eine harzige Sache», fasst die 23-Jährige zusammen. Jetzt heisst es abwarten.

Die Willisauerin war die Jüngste ihrer Klasse, welche die Erwachsenenmatura abgeschlossen hat. Ihre Schulkollegen waren teils doppelt so alt. In der Sekundarschule wäre der Maturaabschluss für sie «als mittelmässige Schülerin» noch nicht denkbar gewesen. Anders dann während der Berufsschule. So hat sie die Lehre mit einer Ehrenmeldung abgeschlossen und entschieden, noch länger die Schulbank zu drücken. Zunächst fasste sie die Berufsmatura ins Auge. Um dann die Uni zu besuchen, hätte sie aber noch die Passerelle absolvieren müssen. Ein Berufsberater habe ihr dann vom Angebot der Erwachsenenmatura in Reussbühl erzählt. Während der dreijährigen Schulzeit – inklusive Vorkurs – hat Fallegger weiter im Alters- und Pflegeheim Waldruh in Willisau gearbeitet. So konnte sie die Berufspraxis als Fachfrau Gesundheit beibehalten. Zwei Tage die Woche hat sie in den letzten Jahren jeweils in Reussbühl verbracht, zwei Tage hat sie sich um die Bewohner des Altersheims gekümmert. In der freien Zeit war Selbstdisziplin gefragt: «Bei der Erwachsenenmatura wird dem Selbststudium viel Gewicht eingeräumt», erklärt die Willisauerin. Besonderes Interesse hatte sie an naturwissenschaftlichen Fächern, an Geschichte und Pädagogik, während ihr die Sprachen mehr Mühe bereitet hätten.

Maturaarbeit über ihre Arbeit im Altersheim

Schule und Beruf – diese Verknüpfung hat sich auch bei der Maturaarbeit bewährt. Ihre Arbeit, die prämiert wurde, hat Céline Fall­egger über das Thema Demenz geschrieben, genauer gesagt über die Methode der Validation. «Bei Personen mit Demenz wird versucht, mit Hilfe der Validation eine Kommunikation zu ermöglichen.» Diese hat das Ziel, demente Personen nicht zu korrigieren, sondern deren Verhaltensweisen zu akzeptieren. Falleggers Untersuchung hat gezeigt, dass das aggressive Verhalten einer Bewohnerin durch Validation abgenommen hat und eine bessere Beziehung zu den Pflegern möglich wurde. Die Willisauerin ist überzeugt, dass sie das Thema auch in Zukunft begleiten wird. Die Prämierung der Arbeit habe ihr viel Selbstvertrauen gegeben, betont die junge Frau.

Ihre Neugierde auf Wissen ist auch mit dem Maturaabschluss nicht gestillt. Sie hat diese damals mit dem Ziel, ein Psychologiestudium zu beginnen, in Angriff genommen. Dieses hat sie noch immer im Visier. Dennoch will sie sich nun eine Auszeit gönnen. So stockt sie ihr Arbeitspensum wieder auf, auch um fürs Studium Geld zu sparen. «In der heutigen Zeit ist es schwieriger, an Stipendien zu kommen.» In der Weiterbildungspause sollen zudem ihre Freunde, die «während der Prüfungszeit zu kurz gekommen sind», wieder mehr von ihr haben. In den nächsten zwei Wochen stehen diverse Ausflüge auf dem Programm. Auch während der Schulzeit konnte sich die 23-Jährige am besten mit Familie und Freunden erholen, sagt sie und freut sich auf die kommende Zeit.

 

Roseline Troxler

roseline.troxler@luzernerzeitung.ch

Die Maturanden feiern ihre bestandenen Abschlüsse: Fotos der Maturafeiern im Kanton Luzern.


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