Wenn er patzt, fährt der Rennwagen nicht

LUZERN ⋅ Daniel Winz war schon als Kind ein Tüftler, nun hat er das Elektrotechnik-Studium abgeschlossen. Für seine Bachelor-Arbeit bastelte der 26-jährige Schwyzer an einem Rennwagen, der schneller beschleunigt als ein Formel-1-Bolide.
15. Juli 2017, 13:27

Eigentlich ist Daniel Winz kein Motorsportfan. Er mass sich auch noch nie auf einer Wettkampfstrecke – die Kart-Fahrt im Rahmen eines Teambildungsevents einmal ausgenommen. Und doch drehte sich in den letzten Monaten vieles um die Frage, wie ein Rennwagen noch leistungsfähiger gemacht werden kann.

Der 26-jährige Schwyzer studierte nämlich Elektrotechnik, am Samstagmittag erhielt er an der offiziellen Feier des Departements Technik & Architektur der Hochschule Luzern das Diplom überreicht. Seine Bachelorarbeit widmete er der Entwicklung von «pilatus». So urig der Name klingt, so hochmodern ist das Produkt – es handelt sich nämlich um einen Elektrorennwagen. Mit 200 PS, nur 170 Kilogramm Gewicht und vor allem mit einer Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in nur 1,9 Sekunden verfügt «pilatus» über besondere Merkmale. «Sehr leistungsstark, sehr leicht und sehr effizient», so umschreibt Daniel Winz das Gefährt, das er gemeinsam mit seinen Kollegen der ETH Zürich und der Hochschule Luzern entwickelt hat.

Auszeichnung von «Schweizer Jugend forscht»

Geboren und aufgewachsen in Schwyz, zeigte sich bei ihm früh die Faszination für die technischen Hintergründe. «Mich hat es schon immer interessiert, wie die Dinge funktionieren. So nahm ich schon mal ein Spielzeugauto auseinander, um herauszufinden, weshalb es nicht mehr fuhr.» Später machte Winz die Elektronikerlehre. Und als Abschlussarbeit der Berufsmatura baute er ein Modellflugzeug mit Flettnerrotor, wofür ihn die Stiftung «Schweizer Jugend forscht» auszeichnete. Was das ist? «Ein Flugzeug, das den Auftrieb nicht mit Flügeln, sondern mit rotierenden Walzen generiert», erklärt Winz. Modellflugzeuge sind sein Hobby, «wobei mich nicht nur das Fliegen, sondern auch das Bauen interessiert». Beruflich widmete er sich in den letzten Jahren parallel zum Studium einer 60-Prozent-Anstellung als Hardwareentwickler von Medizinalgeräten. Kurz: Daniel Winz ist seit Kindesbeinen ein Tüftler, der gerne konstruiert und die Theorie in die Praxis umzusetzen versucht. Womit wir wieder bei seiner Bachelorarbeit wären. Die Elektrotechnikstudenten der Hochschule Luzern sind für die gesamte Elektronik von «pilatus» verantwortlich.

Daniel Winz kümmerte sich vornehmlich um die Herstellung der Wechselrichter. Sie steuern Drehzahl und Drehmoment der Motoren und haben so einen wesentlichen Einfluss auf die Performance des Fahrzeugs. Zudem dient der Wechselrichter der Energierückgewinnung. Wenn der Rennwagen bremst, lädt die dabei umgesetzte mechanische Energie den Akku wieder auf. Energie, die dann wieder für die nächste Beschleunigung genutzt werden kann. Darüber hinaus war Winz zuständig für die Fertigung der Leiterplatten (Platine). «Ich habe viel gelernt, und ich trug grosse Verantwortung. Wenn ich mein Arbeitspaket nicht sauber erledige, heisst das nämlich: das Auto fährt nicht!»

Nun wartet der internationale Wettbewerb

«Pilatus» aber fährt. Und wie. Mit den erwähnten 1,9 Sekunden von null auf hundert beschleunigt er mitunter dank Vierradantrieb schneller als ein Formel-1-Bolide (2,5 Sekunden), die Spitzengeschwindigkeit beläuft sich immerhin auf 115 km/h. Das Tempo alleine entscheidet aber nicht über den Erfolg, wenn sich Winz in den nächsten Wochen an internationalen Wettbewerben mit der Konkurrenz misst. Als Mitglied des Akademischen Motorsportvereins Zürich tritt er in Ungarn, Österreich, Deutschland und Spanien in der sogenannten Formula Student Electric an.

An diesem weltweit grössten Ingenieur-Wettbewerb nehmen jedes Jahr über 600 Teams teil. Neben Beschleunigung, Handling und Ausdauer werden dann auch der Businessplan, die konstruktive Entwicklung und die Herstellungskosten bewertet. «Ich mache das Fahrzeug betriebsbereit, schaue, dass der Akku geladen ist und die Sicherheitssysteme funktionieren. Es ist ein Wettkampf der Ingenieure, nicht der Rennfahrer.» Und damit perfekt auf den passionierten Elektrotechniker aus dem Kanton Schwyz zugeschnitten.

 

Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch


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