Meinung

Weshalb Verbote nicht die Lösung sind

Dominik Buholzer, Leiter «Zentralschweiz am Sonntag», über Massentourismus.
03. Dezember 2017, 07:49

Vom Eiffelturm in Paris gibt es weltweit Dutzende Kopien. Eine davon steht in der chinesischen Sonderverwaltungszone Macau. Auch Hannover haben die Chinesen nachgebaut. Die Schokoladenseite der niedersächsischen Landeshauptstadt lässt sich in der Provinzstadt Changde bestaunen. Und trotzdem reisen jährlich Millionen von Chinesen nach Europa und stehen sich vor den Originalen die Füsse platt.

Massentourismus nennt sich das, und seit diesem Sommer sorgt das Thema weltweit für rote Köpfe. Venedig will die Kreuzfahrtschiffe vom Zentrum verbannen und Gianni De Martino, der Bürgermeister von Capri, einen Numerus clausus für Touristen einführen. In Luzern fordern die Grünen den Stadtrat auf, einen Planungs­bericht «Vision Tourismus Luzern 2030» ausarbeiten. In diesem Zusammenhang soll er auch die Einführung von Maximalwerten beispielsweise für die Anzahl Hotels in der Stadt prüfen.

Grundsätzlich ist es zu begrüssen, wenn sich die Stadt Luzern Gedanken macht, wie sie künftig den Herausforderungen begegnen will, die durch den Massentourismus entstehen. Denn eines steht ausser Zweifel: In den kommenden Jahren dürften noch weit mehr Personen als heute Luzern einen Besuch abstatten wollen.

Über mögliche Massnahmen wurde in den vergangenen Wochen weltweit viel diskutiert. Ein Patentrezept hat niemand. Eines zeigt sich aber: Verbote, so verlockend sie sein mögen, sind nicht zielführend. In Berlin steigerte Airbnb sein Geschäft um mehr als die Hälfte. Dies trotz des Verbots des Senats, eigene Wohnungen an Touristen zu vermieten. Die Zahl der Hotelübernachtungen ist derweil rückläufig.

Zudem: Der Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. In Island war er gar der «Lebensretter» nach der schweren Finanz- und Bankenkrise. Das war in Luzern nicht nötig. Ins Gewicht fällt der Tourismus trotzdem. In Luzern generiert er 1,2 Millionen Logiernächte jährlich allein in der Stadt, eine Bruttowertschöpfung von 1,004 Milliarden Franken und über 11 000 Vollzeitstellen. Solche Aspekte sollten bei der Diskussion rund um den Massentourismus nicht ausser Acht gelassen werden.

Dominik Buholzer

dominik.buholzer@luzernerzeitung.ch


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