Wo Gastronomie und Kultur Hand in Hand gehen

KULTURPRODUKTE SURSEE ⋅ Rund 300 kulturelle Veranstaltungen mit illustren Gästen hat der Verein Kulturprodukte Sursee bereits im Stadtcafé durchgeführt. Am 1. Januar erhalten die Verantwortlichen dafür den Kulturpreis 2018 der Stadt Sursee.
30. Dezember 2017, 08:52

Es sind wohl der kleine Rahmen, die intime Atmosphäre und die Unkompliziertheit der Veranstalter, die bekannte Persönlichkeiten immer wieder ins Stadtcafé nach Sursee bringen. Ob Mike Müller, Stefan Gubser oder Emil – alle waren sie schon zu Gast im Café mitten in der Surseer Altstadt. Das Stadtcafé mauserte sich in den letzten 17 Jahren zum Kulturkaffee der Region.

Am 1. Januar erhält nun der Verein Kulturprodukte Sursee, der die kulturellen Anlässe koordiniert, im Rahmen des «Guet Johr» den Kulturpreis 2018 der Stadt Sursee verliehen. «Für uns ist dieser Preis eine Anerkennung, ein Zeichen, dass unsere Arbeit wahrgenommen und geschätzt wird», sagt Kulturkoordinator Tom Giger.

Der Preis, der alle zwei Jahre verliehen wird, ist mit 3000 Franken dotiert. «Wir werden das Geld direkt wieder in neue Anlässe stecken und so unserem Publikum weitergeben», erklärt Giger. Und Ursula Koller, Geschäftsführerin des Stadtcafés, ergänzt: «Vielleicht können wir dank dieser Auszeichnung sogar weitere Künstler ins Stadtcafé holen.»

Ohne Herzblut geht es nicht

Kultur, das merkt man sofort, liegt den beiden am Herzen. Das sei auch wichtig, sagt Giger, denn ohne Herzblut könne man dieses Konzept nicht umsetzen. «Die Anlässe sind im besten Fall ein Nullsummenspiel», sagt er. Normalerweise jedoch rentierten die Anlässe nicht. Rund 20 000 Franken fliessen vom Stadtcafé jährlich in die Kultur, um die Gagen zu bezahlen und auf Veranstaltungen aufmerksam zu machen.

Giger bezeichnet das Stadt­café als Kulturcafé. «Bei uns ist Kultur sehr niederschwellig, wir bieten einen einfachen Zugang. Und durch die grossen Glasfenster sind wir auch sehr transparent. Man sieht von aussen, was drinnen passiert.» Als das Stadtcafé vor 17 Jahren zusammen mit Stefan Bättig gegründet wurde, sei man sehr verwöhnt gewesen, sagt Koller. «Wir konnten machen, was wir wollten, die Leute kamen einfach.»

Zu verdanken ist das Konzept unter anderem auch dem Surseer Künstler Wetz. Kurt Heimann schloss damals sein Modegeschäft, und Wetz nutzte die Räumlichkeiten während dreier Monate. Er stellte Kunst aus und führte daneben ein provisorisches Café. Die Idee kam so gut an, dass Heimann danach Pächter suchte, die dieses Konzept umsetzten. Ursula Koller, damals noch auf Weltreise in Vietnam, übernahm die Aufgabe als Quereinsteigerin. Tom Giger nahm seine Tätigkeit als Koordinator im Jahr 2004 auf. Sind sich die vier Vereinsmitglieder Koller, Giger, Bättig und Heimann bei einer Idee nicht einig, wird – ganz schweizerisch – demokratisch abgestimmt. «Ich bin zum Beispiel überhaupt kein Fan von Matinees», sagt Koller und lacht. «Aber ich war in der Minderheit, deshalb gibt es nun doch ab und zu kulturelle Anlässe am Sonntagmorgen.»

Mittlerweile hat der Verein rund 300 Anlässe durchgeführt. Und auch wenn er, wie eingangs erwähnt, auf etliche prominente Namen zurückblicken kann: Es gibt immer noch Persönlichkeiten, die Koller und Giger gerne einmal fürs Stadtcafé gewinnen möchten. So etwa die Komikerin Hazel Brugger, Sportlegende Bernhard Russi oder alt Bundesrätin Ruth Dreifuss.

Martina Odermatt

martina.odermatt@luzernerzeitung.ch


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