Wohnen wie Gott in Frankreich

HORW ⋅ Geht es nach dem Horwer Gemeinderat, könnten an exklusiver Lage auf der Oberrüti dereinst Wohnungen entstehen. Demnächst wird der Einwohnerrat über die dafür notwendige Umzonung debattieren. Definitiv entschieden wird dann an der Urne.
08. Oktober 2017, 07:40

Es finden sich viele Argumente, das Gebiet auf der Oberrüti in der Gemeinde Horw als eine der attraktivsten Wohnlagen in der gesamten Zentralschweiz zu bezeichnen. Das hängt zum einen auch damit zusammen, dass sich dieses nach Süden ausgerichtete, ländlich anmutende Terrain nur einen Katzensprung vom pulsierenden Stadtluzerner Zentrum befindet. Zum anderen bietet sich dem Betrachter von dort oben die Aussicht auf Rigi, Pilatus und die anderen den Vierwaldstättersee säumenden Voralpengipfel.

Dieses Grundstück, auf dem einst das Hotel Waldhaus stand, gehört seit Jahren dem Baarer Unternehmen Alfred Müller AG. Das Areal inklusive Grünzone und Waldanteil deckt eine Fläche von etwas mehr als 46 000 Quadratmetern ab und zählt teilweise zur Sonderbauzone Tourismus.

Gemeinderat hat kein Interesse an einem Hotel

Dieser Umstand führt dazu, dass der künftigen baulichen Entwicklung nicht unerhebliche Grenzen gesetzt sind. Nach dem Erwerb des Grundstücks machte sich die Alfred Müller AG daran, auf der Oberrüti eine Altersresidenz zu realisieren. Das Vorhaben wurde aber nie umgesetzt und scheiterte schliesslich, weil sich zu wenig Investorengelder für dieses Projekt generieren liessen. Nachdem das Hotel Waldhaus letztes Jahr abgerissen und die östlich davon gelegene Poolanlage bereits vor Jahren eingeebnet wurde, dient die Oberrüti heute als Pachtland der Landwirtschaft.

Was aber bringt die Zukunft? Darüber macht sich der Horwer Gemeinderat Gedanken und hat in einem entsprechenden Planungsbericht auch zum Fall Oberrüti Aussagen gemacht. Damit wird sich demnächst der Einwohnerrat im Plenum auseinandersetzen. Eines vorweg: Für die Horwer Exekutive ist die Sache in einem Punkt glasklar. Ein neues Hotel wird es auf Oberrüti keines mehr geben. Gemeinderat Thomas Zemp, zuständig fürs Baudepartement, sagt: «Wir sind froh, wenn die bestehenden Hotels genügend ausgelastet sind. Für einen zusätzlichen Betrieb sind die Voraussetzungen nicht gegeben.»

Seitens der Grundstückseignerin, der Alfred Müller AG, teilt die Kommunikationsverantwortliche Esther Lötscher die Einschätzung der Gemeinde: «Unsere eigenen Erfahrungen haben ebenfalls gezeigt, dass sich das Grundstück für ein Tourismusprojekt nicht eignet.» Der Horwer Gemeinderat skizziert nun folgendes Szenario: Im südwestlichen Teil der Liegenschaft, dort wo früher das Hotel Waldhaus angesiedelt war, soll eine Wohnnutzung zugelassen werden. Angedacht ist eine «Arrondierung der bestehenden Siedlung», wie es im Planungsbericht heisst. Im südöstlichen Teil des Grundstückes sieht die Gemeinde eine öffentliche Nutzung vor. Darunter können ein Aussichtspunkt oder ein Spiel- und Aufenthaltsplatz fallen. Für einen weiteren Teil des Oberrüti-Areals möchte die Gemeinde eine Zuweisung in die Grünzone.

Mit diesen Vorschlägen kann offenbar auch die Alfred Müller AG gut leben. Esther Lötscher schreibt: «Auf die Sonderbauzone Tourismus entfallen 12 480 Quadratmeter. Wenn ein Teil davon, wie vom Gemeinderat vorgeschlagen, für eine Wohnnutzung zugelassen wird, werden wir auf diesem Landstück eine Projektentwicklung starten.» Eine entsprechende Nachfrage, so Lötscher, wäre gegeben. Seitens der Alfred Müller AG ist auch unbestritten, dass «wir einen wesentlichen Teil unseres Areals für öffentliche Nutzung zur Verfügung stellen».

Damit auf Oberrüti dereinst effektiv Wohnungen gebaut werden können, braucht es aber eine Zonenänderung. Darüber entscheidet der Einwohnerrat, als letzte Instanz aber das Stimmvolk an der Urne.

Thomas Heer

thomas.heer@luzernerzeitung.ch


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