Wolfgang Sieber lässt die KKL-Orgel jodeln

LUZERN ⋅ Willi Valottis Weihnachtskantate ist aussergewöhnlich, denn sie kombiniert Jodelgesang mit Orgel und Ländlerkapelle. Die Interpretation des Werks wurde am Montagabend im KKL zum Hörgenuss.
06. Dezember 2017, 06:49

«S Wiehnachtsliecht» ist eine emotional zu Herzen gehende Weihnachtskantate. Genau das Richtige, um mit Orgel, Volksmusik und Jodelgesang den Tagen vor Weihnachten Raum zu geben. Wenn das Jodlerchörli Lehn, unter der Leitung von Godi Studer junior, der Jugendchor Utopia, geleitet von Simon Strebel, beide aus Escholzmatt, Willis Wyberkapelle aus Nesslau und der Hoforganist Wolfgang Sieber aufeinandertreffen, dann wird das Ganze zum absoluten Hörgenuss.

Wolfgang Sieber gilt als einer der vielseitigsten Organisten der Schweiz. Dafür überreicht die Gemeinde Horw am 1. Januar dem Hoforganisten, der in Kastanienbaum wohnt, ihren Anerkennungspreis. Sieber kennt keine musikalischen Berührungsängste. «Von der Instrumentierung hat die Orgel etwas Verwandtes mit dem Jodelchor, der ‹grad hebet› (mit lang aushaltendem Ton die Melodieführung untermalen, Anm. d. Red.)», erklärt der Organist. Im KKL war am Montagabend genial zu hören, was eine Orgel so alles kann. Die Orgel jodelte wirklich.

Höchste gesangliche Ansprüche

Die Weihnachtskantate des Toggenburgers Willi Valotti wurde in Escholzmatt im Jahr 2001 uraufgeführt und gilt als anspruchsvolles Werk. Mit viel Gefühl und grosser Musikalität wurden die Texte von Beat Jäggi, die als Basis für diese Kantate verwendet wurden, aufgeführt. Und weil das Werk gesanglich höchste Ansprüche an den Chor und die Solisten stellt, fiel Willi Valottis Wahl bereits bei der Uraufführung auf das Jodlerchörli Lehn aus Escholzmatt, denn dieses zählt zu den besten Jodlerklubs im Land.

Neben der guten Textverständlichkeit und der harmonischen Reinheit fiel vor allem auch die interpretatorische Ausgestaltung der unterschiedlichen Kompo­sitionen auf. Dies gilt ebenso ­ für die jodelnden Geschwister ­Bernadette Roos-Stadelmann, Franz-Markus Stadelmann und Annelies Studer-Stadelmann, die als Äschlismatter Jodlerterzett auftraten, wie auch für den Schüler- und Jugendchor Utopia. Simon Strebel, Leiter des Jugendchors, ist stolz auf seine 49 Schützlinge im Alter von 9 bis 21 Jahren. Es sei nicht immer einfach, diese Gruppe zusammenzuhalten. «Wichtig ist für mich, dass sie konzentriert sind und auf mich schauen, wenn ich als Dirigent vor ihnen stehe», sagt Strebel. Die Kinder aus Escholzmatt begeisterten die 1400 Konzertbesucher mit ihren geschulten Stimmen. Der Entlebucher Sämi Studer brillierte als Jodler, Moderator und Erzähler gleichermassen. So überzeugend, so frisch, so informativ und so gekonnt wünscht man sich einen Moderator. Aufmerksamen Konzertbesuchern ist es nicht entgangen, dass Willis Wyberkapelle (Willi Valotti, Andrea Ulrich, Gaby Näf, Martina Rohrer) dem traditionellen Schottisch «Es Toggeburger-Grüessli» einen weihnächtlichen Touch verpasste.

Orgel, Chor, Terzett, Jugendchor sowie Ländlerkapelle wechselten sich in der Weihnachtskantate in lockerer Reihenfolge ab. Kompositionen wie «Im heilige Land», «Bethlehem-Polka», «Uf em Feld», «es lotterigs Schürli» bis hin zu «Heiligi Nacht» und dem Hirtenjodel erinnerten die Konzertbesucher an die Weihnachtsgeschichte. Mit stehenden Ovationen und begeistertem Applaus belohnten sie die Interpreten.

 

Monika van de Giessen

stadt@luzernerzeitung.ch


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