Zwei Gymis lassen die Finger von Laptops

BILDUNG ⋅ Wie die Lehrlinge sollen auch die Kantonsschüler Schritt für Schritt ihr persönliches Notebook in den Unterricht mitbringen. Diese Strategie stösst allerdings auch auf Vorbehalte.
05. Dezember 2017, 05:00

Evelyne Fischer

evelyne.fischer@luzernerzeitung.ch

Dank des Projekts «Pegasus» sollen Luzerner Lehrlinge und Gymnasiasten zu digitalen Überfliegern werden. Zunächst wurden ab 2014 Berufs- und Kantonsschulen mit WLAN ausgerüstet. Der Kantonsrat hat gestern die entsprechende Abrechnung genehmigt: Der Sonderkredit über 4,7 Millionen Franken wurde um 1,05 Millionen unterschritten. Nun folgt Schritt zwei: Aufs kommende Schuljahr hin braucht der Grossteil der 1.-Lehrjahr-Absolventen neu Notebooks für den Unterricht. Grund dafür ist die Strategie «Bring Your Own Device» – bring dein eigenes Gerät (Ausgabe vom Donnerstag).

Während der Fahrplan bei den Berufsschulen klar ist, kommen die Gymnasien dem Ziel des digitalen Unterrichts unterschiedlich schnell näher. Pioniere im Kanton waren die Kantonsschulen (KS) Seetal und Sursee. Hier nehmen die Schüler ab der vierten Kanti bereits seit 2012 respektive 2010 ihr eigenes Notebook mit. «An den Gymnasien von Schüpfheim, Beromünster und Reussbühl wurde die Laptop-Strategie in den letzten zwei Jahren eingeführt, an der KS Alpenquai gibt es Pilotklassen», sagt Aldo Magno, Leiter der Dienststelle Gymnasialbildung. Primär gehe es bei den Notebook-Klassen darum, den Schülern «einen klugen Umgang mit Informatikmitteln im Kontext von Bildung» beizubringen. Vorderhand keine Einführung ist an den KS Musegg und Willisau geplant.

An der Musegg will man vor der Einführung «weitere pädagogische Erfahrungen» abwarten, sagt Hans-Martin Bieri, Rektor ad interim. «Man muss das Rad nicht an jeder Schule neu erfinden.» Man bereite die Schüler mittels Projekttagen und Sonderwochen durchaus auf die Digitalisierung vor. «Dafür reicht die aktuell vorhandene Infrastruktur.» Bieri verweist auf die musisch-pädagogische Tradition des Gymis: «Wir fördern das Lernen und das kritische, vernetzte Denken nicht primär via Technik, sondern im zwischenmenschlichen Dialog.»

Victor Kaufmann, Rektor der KS Willisau, begründet den Verzicht wie folgt: «Wir verweigern uns der Technik nicht. Schon heute setzen die Schüler ihre Smartphones im Unterricht gemäss unserem Konzept ‹Mobiles Lernen› ein. Die Chancengleichheit ist gewährleistet.» Wie Bieri bezeichnet auch Kaufmann «ein gutes pädagogisches Konzept» als zentral. «Die teuren Geräte müssen in den Unterricht integriert werden. Wenn wir die Nutzung nicht garantieren können, sind kritische Stimmen der Eltern vorprogrammiert. Wir müssen die Kosten dieser Ausbildung für die Eltern im Auge behalten.»

Wie die Geräte der Berufsschüler müssen auch jene der Gymnasiasten gewisse Kriterien erfüllen. «Zwei Schulen verlangen Notebooks mit Touchscreen und Stift-Funktion», sagt Magno. An der einstigen Pilotschule KS Seetal ist letzteres keine Bedingung. «Um den Mindestanforderungen zu genügen, fallen Auslagen zwischen 400 und 500 Franken an», sagt Rektor Roger Rauber. Weil so der Kauf eines teuren Taschenrechners, gewisser Lehrmittel und Kopien entfällt, «können die Anschaffungskosten zu einem grossen Teil wieder hereingeholt werden. Der finanzielle Einsatz ist vertretbar.»

Bessere Zusammenarbeit, aber auch stärker abgelenkt

2015 wurde das Projekt an der KS Seetal evaluiert. Einige Resultate: Der Austausch von digitalen Medien vereinfacht die Zusammenarbeit, eigenverantwortliches Lernen wird gefördert, IT-Kompetenz verbessert. Das Notebook kommt fast in jeder zweiten Lektion zum Einsatz, wird aber als Quelle der Ablenkung taxiert. Rauber: «Die Evaluation hat den guten Stand des Projekts, aber auch Entwicklungsfelder aufgezeigt.» Nötig sei ein Prozess. «Ein analoger Lehrer unterrichtet nicht von heute auf morgen digital.»

Nachholbedarf habe man bei medienpädagogischen Kompetenzen. «Hier sind Smartphones die grössere Herausforderung als Laptops. Fast alle Jugendlichen ab 12 besitzen ein Smartphone und damit Apps wie Instagram und Whatsapp. Die Chancen, aber auch Risiken dieser sozialen Netzwerke begleiten sie überall hin – nicht nur in die Schule.»


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