Zwei hohe Polizeikader haben genug

LUZERN ⋅ Kripochef Daniel Bussmann stand und steht im Zusammenhang mit dem Fall Malters unter Druck. Nun kündigt die Polizei seine vorzeitige Pensionierung an – ohne einen direkten Bezug zum Fall Malters herzustellen. Und es gibt einen weiteren Abgang.
10. Januar 2018, 21:27

Daniel Bussmann kann demnächst seinen 59. Geburtstag feiern. Er befindet sich also in jener Lebensphase, in der sich die meisten berufstätigen Menschen Gedanken über den richtigen Zeitpunkt ihrer Pensionierung machen. Für Bussmann soll es Ende 2018 so weit sein. Dies kündigte am Mittwoch die Luzerner Polizei an.

Die Neuigkeit lässt aufhorchen. Denn bekanntlich steht Daniel Bussmann nicht zum ersten Mal in den Schlagzeilen. Seit bald zwei Jahren setzen ihm und Polizeikommandant Adi Achermann die Folgen des «Fall Malters» zu. Die beiden Kader sehen sich mit dem Vorwurf der fahrlässigen Tötung und des Amtsmissbrauchs konfrontiert, wobei das Bezirksgericht Kriens in der Causa bereits einen Freispruch gefällt hat. Doch der Fall wurde weitergezogen und muss als Nächstes vom Kantonsgericht beurteilt werden.

In welchem Zusammenhang stehen also die kommunizierte vorzeitige Pensionierung und der Fall Malters? Antwort auf diese Frage gab am Mittwoch nicht Bussmann, sondern dessen Chef– eben Polizeikommandant Adi Achermann. «Einen direkten ­Bezug zum Fall Malters gibt es nicht», stellt er klar. Aber natürlich hätten dieses und ähnliche Verfahren schon an den Kräften gezehrt. «Als Kripochef steht man ohnehin häufig im Gegenwind», weiss Achermann.

Besagter Wind blies mitunter auch intern: Daniel Bussmann lei­tet die Kriminalpolizei seit 1995. Sein Führungsstil galt phasen­weise als umstritten. Allerdings wird er von Kennern der Szene als zwar raubeinig, aber in seiner Fachkompetenz unantastbar beschrieben. Einen Rückschlag musste Bussmann 2013 hinnehmen, als ihm im Zug der Bewältigung der damaligen Polizeikrise die (zusätzliche) Funktion als Vizekommandant entzogen wurde.

Als einen der Hauptgründe für Bussmanns Abgang vor dem 1.1.2019 gibt Achermann die Re­glementsänderung bei der Luzerner Pensionskasse an. Tatsächlich treten auf diesen Zeitpunkt mehrere Neuerungen in Kraft, die für die Versicherten tendenziell eine Verschlechterung der Renten­bedingungen bedeuten. Für die Altersgruppe von Daniel Bussmann kann es im Einzelfall also von finanziellem Vorteil sein, sich rechtzeitig zu verabschieden.

Stelle des Kripochefs wird demnächst ausgeschrieben

Achermann bedauert den Abgang von Bussmann, in dem er nicht nur einen geschätzten Kameraden sieht, sondern auch einen Träger von sehr viel Know-how. Bussmanns Funktion als Kripo-Chef wird gemäss Achermann demnächst ausgeschrieben: «Die Neubesetzung erfolgt mit seinem Ausscheiden aus dem Dienst.»

Auf das Gerichtsverfahren freilich hat die Pensionierung keinen Einfluss. Bussmann wird diese unangenehme Pendenz je nach Verlauf noch mit in den Ruhestand nehmen müssen.

Die Luzerner Polizei vermeldete am Mittwoch noch einen weiteren Abgang: Auch Georges Dumont, seit Anfang 2015 Stellvertreter des Kommandanten und Chef Operationen, geht – bereits Ende April. Gemäss Mitteilung wechselt er in die Privatwirtschaft. «Thomas Christen, Chef der Verwaltungspolizei, und Bernhard Aregger, Chef Planung und Einsatz, werden dem Kommandanten direkt unterstellt. Interimistisch übernimmt Thomas Christen die Funktion Kommandant Stell­vertreter», heisst es weiter. 2019 werde eine definitive Lösung angestrebt. Dumonts Stelle wird derzeit also nicht 1:1 ersetzt.

 

Christian Peter Meier

christian.meier@luzernerzeitung.ch


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