Zwei neue Dampfschiff-Kapitäne auf dem Vierwaldstättersee

SCHIFFFAHRT ⋅ Kurz bevor die Dampfschiff-Flotte aus dem Winterschlaf erwacht, hat die Schifffahrtsgesellschaft SGV zwei neue Kapitäne ernannt. Für die beiden Schiffführer ist das mehr als nur eine Ehre.
Aktualisiert: 
11.04.2018, 17:00
11. April 2018, 16:50

David von Moos

david.vonmoos@luzernerzeitung.ch

In knapp zwei Wochen startet die Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV) in den Frühlingsfahrplan. Ab dann werden auch die Dampfschiffe wieder im Einsatz stehen. Am Dienstag hat die SGV zwei verdienten Schiffsführern, Michael Stadler und Michel Scheurer feierlich den Ehrengrad eines Kapitäns verliehen, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. 

Dazu wurde ihnen die weisse Kapitänsmütze übergeben. Dieser Brauch folgt einer rund 180-jährigen Tradition, wie ein Blick in die Geschichte zeigt (siehe Box).

Nur für verdiente Schiffsführer

«Für uns ist nicht jeder, der Schiffe fährt, Kapitän», hält Martin Wicki, Leiter Schifffahrt bei der SGV auf Anfrage fest. «Das ist ein Ehrengrad, den man sich verdienen muss.» Dazu gehörten längst nicht nur die erforderlichen Ausbildungen und Prüfungen für Schiffsführer verschiedener Kategorien. Mindestens ebenso wichtig sei die Einstellung gegenüber dem Arbeitgeber, dem Team und den Kunden, mit denen man täglich zu tun habe. «Kapitäne sind Mitarbeiter, die sich für das Unternehmen verdient gemacht haben. Das hat mit Dienen zu tun, und das nicht nur während einer Saison», betont Wicki.

Die Ernennung zum Kapitän erfolge deshalb in der Regel gegen Ende der Berufslaufbahn eines Schiffsführers. Der Ehrengrad bedeute eine grosse Wertschätzung und Anerkennung. Mehr verdiene ein Schiffsführer mit dem Grad eines Kapitäns allerdings nicht. 

Ehre für gebürtigen Urner

Grund zur Freude haben die frischgebackenen zwei Kapitäne trotzdem. Einer davon ist der im Kanton Uri aufgewachsene 53-jährige Michael Stadler. Er startete seine Laufbahn bei der SGV 1991 als Kontrolleur-Matrose.

Zur SGV kam der gelernte Elektriker eher zufällig. «Damals wollte ich einfach etwas Anderes machen als Elektrotechniker», erklärt Stadler. Und just zu jener Zeit hätte die SGV Kontrolleur-Matrosen mit Fremdsprachenkenntnissen gesucht. «Dass ich zuvor beruflich im Ausland war und dort Fremdsprachen lernen konnte, gab den Ausschlag.» 

Der Wunsch, Kapitän zu werden, sei also kein Bubentraum gewesen, sondern erst nach und nach entstanden. «Ich bin zwar am Ufer des Urnersees geboren und aufgewachsen und daher waren mir die vorbeifahrenden Schiffe schon immer sehr vertraut. Ich hätte aber als Kind und Jugendlicher nie gedacht, dass ich einmal darauf tätig sein werde.»

Von 1992 bis 1995 war Michael Stadler im Kassendienst auf den Schiffen tätig, bevor er im Zeitraum vom 1995 bis 2015 die unterschiedlichen Schiffsführerprüfungen absolvierte. Michael Stadler war im Jahre 2009 für die Inbetriebnahme des Katamarans «Cirrus» verantwortlich, wie es in der Mitteilung der SGV weiter heisst. Und seit 2014 steuert Stadler auch die Dampfschiffe über den Vierwaldstättersee. 24 Jahre lang war Stadler jeweils im Winterhalbjahr in der Werft in seinem angestammten Beruf als Elektriker tätig. Seit rund vier Jahren ist er im Sommer- und im Winterhalbjahr nur noch auf den Schiffen unterwegs. 

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

Über die Beförderung zum Kapitän freut sich Stadler dementsprechend sehr. «Das ist eine grosse Ehre für mich und eine schöne Anerkennung für meinen Einsatz in den vergangenen 28 Jahren bei der SGV. Das sei so etwas wie das Tüpfelchen auf dem i. «Man braucht sicher einen gewissen Ehrgeiz, um es bis zum Kapitän zu schaffen», meint Stadler weiter, «aber sicher auch ein bisschen Glück, weil Bedarf nach neuen Kapitänen vorhanden sein muss.» In den 90er-Jahren beispielsweise habe es lange Zeit keine Kapitänsernennungen mehr gegeben. «Man muss schon zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.»

Die andere Kapitänsmütze ging an Michel Scheurer aus dem Seeland. Der 48-Jährige ist bei der SGV seit Ende 2011 als Leiter Produktion und Chefkapitän tätig. In dieser Funktion nimmt er die Verantwortung über das gesamte nautische Personal wahr. Nach dem erfolgreichen Abschluss als Bahndisponent arbeitete Scheurer ab 1991 bei der Bielersee-Schifffahrts-Gesellschaft AG, zuerst als Aushilfskraft, später als Mitglied der Geschäftsleitung. Scheurer ist seit 2016 befähigt, die Dampfschiffe auf dem Vierwaldstättersee zu fahren.

Insgesamt stehen bei der SGV derzeit 65 Schiffsführer im Dienst. Zehn davon tragen die weisse Kapitänsmütze. «Uns ist wichtig, dass während der Hochsaison im Sommerhalbjahr an jedem Tag auf jedem unserer fünf Dampfschiffe ein Kapitän am Steuer ist», so Schifffahrtsleiter Martin Wicki. Dazu brauche es zwischen neun und zehn Kapitäne. Schliesslich könne auch mal jemand krankheitshalber ausfallen. 

David von Moos


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