Angespannte Situation auf dem Milchmarkt macht Bauchweh

BECKENRIED ⋅ Der Beruf des Landwirtes geniesst eine immer grössere Beliebtheit. Die Schülerzahlen an der Landwirtschaftlichen Schule sind gestiegen. Doch wie an der GV des Bauernverbandes Nidwalden zu vernehmen war, gibt es auch Schattenseiten.
21. März 2017, 07:43

«Es gibt Entwicklungen in der Landwirtschaft, die uns positiv stimmen», sagte Hansueli Keiser, Präsident des Bauernverbandes Nidwalden (BVN), am Sonntag an der diesjährigen Generalversammlung im Hotel Seerausch in Beckenried. Er verwies in seinem Grusswort auf eine Zunahme der Lernenden um 4,6 Prozent. Im vergangenen Jahr beendeten 14 Lernende, davon drei Frauen, ihre Lehre als Landwirt, und fünf Landwirte absolvierten die Meisterprüfung.

Vielen Bauernfamilien macht die angespannte Situation auf dem Milchmarkt zu schaffen. Betroffen sind zwei Drittel der Bauernbetriebe im Kanton Nidwalden. Viele seien auf zusätzliche Nebeneinkommen angewiesen, was zu psychischen Belastungen führen könne, berichtete Bauernpräsident Keiser. Als Möglichkeiten nannte er unter anderem finanzielle, aber auch zwischenmenschliche Ursachen. Zusammen mit dem Amt für Landwirtschaft will der BVN eine Anlaufstelle schaffen, die sich der Betroffenen annimmt. «Denn nur, wenn die Betroffenen über ihre Probleme reden, können gemeinsam mit Fachspezialisten Lösungen erarbeitet werden», so das Fazit von Hansueli Keiser.

Innovationspreis für «Chälä-Rugeli»

Der diesjährige Innovationspreis für erfolgreiche Produktion und Vermarktung ging an Toni Odermatt sowie Markus und Manuela Filliger. Vielen ist die «Geissäheimet» Meierskählen oberhalb von Stans bekannt. Betriebsleiter Toni Odermatt, der den Betrieb seit 14 Jahren führt, nutzt die gesamte Wertschöpfung von der Ziegenhaltung bis zum Verkauf. Mit Erfolg vermarktet er Ziegenprodukte wie das bekannte «Chälä-Rugeli», den Stanser Ziegen­käse, sowie Trockenwürste und Frischfleisch. Die Himbeeren, Brombeeren und Kirschen von Markus und Manuela Filliger aus Ennetmoos sind bis weit über die Kantonsgrenzen hinaus bekannt. Jährlich ernten und vermarkten die beiden etwa fünf Tonnen dieser Früchte. Vor drei Jahren verabschiedete sich die Familie Filliger von der Milchproduktion und stellte den Betrieb auf Aufzucht um. Und dies mit Erfolg: Ihre Rinder finden reissenden Absatz.

Laut BVN-Präsident Hans­ueli Keiser suchen die Pilatus-Flugzeugwerke Unterkunftsmöglichkeiten für Lehrlinge. Sepp Odermatt, Landwirt und Landrat, äusserte sich kritisch über die verschärften Richtlinien für Bauten ausserhalb der Bauzone und den Umgangston des kantonalen Amtes für Raumplanung, und erntete dabei grossen Applaus. Regierungsrat Ueli Amstad verwies auf grosszügige Wohnflächenregelung (350 Quadratmeter) in Nidwalden, hofft aber auf Korrekturen.

Die Vorstandsmitglieder Werner Bircher und Beat Würsch traten zurück. An ihrer Stelle wählte die Versammlung den zweifachen Familienvater Beat Risi (38) und den 29-jährigen Meisterlandwirt Sepp Lussi in den Vorstand. In seinem letzten Kassenbericht präsentierte Werner Bircher einen Gewinn von knapp 1000 Franken.

 

Richard Greuter

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch


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